Bypass-OP

Bei einer Bypass-Operation erfolgt eine Umgehung von verengten Blutgefäßen. Der Eingriff zählt zu den gängigsten Verfahren der Herzchirurgie.

Was ist eine Bypass-OP?

Als Bypass bezeichnet die Medizin Umgehungen von Blutgefäßen, die operativ angelegt werden. Ein Bypass wird meistens am Herzen eingesetzt, die Bypass-Operation lässt sich aber auch an anderen Blutgefäßen durchführen.

Die Bypass-OP stellt die am häufigsten vorgenommene Herzoperation in der westlichen Welt dar. Durch einen Herz-Bypass wird die Sauerstoffversorgung des Herzens wiederhergestellt oder zumindest verbessert. In der Medizin ist von einem aortokoronaren Bypass (ACB) die Rede, weil sein Verlauf von der Aorta (Hauptschlagader) zu einer Koronararterie (Herzkranzgefäß) reicht. Auf diese Weise werden verschlossene oder verengte Gefäßteile überprückt.

Wann ist eine Bypass-Operation notwendig?

Zu den häufigsten Gründen für eine Bypass-OP zählt die koronare Herzerkrankung (KHK). Allein in Deutschland sind rund eine Million Bürger von ihr betroffen. Dabei besteht eine Verengung der Herzkranzgefäße, die durch Stoffwechselerkrankungen oder Rauchen hervorgerufen wird. Durch die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) setzen sich Ablagerungen an den Gefäßwänden fest.

Besonders Männer im Alter zwischen 50 und 60 sind von dieser Herzerkrankung betroffen. Generell zeigt sich die koronare Herzerkrankung bei Männern häufiger als beim weiblichen Geschlecht.

Die Verengungen führen dazu, dass der Herzmuskel nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und Blut versorgt wird. Bemerkbar macht sich dies durch Engegefühle in der Brust sowie Atemnot, was die Ärzte als Angina pectoris bezeichnen. Verschließt sich das Herzkranzgefäß komplett, droht ein lebensgefährlicher Herzinfarkt.

Schematische Darstellung eines Blutgefäßes, welches durch Ablagerungen an der inneren Wandschicht verengt wird. Die Blutplättchen können nur erschwert die Engstelle passieren.
Arteriosklerose © psdesign1 / Fotolia

Einsatz eines Bypass in einer offenen OP

Die Medizin unterscheidet zwischen einer Bypass-Operation am offenen Herzen sowie einer minimal-invasiven Bypass-OP. Im Rahmen der offenen Operation schneidet der Chirurg zunächst den Brustkorb des Patienten der Länge nach auf. Nach dessen Freilegung erfolgt das Öffnen des Herzbeutels. Gleichzeitig wird von einem Assistenten ein Blutgefäß vorbereitet, das anschließend für den Bypass verwendet wird. Üblicherweise handelt es sich dabei um eine Beinvene oder eine Brustwand- bzw. Unterarmarterie.

Zum präzisen Anlegen des Bypass ist es nötig, die Herzkranzgefäße stillzulegen. Dazu stehen der Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine oder die OPCAB-Methode zur Verfügung.

Beim Einsatz der Herz-Lungen-Maschine (HLM) wird von dieser die Pumptätigkeit des Herzens und die Lungenfunktion für einen gewissen Zeitraum übernommen. Mit diesem Vorgehen lässt sich der Kreislauf aufrechterhalten. Über ein Schlauchsystem pumpt die HLM das Blut ab und führt es mit angereichertem Sauerstoff wieder zurück in den Organismus. Durch eine Kardioplegie-Lösung lässt sich das Herz währenddessen stilllegen.

OPCAB steht für Off-Pump-Coronary-Artery-Bypass. Bei diesem Verfahren ist die Herz-Lungen-Maschine überflüssig. So wird die Herzoberfläche durch Stabilisatoren ruhiggestellt, wodurch sich der Eingriff bei schlagendem Herzen vornehmen lässt.

Minimal-invasive Bypass-OP

Als Alternative zur Operation am offenen Herzen gilt die minimal-invasive Bypass-OP, in deren Rahmen der Brustkorb nicht freigelegt werden muss. Das Einsetzen des Bypass erfolgt mit einem Endoskop, sodass nur kleine Schnitte erforderlich sind.

In den letzten Jahren wurde die minimal-invasive Bypass-OP zunehmend populärer, weil sie als schonender gilt als die offene Operation. Auch die Genesungsdauer fällt zumeist kürzer aus. So nimmt der Aufenthalt auf der Intensivstation weniger Zeit in Anspruch und der Patient kann das Krankenhaus rascher verlassen. Darüber hinaus ist das Infektionsrisiko aufgrund der kleineren Wundfläche geringer. Allerdings richtet sich die Durchführbarkeit des minimal-invasiven Verfahrens nach dem Ausmaß und der Position der Engstellen an den Herzkranzgefäßen.

Lebenserwartung nach der Bypass-Operation

Sofern es vor dem Eingriff nicht zu Schädigungen des Herzmuskels durch einen Herzinfarkt kam, entspricht die Lebenserwartung des Patienten der eines gesunden Menschen. Auch seine körperliche Leistungsfähigkeit lässt sich komplett wiederherstellen. Der Patient ist in der Lage, sein Herz zu belasten, ohne dass Schmerzen auftreten, sodass er seinem gewohnten Alltag nachgehen kann.

Wichtig ist jedoch, dass der Betroffene nach der Operation einen gesunden Lebensstil pflegt und sich viel bewegt. Dadurch kann er den Verlauf nach der Operation positiv beeinflussen. Mindestens einmal im Jahr empfiehlt sich eine Kontrolluntersuchung beim Kardiologen.

Schematische Darstellung des menschlichen Brustkorbs mit Hervorhebung des Herzens und den Herzkranzgefäßen
© yodiyim / Fotolia

Risiken und Komplikationen

Wie bei jedem anderen chirurgischen Verfahren besteht auch bei einer Bypass-OP die Gefahr von Komplikationen. Am höchsten ist das Risiko, wenn ein Notfalleingriff notwendig ist oder schon einmal eine Herzoperation durchgeführt wurde. Seit einigen Jahren sinkt die Komplikationsrate jedoch beständig ab und beträgt nur noch ein bis zwei Prozent. Zu den häufigsten Risiken zählen:

  • ein Herzinfarkt oder Schlaganfall während des Eingriffs
  • Herzrhythmusstörungen
  • Nachblutungen im Herzbeutel
  • Kurzatmigkeit nach der Operation

Leben nach der Bypass-OP

Bei den meisten Patienten sehen die Erfolgsaussichten nach einer Bypass-Operation positiv aus. So sind bei rund 90 Prozent aller Behandelten auch nach 20 Jahren die Arterienbypässe noch immer durchgängig.

Sieben bis zehn Tage nach dem Eingriff findet die Anschlussbehandlung in einer speziellen Herz-Reha-Klinik statt. Diese nimmt in der Regel drei bis vier Wochen in Anspruch. Danach ist der Patient zumeist wieder in der Lage, seinen beruflichen oder alltäglichen Gewohnheiten wie zum Beispiel Autofahren wieder nachzugehen.

Reha nach der Behandlung

Nach überstandener Bypass-OP begibt sich der Patient zumeist in eine Rehabilitationsklinik. Dort wird dem Patienten vermittelt, sich auf seine Erkrankung einzustellen und bestimmte Risikofaktoren in Zukunft zu vermeiden.

Die Reha kann sowohl stationär als auch ambulant stattfinden und trägt dazu bei, weiteren Herzproblemen vorzubeugen. Welche Reha-Maßnahmen in der kardiologischen Reha durchgeführt werden, ist individuell verschieden. Der Patient erhält eine professionelle Betreuung durch Mediziner, Psychologen, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Sozialarbeiter. Diese geben ihm Tipps zu Ernährung, Bewegung und Gesundheitstraining, was pro Tag etwa 4 bis 6 Stunden in Anspruch nimmt.

Fazit

Die Bypass-Operation gehört zu den erfolgreichsten Verfahren der Herzchirurgie. Wichtig für ihr Gelingen ist auch die Nachbehandlung in einer Reha-Klinik, in der dem Patienten grundlegende Erkenntnisse über die weitere Lebensweise vermittelt werden.

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