Osteoporose

Eine Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die mit einer verminderten Knochendichte und einer Störung der Architektur des Knochens einhergeht. Es besteht ein deutlich erhöhtes Risiko Knochenbrüche zu entwickeln. Besonders gefährlich sind Brüche von Wirbelkörpern und des Oberschenkelhalses.

Was ist eine Osteoporose?

Es handelt sich um eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels. Knochen sind lebende Organsysteme, die einem ständigen Auf- und Abbau unterliegen. Die Regulation dieser Prozesse ist bei der Osteoporose gestört, die Knochenmasse nimmt ab. Dadurch steigt die Bruchneigung.

Welche Beschwerden werden verursacht?

Osteoporose-Symptome entwickeln sich langsam. Zu Beginn der Erkrankung treten meist keine Beschwerden auf. Erst im Verlauf klagen Patienten z. B. über Rückenschmerzen oder auch Knieschmerzen. Die Knochenmasse wird durch das Fortschreiten der Krankheit immer geringer, die Auswirkungen deutlicher.

Durch eine Osteoporose können Brüche der Wirbelkörper oder am Schenkelhals auftreten. Beides kann erhebliche Probleme verursachen. Wirbelkörperbrüche sind sehr schmerzhaft. Durch die Brüche kann ein ausgeprägter Rundrücken auftreten, der die gesamte Haltung des Körpers beeinträchtigt und zu Atemproblemen führen kann. Schenkelhalsbrüche müssen in den meisten Fällen operiert werden. Es ist sehr wichtig, dass die Patienten nach einem Schenkelhalsbruch frühzeitig mobilisiert werden, um eine dauerhafte Bettlägerigkeit zu vermeiden.

Eine Osteoporose ist eine generalisierte Knochenstoffwechselerkrankung, die alle Knochen des menschlichen Körpers befällt. Frakturen der Wirbelkörper und des Schenkelhalses haben besonders schwere Auswirkungen. Grundsätzlich können aber auch andere Frakturen, z. B. des Oberarms oder der Rippen, auftreten.

Anatomisches Modell Osteoporose Femur
© crevis - stock.adobe.com

Ursachen und Risikofaktoren

Erkrankungen, die eine Osteoporose begünstigen, sind:

  • entzündliche Rheumaerkrankungen,
  • Bluterkrankungen,
  • Hormonerkrankungen,
  • Nierenerkrankungen und
  • Darmerkrankungen.

Eine Chemotherapie und Medikamente (wie z.B. Kortison oder Antihormonmedikamente bei Brustkrebs oder Prostatakrebs) können ebenfalls zu einer Osteoporose führen.

Im Rahmen einer osteologischen Untersuchung wird eine Vielzahl von Risikofaktoren erfragt. Das beinhaltet den Zeitpunkt der Wechseljahre, Medikamente (z.B. Kortison), Alkohol, Rauchen, Ernährungsgewohnheiten etc. Nur wenn diese Risikofaktoren lückenlos erfasst sind, kann die Therapieentscheidung gefällt werden.

 

Unterschied zwischen einer primären und sekundären Osteoporose

Anhand der Ursachen unterscheidet man zwischen einer primären und einer sekundären Osteoporose.

  • primäre Osteoporose: Alter und Menopause ursächlich für die Erkrankung
  • sekundäre Osteoporose: eine der genannten Grunderkrankungen Auslöser der Osteoporose

Wer ist von Osteoporose betroffen?

Hohes Alter ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine Osteoporose. Daher sind in vielen Fällen Frauen erst ab dem 60. Lebensjahr und Männer ab dem 70. Lebensjahr betroffen. Wenn die Osteoporose früher auftritt, muss besonders sorgsam nach einer Ursache gesucht werden. Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (z.B. Rheumatoide Arthritis, Ankylosierende Spondylitis, Psoriasisarthritis, Vaskulitis, Sarkoidose) können durch die Entzündung selber und durch eine mögliche Kortisontherapie schon in mittlerem Alter eine Osteoporose entwickeln. Die intensive Behandlung der rheumatischen Grunderkrankung ist in diesen Fällen auch zur Verbesserung der Osteoporose von entscheidender Bedeutung.

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Je früher die Behandlung erfolgt, umso besser ist die Prognose. Es gilt, insbesondere Wirbelkörperfrakturen und Schenkelhalsfrakturen zu verhindern, da diese zu bleibenden Einschränkungen führen können.

Welche Ärzte sind spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie der Osteoporose?

Osteologen sind Ärzte, die auf die Behandlung von Knochenerkrankungen spezialisiert sind. Osteologen können Internisten (Rheumatologen oder Hormonspezialisten), Orthopäden oder Gynäkologen sein. In besonders spezialisierten Rehabilitationszentren (klinisch-osteologisches Zentrum DVO) arbeiten alle drei Berufsgruppen eng zusammen. Der Internist kennt sich besonders gut mit dem Stoffwechsel des Knochens aus. Der Orthopäde hat sich auf das Zusammenspiel von Knochen und Muskeln und auf die Haltung der Wirbelsäule spezialisiert. Gynäkologen untersuchen die weiblichen Hormone, die den Knochen vor dem Abbau schützen.

Patienten, die sich wegen einer Osteoporose in einer Rehabilitation befinden, sollten darauf achten, in ein spezialisiertes Zentrum zu gehen, weil nur dort alle Aspekte dieser Erkrankung berücksichtigt werden.

Diagnostik

Jede Osteoporose bedarf einer umfassenden Abklärung. Der Knochenspezialist (Osteologe) klärt ab, ob es andere Erkrankungen gibt, die zu der Osteoporose geführt haben.

Nur wenn alle möglichen Ursachen gründlich abgeklärt sind, kann eine gezielte Therapie erfolgen.

Alle Risikofaktoren, die eine Osteoporose auslösen können, werden durch einen strukturierten Fragebogen erfasst. Es gibt eine Reihe klinischer Tests (z.B. den „Timed-up and go Test“), mit denen geprüft werden kann, ob ein Patient sturzgefährdet ist. Diese Untersuchung wird als Sturzassessment bezeichnet. Zur Diagnostik werden Laboruntersuchungen, eine Knochendichtemessung und Röntgenuntersuchungen eingesetzt.

Behandlung

Die Behandlung der Osteoporose ist immer ganzheitlich durchzuführen. Dabei beruht sie im Wesentlichen auf 2 Säulen: der medikamentösen Therapie und der Rehabilitation. Je nach Fraktur kann vorher eine operative Therapie indiziert sein. Viele der Wirbelkörperfrakturen werden konservativ (ohne Operation) behandelt. Die medikamentöse Therapie führt dazu, dass der Knochen gehärtet wird und somit mehr Stabilität erhält. Ziel der Therapien in einer Rehabilitation sind die Reduktion von Schmerzen, Information über das Krankheitsbild, Optimierung der Ernährung und Verbesserung der Muskulatur.

Osteologische Verlaufskontrollen sind alle zwei Jahre indiziert. Unter einer ganzheitlichen Therapie sollen sich Knochendichte und Frakturwahrscheinlichkeit bessern.

Welche Medikamente werden bei der Osteoporose eingesetzt?

Die Auswahl der Medikamente hängt von der zugrundeliegenden Ursache der Osteoporose ab.

  • Patienten, die eine Osteoporose aufgrund einer Rheumaerkrankung entwickelt haben, benötigen als erstes eine gute Therapie ihrer Rheumaerkrankung.
  • Ist eine Hormonerkrankung Ursache der Osteoporose, sollte zunächst eine Therapie der Hormonerkrankung erfolgen.

Die Knochenspezialisten (Osteologen) können ausrechnen, wie wahrscheinlich Knochenbrüche in den nächsten Jahren sind. In Abhängigkeit davon werden zusätzlich Medikamente ausgewählt, die den Knochen festigen.

Wie wird in einer Rehabilitation therapiert?

Eine stationäre Rehabilitation ist bei allen Patienten mit Wirbelkörperfrakturen und Schenkelhalsfrakturen indiziert. Bei Patienten, die bisher keine Frakturen erlitten haben, ist eine Rehabilitation ein wichtiger Baustein, um zukünftige Frakturen zu verhindern. Die Begutachtung der Knochenqualität ist integraler Bestandteil jeder rheumatologischen Rehabilitation.

Reduktion von Stürzen: Stürze stellen bei Osteoporose ein Risiko für Knochenbrüche dar. Eine Reihe von Erkrankungen können für die Stürze verantwortlich sein. Es erfolgen eine gründliche Untersuchung der Sturzneigung und eine Abklärung der zugrundeliegenden Ursachen (strukturiertes Sturz-Assessment). Eine Schwäche der Oberschenkelmuskulatur, eine schwere Kniegelenkarthrose, Nervenerkrankungen, Kreislaufprobleme, nächtlicher Harndrang und einige Medikamente können Stürze begünstigen. Die Therapiepläne in der Rehabilitation orientieren sich an diesen Grunderkrankungen.

Kräftigung der Muskulatur: Ein Wirbelkörperbruch führt zu einer Abschwächung der Bauch- und Rückenmuskulatur. Viele Patienten mit Osteoporose haben eine schwache Oberschenkelmuskulatur, was zu vermehrten Stürzen führen kann. Eine vorsichtige Kräftigung der abgeschwächten Muskulatur ist ein wichtiges Therapieelement.

Förderung der Koordination: Unter Koordination versteht man das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen. Dieses Zusammenspiel ist wichtig um das Gleichgewicht zu halten und so Stürze zu vermeiden. In vielen spezialisierten Rehabilitationskliniken werden Sturzprophylaxe-Übungen angeboten.

Reduktion von Schmerzen: Wirbelkörperbrüche führen zu starken Schmerzen. Die Schmerzen wiederum führen zur Immobilität und Schonhaltung. Eine adäquate Schmerzlinderung ist zwingend erforderlich, um Mobilität zu erhalten. Die richtige Auswahl der Medikamente ist nicht einfach, da einige Medikamente Stürze fördern können. Hilfreich sind in dieser schwierigen klinischen Situation oft ergänzende nicht-medikamentöse Ansätze. Eine aktivierende Wirbelsäulen-Orthese hilft beispielsweise, Schmerzen zu lindern und sorgt für einen Trainingseffekt der Wirbelsäulenmuskulatur. 

Information über die Erkrankung: Ein gut informierter Patient kann besser mit einer komplexen Erkrankung umgehen als ein uninformierter Patient. In Schulungen werden Ursachen der Osteoporose, medikamentöse Therapien, Bewegungstherapien und Ernährung besprochen.

Ernährung: Eine „knochengesunde Ernährung“ mit ausreichenden Mengen Calcium und Vitamin D ist Grundlage jeder Osteoporose-Therapie. Es bietet sich an, die Kenntnisse auch in Form von gemeinsamem Kochen in der „Lehrküche“ zu vermitteln. Das Lernen erfolgt dort beiläufig während des Kochens und macht viel Spaß.

Umgang mit der Erkrankung: Durch die Stärke der Schmerzen und die daraus folgenden körperlichen Einschränkungen wird die Erkrankung oft als sehr belastend erlebt. Im Rahmen von Gesprächsgruppen geht es um die Verbesserung des Umgangs mit Einschränkungen durch die Erkrankung.

Beruf: Die berufliche Situation ist ein zentrales Thema der Rehabilitation. Hierbei ist es wichtig darauf zu achten, dass übermäßige Hebebelastungen unterbleiben, da hierdurch Wirbelkörperbrüche begünstigt werden können.

Nachsorge/Selbsthilfe: Nur wenn Anwendungen nach der Rehabilitation weitergeführt werden, kann ein dauerhafter Rehabilitationserfolg sichergestellt werden. Bereits während der Rehabilitation werden die anschließenden Anwendungen geplant.

Vorbeugung einer Osteoporose

Bewegung und gute Ernährung sind wichtige Bausteine für gesunde Knochen. Wichtig ist es, die Menschen, bei denen diese Maßnahmen alleine nicht ausreichen, um eine Osteoporose zu verhindern, frühzeitig zu identifizieren.

Fazit

Die Rehabilitation von Patienten mit Osteoporose sollte in spezialisierten Kliniken stattfinden, in denen Internisten/Rheumatologen, Orthopäden und Gynäkologen eng zusammenarbeiten. Solche Zentren werden durch die medizinischen Fachgesellschaften zertifiziert (Klinisch-osteologisches Schwerpunktzentrum DVO). Die Therapie der Osteoporose orientiert sich an der zugrundeliegenden Ursache und an funktionellen Einschränkungen, die gezielt in der Rehabilitation behandelt werden.

zuletzt geändert am: 04.01.2021

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