Kreuzband-OP

Das vordere und das hintere Kreuzband stabilisieren das Kniegelenk beim Beugen und weiteren Bewegungen. Reißt auch nur eines der beiden Kreuzbänder, verliert das Kniegelenk seine Stabilität. Meistens ist eine Sportverletzung für einen Kreuzbandriss verantwortlich. Die risikoreichsten Sportarten sind solche mit raschen Richtungswechseln.

Was ist eine Kreuzband-OP?

Eine Kreuzband-OP soll die Beweglichkeit und Stabilität Ihres vom Kreuzbandriss geschwächten Kniegelenks wieder herstellen. Obwohl sich manche Kreuzbandrisse auch ohne Operation behandeln lassen, verspricht eine Kreuzband-OP ein besseres Langzeitergebnis. Bei der Kreuzbandoperation ersetzt der Chirurg das beschädigte Kreuzband in der Regel durch patienteneigenes Sehnengewebe. Heute finden fast alle Kreuzbandoperationen minimal-invasiv mit nur kleinen Schnitten statt.

Gelegentlich erfolgt eine Kreuzband-OP ambulant, meistens jedoch stationär mit einem bis zu 3-tägigen Krankenhausaufenthalt. Die Operation kann in Voll- und Teilnarkose erfolgen. Je nach Schwere der Verletzung und eingesetzter Operationstechnik dauert der Eingriff zwischen ein und zwei Stunden.

Desinfektion des OP-Bereiches bei einer Knie-Operation
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Welche OP-Verfahren gibt es?

Kreuzbandnaht

Bei einem frischen Kreuzbandriss kann der Chirurg das abgerissene Ende theoretisch wieder am ursprünglichen Ansatzort vom Oberschenkelknochen zur Anheilung anbringen. Diese Operationstechnik wird jedoch heute in der Regel nicht verwendet.

Kreuzbandersatz beziehungsweise Kreuzbandplastik

Aufgrund der besseren Nachuntersuchungsergebnisse werden vordere Kreuzbandrisse heute durch eigenes Sehnengewebe komplett ersetzt.

Grundsätzlich stehen für den Kreuzbandersatz drei verschiedene Transplantattypen zur Verfügung:

  • Autograft: Eine andere Sehne aus dem Körper des Patienten kommt als Ersatz für das gerissene Kreuzband zum Einsatz. Gut geeignet ist beispielsweise ein Stück der ebenfalls im Knie befindlichen Adduktorensehne.
  • Allograft: Das Transplantat stammt aus einer gespendeten Sehne.
  • Der Kreuzbandersatz besteht aus Synthetikmaterial.

Letztere zwei Optionen werden nur in Ausnahmefällen gewählt.

Welche Risiken gibt es bei einer Kreuzband-OP?

Das Kniegelenk ist sehr komplex. Es trägt zudem einen großen Teil Ihres Körpergewichts und ist beim Sport zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Entsprechend hoch bezüglich Stabilität und Beweglichkeit sind die Anforderungen bei einer Kreuzband-OP. Selbst bei einer exakten Operationstechnik und sorgfältigen Nachbehandlung bleibt stets ein Operationsrisiko.

Es besteht insbesondere in einer zu einem späteren Zeitpunkt erneut eingeschränkten Beweglichkeit des Kniegelenks. Ursächlich hierfür ist Arthrofibrose: Narbenstränge oder Gelenkverklebungen. Die Arthrofibrose kann der Chirurg in einer weiteren Operation wieder lösen.

Zu anderen möglichen Risiken einer Kreuzbandoperation zählen Venenthrombosen sowie Gefäß- und Nervenverletzungen. Außerdem bleibt – wie bei allen Operationen – selbst unter praktisch keimfreien Bedingungen auch bei der Kreuzband-OP das Restrisiko einer bakteriellen Infektion.

Wie sind die Erfolgsaussichten einer Kreuzband-OP?

Ziel einer Kreuzband-OP ist es, die Funktion und Stabilität des Kniegelenks bestmöglich wieder herzustellen. Da für einen Kreuzbandersatz meistens eine körpereigene Sehne genommen wird, kommen Abstoßungsreaktionen kaum vor. Es kann passieren, dass sich das Kreuzbandtransplantat nach der Operation lockert oder reißt. Gelegentlich bleiben ein verminderter Bewegungsumfang und ein gelockerter Bandapparat des Knies zurück.

Insgesamt sind die Operationserfolge gut, wobei sie beim vorderen Kreuzband besser sind als beim hinteren Kreuzband. Auch der Heilungsprozess verläuft normalerweise gut.

Wann ist eine Kreuzband-OP notwendig?

Ist nur ein Teil vom Kreuzband gerissen, kann die im Heilungsprozess entstehende Narbenbildung zu einer erneuten Stabilisierung des Kniegelenks führen. Eine Operation erübrigt sich dann fast immer. Die rasche ärztliche Diagnostik nach der Verletzung hilft sehr bei der Beurteilung des Gelenkschädigungsausmaßes und dem Abwägen des Für und Wider einer Kreuzbandoperation. Empfehlenswert ist der operative Eingriff auf jeden Fall für Sportler. Nur die Kreuzband-OP kann die Funktion und Stabilität des Kniegelenks auch langfristig wieder erreichen.

Darstellung der Sehnen, Bänder und Muskeln am Kniegelenk
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Was ist nach einer Kreuzband-OP zu beachten?

Da es sich beim Kreuzbandriss um eine schwere Verletzung des ohnehin sehr komplexen Kniegelenks handelt, bildet die Nachbehandlung einen wichtigen Teil des Therapieplans. Innerhalb der ersten Tage im Anschluss an die Operation sollten Sie Ihr Kniegelenk schonen. Meist wird das Knie dazu in einer Schiene stabilisiert. In dieser Phase geht es vor allem um Schwellungs- und Schmerzlinderung. Parallel startet die Physiotherapie mit ersten Bewegungsübungen.

Reha nach der Kreuzband-OP

Im Anschluss an die Kreuzband-OP geht es so früh wie möglich mit der Reha weiter. Ein Physiotherapeut beginnt zunächst damit, Ihr Kniegelenk überwiegend passiv zu bewegen. Er führt die Übungen Ihres Beins mit seinen Händen selbst aus. Ungefähr ab der dritten Woche nach der Operation stehen Übungen zum Muskelaufbau an Oberschenkel und Unterschenkel im Fokus. Die Beweglichkeit des Kniegelenks wird weiter trainiert und außerdem das Gangbild verbessert. Spezielle Koordinationsübungen tragen zur Normalisierung Ihrer Bewegungsabläufe bei.

Die Reha-Übungen sollen erreichen, dass Ihr Kniegelenk wieder voll beweglich, funktionsfähig und stabil wird. Darüber hinaus berücksichtigt der Physiotherapeut Ihre persönlichen Ansprüche, zum Beispiel sportspezifische Anforderungen oder andere für Ihre berufliche Arbeit wichtigen Voraussetzungen. Nach 8 bis 12 Wochen beginnen Sie mit leichtem körperlichen Training. Sportler entscheiden gemeinsam mit ihrem Trainer, ab wann die Wiederaufnahme von Wettkampfsport möglich ist.

Es dauert nach einer Kreuzbandoperation ungefähr 3 Monate, bis ein Patient wieder Schwimmen oder Radfahren kann. Sportarten wie Ballsport oder Skifahren, welche die Kniegelenke stärker belasten, kann der am Kreuzband Operierte frühestens nach 6 Monaten wieder ausüben. Im Durchschnitt dauert es ein Jahr, bis ein operiertes Kniegelenk wieder normal funktioniert.

Neben Qualifikation und Erfahrung des Physiotherapeuten sind auch Motivation und Mitarbeit seines Patienten von entscheidender Bedeutung für den Reha-Erfolg. Allgemein gilt, dass die Nachbehandlung nach einer Kreuzband-OP entsprechend der Schwere der ursprünglichen Verletzung und den angestrebten Behandlungszielen des Patienten individuell abläuft.

Autofahren nach einer Kreuzbandoperation

Zur Frage, ab wann Sie nach einer Kreuzbandoperation wieder Auto fahren dürfen, ist Ihr behandelnder Arzt der ideale Ansprechpartner. Stabilität und Beweglichkeit des operierten Kniegelenks sind zur Beurteilung der Fahrtüchtigkeit ebenso einzubeziehen wie die Art des Getriebes – Schaltgetriebe oder Automatikgetriebe – sowie welches Bein operiert wurde. Gaspedal, Bremspedal und Kupplung sollten Sie schmerzfrei und sicher betätigen können.

Auch sollten Sie nicht unter Medikamenteneinfluss Auto fahren. Neben der medizinischen ist dies auch eine juristische beziehungsweise versicherungstechnische Frage. Bei den meisten Versicherungen besteht erst wieder 4 Wochen nach der OP Versicherungsschutz. Es kann sinnvoll sein, noch 2 bis 3 Wochen länger zu warten. Andernfalls riskieren Sie außer Ihrem Versicherungsschutz noch eine gesetzliche Strafe wegen Gefährdung des Straßenverkehrs laut § 315c, Absatz 1, Strafgesetzbuch (StGB).

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