Rheuma

Unter dem Begriff Rheuma werden mehr als 100 verschiedene Erkrankungen zusammengefasst – von Arthrose über Gicht und Lupus bis hin zur Fibromyalgie. Wer von Rheuma spricht, meint jedoch in der Regel die rheumatoide Arthritis, von der etwa ein Prozent der Weltbevölkerung betroffen ist. Die chronische Gelenkentzündung ist sehr schmerzhaft und kann den Alltag stark beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es daher, schnell eine geeignete Behandlung einzuleiten und gegebenenfalls eine Reha in Betracht zu ziehen.

Wodurch wird Rheuma verursacht?

Warum Rheuma überhaupt entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht gänzlich geklärt. Forscher gehen jedoch davon aus, dass Autoimmunprozesse eine große Rolle spielen. Bei Rheumakranken ist das Immunsystem fehlgeleitet, das heißt: Körpereigene Substanzen werden als fremd eingestuft und bekämpft. Immunzellen wandern in die Gelenke und produzieren entzündungsfördernde Stoffe – mit der Folge, dass die Gelenkinnenhaut zu wuchern beginnt. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kommt es im Laufe der Jahre zur vollständigen Zerstörung der Bänder, Knorpel und Knochen des jeweiligen Gelenks.

Neben Autoimmunprozessen kann auch eine erbliche Veranlagung zur Entstehung von Rheuma beitragen. Gleiches gilt für schädliche Umwelteinflüsse wie Rauchen oder Alkoholkonsum. Vermutlich müssen jedoch mehrere Faktoren zusammenspielen, damit Rheuma ausgelöst wird.

Typische Beschwerden bei Rheuma im Überblick

Vor allem zu Beginn der Erkrankung ist Rheuma auch für einen Mediziner nur schwer erkennbar. Die Patienten klagen meist über allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder leichtes Fieber. Erst später kommt es zu stark geschwollenen Gelenken und einer unangenehmen Gelenksteifigkeit, die vor allem in den Morgenstunden auftritt.

Rheuma kann sowohl in den „harten“ Körperstrukturen (Gelenke, Knochen, Knorpel) wie in den „weichen“ Strukturen (Bänder, Sehnen, Muskeln) auftreten, und auch die Organe können in Mitleidenschaft gezogen werden. In diesem Fall spricht der Arzt beispielsweise von rheumatischen Augenentzündungen, rheumatischen Entzündungen der Nieren oder auch von rheumatischen Herzmuskelentzündungen.

Die meisten Betroffenen leiden jedoch vornehmlich unter Schmerzen im Bewegungsapparat. Meist sind symmetrische Gelenke betroffen, also beispielsweise beide Schultern oder beide Knie. Die Schmerzen sind vor allem nachts, wenn der Körper zur Ruhe kommt, stark ausgeprägt. Mit fortschreitender Erkrankung kann es zusätzlich zu Gelenkverformungen und einer eingeschränkten Beweglichkeit kommen.

Die Diagnose Rheuma gilt als gesichert, wenn mindestens drei Gelenke für einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen entzündet sind und der sogenannte Rheumafaktor im Blut nachweisbar ist.

Rheumatische Hände. Untersuchung einer Hand auf Rheuma.
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Therapiemöglichkeiten bei Rheuma

Nach heutigem Kenntnisstand ist Rheuma nicht heilbar, die Beschwerden lassen sich jedoch gut lindern, um den Betroffenen ein weitgehend schmerzfreies Leben zu ermöglichen. An erster Stelle steht die Behandlung mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten. Außerdem haben sich bei Rheuma folgende Therapien bewährt:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Physikalische Therapie (Wärme, Kälte, Strom)

Im fortgeschrittenen Stadium – also dann, wenn die Gelenke nahezu zerstört sind – sollte der Gelenkersatz durch Prothesen in Betracht gezogen werden.

Was sind die Ziele einer Reha bei Rheuma?

Eine Reha-Maßnahme kann Rheumapatienten dabei unterstützen, den (privaten und beruflichen) Alltag besser zu meistern. Der gesamte Bewegungsapparat wird durch therapeutische Maßnahmen (Sport, Physiotherapie) gestärkt, um Schmerzen zu lindern und die eigene Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit zu steigern. Bei schweren Formen oder nach einem rheumabedingten Krankenhausaufenthalt dient die Reha zur Wiedereingliederung in das soziale Leben. Auch zur Abwendung der Berufsunfähigkeit oder zur Vermeidung einer Pflegebedürftigkeit ist eine Reha geeignet.

Was sind die Voraussetzungen für eine Reha bei Rheuma?

Eine Reha kommt nur dann in Betracht, wenn Rheuma sicher diagnostiziert wurde. Außerdem muss der Arzt seinem Patienten eine Einschränkung der körperlichen, sozialen oder beruflichen Fähigkeiten attestieren, die ihre Ursache in der rheumatischen Erkrankung hat. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass der Patient rehabilitationsfähig ist – er muss also körperlich und geistig in der Lage sein, an den verschiedenen Behandlungen teilzunehmen. Ist er hingegen in einem so schlechten körperlichen Zustand, dass Sport, Ergotherapie und Physiotherapie gar nicht möglich sind, sind zunächst andere Maßnahmen erforderlich, beispielsweise ambulante Krankengymnastik oder – in sehr schweren Fällen – ein Krankenhausaufenthalt.

Darüber hinaus muss eine Rehabilitation erfolgversprechend sein. Der behandelnde Arzt gibt zu diesem Zweck eine vorsichtige Prognose ab, indem er einschätzt, welche Erfolge zu erwarten sind, wenn die Reha-Maßnahmen tatsächlich greifen.

Nicht zuletzt gilt: Eine Reha bei Rheuma kommt nur dann infrage, wenn nicht bereits in den letzten vier Jahren eine Maßnahme wegen der gleichen Erkrankung stattgefunden hat. Von dieser Regel gibt es jedoch Ausnahmen – nämlich dann, wenn die Reha aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist.

Der Patient stellt den Antrag auf eine Reha selbst, er muss jedoch Bescheinigungen vom Arzt beilegen, die die Notwendigkeit der Maßnahme bestätigen. Eventuell sind auch Bescheinigungen der Krankenkasse über Arbeitsausfallzeiten erforderlich.

Ein Patient mit Rheuma macht unter Anleitung eines Therapeuten in einer Rehaklinik Sport auf einem Ergometer.
© Adam Gregor / Fotolia

Wer übernimmt die Kosten für die Reha?

In den meisten Fällen übernimmt die Krankenkasse oder die Rentenversicherung die Kosten für die Reha: Bei Arbeitnehmern, Erwerbsgeminderten und Arbeitslosen ist die Rentenversicherung zuständig, bei Rentnern und Familienversicherten (etwa bei Kindern) die Krankenkasse. Häufig werden zunächst nur die Kosten für eine ambulante Reha übernommen. Der Patient verbringt in diesem Fall die Tage in einer Spezialeinrichtung in der Nähe seines Wohnortes, schläft jedoch zu Hause. Erst dann, wenn alle ambulanten Möglichkeiten ausgeschöpft sind, genehmigen die Krankenkassen und Rentenversicherungen eine stationäre Reha in einer Klinik. Auch in sehr schweren Fällen dürfen die Patienten in der Regel sofort mit der stationären Rehabilitation starten. Eine stationäre Reha ist meist effektiver, da sich der Erkrankte hier über einen Zeitraum von mehreren Wochen voll und ganz auf die Genesung konzentrieren kann.

Wie läuft eine Reha bei Rheuma ab?

Eine Reha bei Rheuma besteht aus verschiedenen Behandlungsbausteinen, von denen viele der Orthopädie zuzuordnen sind. An oberster Stelle steht die Wiederherstellung oder Verbesserung der Beweglichkeit, beispielsweise durch Physiotherapie oder Sporttherapie. Um Schmerzen zu lindern oder zu vermeiden, erlernen die Patienten zudem alternative Bewegungsabläufe, die ihnen den Alltag erleichtern. Auch die medikamentöse Einstellung des Patienten sowie die Einweisung in den Umgang mit möglichen Hilfsmitteln nehmen einen großen Teil der Reha bei Rheuma ein. Dazu kommt eine umfassende psychologische Beratung – etwa in Form einer Einzelbetreuung durch einen Therapeuten oder auch durch Gruppengespräche.

Fazit

Rheuma ist eine Erkrankung, die die Betroffenen ein Leben lang begleitet. In einer Reha werden die Patienten nicht nur körperlich fit gemacht, sie erhalten auch wertvolle Tipps, mit deren Hilfe sie ihren Alltag besser und vor allem schmerzfreier meistern können.

Zuletzt geändert am: 06.09.2018

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