Onkologische Reha

Eine Krebserkrankung und ihre Therapie sind ein gravierender Einschnitt in den Lebensalltag. Die anschließende Behandlung und das „Leben mit Krebs“ kosten Kraft und bedeuten eine ständige Auseinandersetzung mit diesem Thema. Wie das „Leben nach dem Krebs“ aussehen kann, ist eine von vielen Fragen, die sich Betroffene und Angehörige stellen.

Den Krebs hinter sich lassen zu können und die physischen und psychischen Auswirkungen der Erkrankung zu verarbeiten sind die Ziele der Onkologischen Reha. Diese medizinische Rehabilitation schließt an die akute Krebstherapie an und führt die Behandlungen weiter. Sie soll Ihnen dabei helfen, wieder Kraft zu tanken und Erholung zu finden. Zudem soll Ihnen der Übergang in den Alltag und die Berufstätigkeit erleichtert werden (soziale und berufliche Reha). Eine Reha soll mit unterschiedlichen Maßnahmen eine frühzeitige Rente oder Pflegebedürftigkeit abwenden.

Das Leben mit und nach dem Krebs

Die Diagnose „Krebs“ steht für eine anstrengende Zeit und einen großen Kraftaufwand. Jede Krebserkrankung braucht eine individuellen Therapieplan je nach Verlauf und Art der Erkrankung. Dafür stehen einige Standardverfahren zur Verfügung, von der Chemotherapie, über Strahlentherapie bis hin zu Operationen. Da diese Eingriffe und Therapien sehr viel Kraft und Zeit kosten, brauchen Sie eine entsprechend lange Zeit zur Wiedergewinnung ihrer Kräfte.

Hier setzt die Onkologische Reha an, die Ihnen nicht nur dabei hilft, körperlich wieder zu genesen und den ersten Therapieerfolg zu stabilisieren. Die Reha bietet Ihnen auch einen Rahmen dafür, sich mental-emotional mit Ihrer Erkrankung und den möglichen Folgen auseinanderzusetzen. So wird Ihnen die Phase zwischen Klinik und Alltag etwas erleichtert.

Ein Patient bekommt emotionalen Beistand, symbolisiert durch die Berührung der zusammengefalteten Hände durch eine andere Person.
© Ocskay Mark / Fotolia

Wer hat Anspruch auf eine Onkologische Reha?

Nach der ersten Behandlung Ihrer Krebserkrankung sind Ihr behandelnder Arzt und der Kliniksozialdienst Ihre Ansprechpartner zum Thema Reha. Nach einer Operation oder Chemotherapie haben Sie die Möglichkeit einer Anschlussheilbehandlung nach dem Klinikaufenthalt.

Damit Sie eine Onkologische Reha in Anspruch nehmen können, müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Die akute Erstbehandlung ist abgeschlossen.
  • Es gibt eine positive Prognose darüber, dass die Onkologische Reha Ihre körperlichen, seelischen, sozialen und/oder beruflichen Krankheitsfolgen verbessern wird.

Sie sind körperlich ausreichend belastbar, um die Reha antreten zu können.

Was leistet eine Onkologische Reha?

Eine Onkologische Reha soll die Wirkung der ersten, akuten Therapie der Krebserkrankung festigen und unterstützen. Da die Krebserkrankung und ihre Behandlung Sie als ganzen Menschen gefordert hat, verfolgt die Onkologische Reha auch einen ganzheitlichen Ansatz. Körperliche Nachwirkungen und Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Ängste sollen gemildert werden. Dies alles hat Ihre Genesung und Lebensqualität, aber auch Selbständigkeit und zukünftige Erwerbsfähigkeit im Blick.

Sie werden dafür im physischen und psychischen Bereich unterstützt mit

  • Ergo- und Physiotherapie,
  • Bewegungstherapie,
  • Schmerztherapie,
  • ergänzender Beratung zu Ernährung und dem zukünftigen Alltag,
  • psychoonkologischer Hilfen und Krisenintervention,
  • Erkennung und Behandlung von Folgestörungen der Krebserkrankung.

Die Reha kann stationär, teilstationär oder ambulant durchgeführt werden. Je nachdem, wie es Ihr körperlicher Zustand erlaubt und welche Reha-Angebote es in Ihrer Nähe gibt, kommen verschiedene Rehamodelle für Sie in Frage.

Spezialisierte Rehakliniken bieten sämtliche Maßnahmen zur Therapie bzw. Nachsorge bei Krebsbehandlungen an und sollten deshalb immer gegenüber anderen Reha-Angeboten vorgezogen werden. In Deutschland gibt es viele Kliniken mit diesem Schwerpunkt, die man über Klinikverzeichnisse oder den Sozialdienst der Krankenhäuser finden kann.

Wer übernimmt die Kosten der Reha?

Krankenkassen und Rentenversicherung übernehmen die Kosten einer Onkologischen Reha. Welcher Kostenträger für den Einzelfall verantwortlich ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Bei Angestellten und Arbeitnehmern ist bei einer positiven Erwerbsprognose die Deutsche Rentenversicherung leistungspflichtig. Bei Rentnern ist es in der Regel die Gesetzliche Krankenversicherung. Für Sie spielt es keine Rolle, an welchen Träger Sie sich zunächst wenden, denn der Antrag wird an den jeweils zuständigen Träger weitergereicht. Die Leistungsträger vereinbaren unter sich die Zuständigkeiten im Einzelfall – doch erst nach Antragseingang.

Die Kosten richten sich nach der Art der Reha und Ihrem Versicherungsstatus. Bei einer stationären Rehabilitation werden derzeit pro Kalendertag 10 Euro Zuzahlung für den Patienten berechnet – längstens 42 Tage im Kalenderjahr. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Reha über die Renten- oder Krankenversicherung organisiert wird. Bei einer Anschlussrehabilitation ist nur ein Eigenanteil für 14 Kalendertage fällig. Berücksichtigt werden allerdings sämtliche Zuzahlungen, die Sie für die Behandlung im Krankenhaus oder einer anderen Rehaklinik bereits geleistet haben. Die Kosten entfallen ganz, wenn die Betroffenen noch nicht volljährig sind oder Übergangsgeld erhalten haben. Außerdem bestimmt das regelmäßige Einkommen über die Zuzahlungsbefreiung.

Ihr Weg in ein “Leben nach dem Krebs”

Wer nach der Erstbehandlung das Gefühl hat, schnell wieder in den Alltag zurückkehren zu können, kann dennoch von einer Onkologischen Reha profitieren. Die teils intensiven Therapien zehren an den Kräften und das Leben nach dem Krebs gestaltet sich einfacher, wenn Sie ein Netzwerk von medizinischen Experten und anderen Betroffenen an Ihrer Seite wissen.

Deshalb sollten sich Patienten ausreichend Zeit für die Genesung nehmen und auch nach der klinischen Behandlung weiter mit Experten zusammenarbeiten, um ein Höchstmaß an körperlichen, emotionalen, kognitiven, sozialen und psychomotorischen Kompetenzen zu erlangen. Dies gilt auch für Betroffene, bei denen der Krebs schnell diagnostiziert und therapiert werden konnte.

Artikel vom Expertengremium Reha lektoriert, 18.01.2018

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