Adipositas

Zu den typischen Zivilisationskrankheiten in Industrieländern gehören Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit). Allein in Deutschland, wo über die Hälfte der Bevölkerung unter Übergewicht leidet, gelten 24 Prozent der Menschen als adipös. Lediglich ein Drittel der Erwachsenen hat noch ein Körpergewicht, das für die Gesundheit als wünschenswert gilt. Denn starkes Übergewicht – oder Fettsucht, wie Adipositas im Volksmund auch bezeichnet wird – birgt ein großes Risiko für die Betroffenen, an Folgekrankheiten wie etwa Diabetes, Bluthochdruck oder Schlafapnoe zu erkranken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt Adipositas in verschiedene Schweregrade, die sich am Body-Mass-Index, also der Körpermasse, orientieren.

Die verschiedenen Schweregrade von Adipositas

Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation haben Menschen mit einem Body-Mass-Index von 18,5 bis 24,9 Normalgewicht. Von Übergewicht, also der Vorstufe von Adipositas, spricht man hingegen bei einem Body-Mass-Index von 25 bis 29,9. Adipositas an sich wird in drei weitere Schweregrade eingeteilt:

  • Menschen mit einem Body-Mass-Index von 30 bis 34,9 leiden unter Adipositas Grad I
  • Menschen mit einem Body-Mass-Index von 35 bis 39,9 haben eine Adipositas Grad II und
  • bei Menschen mit einem Body-Mass-Index von 40 oder mehr spricht man von Adipositas Grad III. Das Risiko, an einer Folgeerkrankung zu erkranken, ist für Betroffene mit Adipositas Grad III besonders hoch.

Die Ursachen von Adipositas

In industrialisierten Ländern ist Adipositas oftmals die Folge des Lebensstils. Denn die Menschen leisten körperliche Arbeit nur in einem geringen Ausmaß, während Lebensmittel im Überfluss zur Verfügung stehen. Jedoch sind die Ursachen für Adipositas vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheint.

Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Bewegungsmangel bei gleichzeitiger Überernährung: Wer zu viel isst, sich dabei womöglich auch noch falsch ernährt und zudem einen Mangel an Bewegung hat, hat zwangsläufig eine positive Energiebilanz mit Kalorienüberschuss, die sich in Form von Fettdepots äußert. Eine wichtige Rolle hinsichtlich der Ernährung dürften auch zuckerhaltige Getränke (Softdrinks) spielen, wie mittlerweile durch mehrere Studien erwiesen ist.
  • Sogenannte sozio-kulturelle Faktoren: Einen großen Beitrag zum Bewegungsmangel bei gleichzeitiger Überernährung spielen auch zahlreiche sozio-kulturelle Faktoren. Dazu gehören sitzende Tätigkeiten mit wenig Bewegung und die Tatsache, dass kaum jemand Zeit für geregelte Mahlzeiten hat beziehungsweise Essen als "Überspannungshandlung" betrachtet wird, um von anderen Problemen abzulenken. Feststellen lässt sich, dass oft Menschen mit einem geringen sozialen Status unter Adipositas leiden.
  • Genetische Faktoren: Wie hoch der Grundumsatz eines jeden Menschen ist, wie er die Nahrung verwertet und wie das persönliche Fettverteilungsmuster aussieht, wird durch genetische Faktoren, also die Erbanlagen, bestimmt. Dass die Erbanlagen eine Rolle spielen, konnte durch Zwillingsstudien nachgewiesen werden.
  • Psychische Faktoren: Essen kann auch als Trost, zur Nervenberuhigung, zur Beschäftigung bei Langeweile und Einsamkeit oder anderen psychischen Belastungen dienen. Dies führt längerfristig ebenfalls zu Übergewicht. Daher spielt auch die Verhaltenstherapie eine Rolle bei der Gewichtsreduktion. Diese ist ein wichtiger Bestandteil der Gewichtsreduktionstherapie in der Rehabilitation.
  • Komplexe Erkrankungen: Eine Adipositas kann selten allerdings auch die Folge einer anderen Krankheit sein. Dazu gehören neben Suchtverhalten insbesondere Stoffwechselkrankheiten, die sich bei etwa zwei Prozent der Bevölkerung beobachten lassen. Hierzu zählen neben einer Unterfunktionen der Schilddrüse auch eine Störung des Kortisolhaushaltes oder eine Glukosestoffwechselstörung. Ob es auch einen ursächlichen Zusammenhang mit einer Infektion durch Adenoviren oder mit bestimmten Darmbakterien gibt, wird kontrovers diskutiert.
Frau mit Adipositas
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Weitere Faktoren, die zu einer Adipositas führen können

Verschiedene Medikamente wie Antidepressiva, Insulin, Betablocker oder Neuroleptika können zu einer Gewichtszunahme führen. Es gibt allerdings auch Medikamente, die eine Gewichtszunahme begünstigen können, wenn sie abgesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Sympathomimetika.

Auch während der Schwangerschaft können Faktoren auftreten, die im späteren Leben zu einer Adipositas führen. Beispielsweise, wenn die Mutter an Diabetes mellitus des Typs 2 erkrankt ist.

Ebenso wichtig ist die Qualität der Nahrung, weil die Verwertung des Essens vom Körper Arbeit erfordert. Beispielsweise ist der Energieverbrauch des menschlichen Körpers höher, wenn er proteinhaltige und ballaststoffreiche Nahrung zu sich nimmt.

Wie sich aus verschiedenen Studien ersehen lässt, kann Übergewicht auch durch ausreichenden und qualitativ hochwertigen Schlaf vermieden werden. Das bedeutet: Wer mehr und besser schläft, isst automatisch weniger.

Die Folgen von Übergewicht

Zahlreiche Zivilisationskrankheiten sind eine direkte Folge von Übergewicht. Einen Risikofaktor stellt Adipositas insbesondere für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus dar. Auch das Krebsrisiko ist bei Menschen, die starkes Übergewicht haben, merklich erhöht.

Des Weiteren gelten Adipositas und Diabetes als mögliche Risikofaktoren für Demenzerkrankungen, z. B. die Alzheimer-Erkrankung bzw. können diese verschlimmern.

Nicht minder gravierend sind die psychischen Folgen einer Adipositas, weil sich die Betroffenen oft ein minderwertiges Selbstvertrauen aufweisen und sich als Außenseiter fühlen. Trotz ihrer Häufigkeit wird Fettleibigkeit in der westlichen Gesellschaft nicht toleriert. Die Betroffenen werden oft beruflich und sozial ausgegrenzt, was wirtschaftlich nachteilige Folgen haben kann. Beispielsweise kann Fettleibigkeit ein Grund dafür sein, wenn Betroffene nicht im öffentlichen Dienst eingestellt oder verbeamtet werden.

Wenn Adipositas bei Kindern und Jugendlichen auftritt

Auch wenn Kinder unter Adipositas leiden, ist dies mit großen Risiken für die Gesundheit verbunden, was sowohl für körperliche als auch für psychische Erkrankungen gilt. Mögliche Folgen können beispielsweise Verhaltens- und Lernstörungen, Depressionen aber auch Entwicklungsstörungen sein.

Wie wird eine Adipositas behandelt?

Grundsätzlich geht es bei der Behandlung von Adipositas um die Reduzierung des Körpergewichts, auch wenn sich die möglichen Therapien nach der Ursache für das Übergewicht unterscheiden. Beim Vorgespräch mit dem Arzt spielt deshalb die individuelle Krankengeschichte des Patienten ebenso eine Rolle wie der psychische Zustand und die Ernährungs- und Essgewohnheiten.

Die Behandlung von Adipositas in der Klinik

Weil Adipositas in verschiedenen Schweregraden auftreten kann und unterschiedliche gesundheitliche Einschränkungen oder gar Begleiterkrankungen damit verbunden sein können, müssen die entsprechende Behandlung und Rehabilitation individuell auf den Patienten zugeschnitten sein.

Meist erfolgt eine ambulante Therapie, die ärztlich begleitet wird. Im Rahmen dieser Therapie stellen die Betroffenen ihre Ernährung um und integrieren Bewegungseinheiten in ihren Alltag. Dies ist selbst bei schweren Fällen möglich, auch wenn im Einzelfall ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik angeraten sein kann. Eine stationäre Therapie wird meist durchgeführt, wenn die übergewichtigen Patienten aufgrund von Einschränkungen eine ambulante Reha-Maßnahme nicht durchführen können oder ein Aufenthalt außerhalb des häuslichen Umfelds sinnvoll ist. Sinnvoll kann der Klinikaufenthalt auch nach einer Operation sein, wobei die Reha in diesem Fall als AHB-Maßnahme durchgeführt wird. Eine Rehabilitation mit Gewichtsabnahme kann aber auch vor einer geplanten, sogenannten „bariatrischen“ oder anderen Operation sinnvoll sein, um das Operationsrisiko zu senken. Bariatrische Operationen sind Operationen, die zu einer Gewichtsabnahme führen sollen.

Die Voraussetzungen für einen Klinikaufenthalt

Damit die stationäre Rehabilitation erfolgreich ist, muss der Patient eine starke Motivation, etwas Selbstdisziplin mitbringen und bei sämtlichen therapeutischen Maßnahmen kooperativ sein. Angeraten ist ein stationärer Aufenthalt in jedem Fall, sofern der Body-Mass-Index bei 35 oder höher liegt oder der Patient unter einer Begleiterkrankung wie Bluthochdruck, Diabetes oder einer Erkrankung im Herz-Kreislaufsystem leidet.

Paar mit Übergewicht
© Vadym - stock.adobe.com

Warum die Ernährungsumstellung wichtig ist

Für Patienten, die unter Adipositas leiden, ist es vor allem wichtig, die Ernährung dauerhaft umzustellen, weil sie nur dadurch das Übergewicht dauerhaft reduzieren können. Das bedeutet: Die Betroffenen müssen ihrem Körper weniger Kalorien zuführen, als tatsächlich verbraucht werden. Dafür müssen sie nicht einmal auf einseitige Diäten oder irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Sichere Daten, dass eine „low carb“ Diät besser als eine „low fat“ Diät sei, gibt es in der Wissenschaft nicht.

Wichtig für eine erfolgreiche Diät auf dem Weg zum gesunden Gewicht ist das Wissen über den tatsächlichen Kalorienbedarf und leistungsabhängigen Verbrauch. Mit entsprechenden Rechnern oder einer fachkundigen Beratung lassen sich Grund- und Gesamtumsatz bestimmen und eine kalorienreduzierte Ernährung planen. Es reicht völlig aus, wenn sie sich abwechslungsreich, fett- und zuckerarm und frisch ernähren.

Tausende von Kalorien werden beispielsweise schon durch den Verzicht auf Fastfood und stark gezuckerte Getränke eingespart. Von Diätprodukten während der Ernährungsumstellung ist dagegen eher abzuraten, weil diese meist nur einen kurzfristigen Effekt haben und mittelfristig wieder eine Gewichtszunahme droht.

zuletzt geändert am: 19.11.2019

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