Bandscheibenvorfall

Wenn Sie hin und wieder unter Rückenschmerzen leiden, sind Sie nicht alleine. Denn es handelt sich bei Rückenschmerzen um eine regelrechte Volkskrankheit, von der rund 20 Millionen Deutsche regelmäßig betroffen sind. Vergeht der Schmerz innerhalb weniger Tage nicht von selbst, könnte ein Bandscheibenvorfall die Ursache sein. Was es genau mit dieser Erkrankung auf sich hat, wie Diagnose und Therapie aussehen, und wie Sie einem Bandscheibenvorfall effektiv vorbeugen, erfahren Sie hier.

Was ist ein Bandscheibenvorfall und wie entsteht er?

Jede der 23 Bandscheiben im menschlichen Körper fungiert wie ein Puffer zwischen den Wirbelkörpern. Sie dienen sozusagen als Abstandshalter und dämpfen Stöße ab. Zu diesem Zweck ist die Bandscheibe mit einem Gallertkern (Nucleus pulposus) ausgestattet, der von einem harten Faserring (Anulus fibrosus) umgeben ist. Während der Gallertkern über dämpfende Eigenschaften verfügt, besteht die Aufgabe des Faserrings darin, die Bandscheibe in ihrer Position zu stabilisieren. Bricht der Gallertkern durch den Faserring, spricht der Mediziner von einem Bandscheibenvorfall. Dadurch kann Druck auf das in der Wirbelsäule verlaufende Rückenmark mit seinen Nervenbahnen entstehen.

In neun von zehn Fällen handelt es sich um einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule, einen sogenannten lumbalen Bandscheibenvorfall. Wenn der Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein oder von der Brust- zur Lendenwirbelsäule betroffen ist, spricht der Mediziner zudem von einem lumbosakralen beziehungsweise von einem thorakolumbalen Bandscheibenvorfall.

Etwa zehn Prozent aller Patienten mit Bandscheibenvorfall leiden unter einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule, auch zervikaler Bandscheibenvorfall genannt.

Typische Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls hängen vor allem von Art und Ausmaß des Defekts ab. Typischerweise leiden Betroffene unter plötzlich auftretenden Rückenschmerzen, die vor allem bei Belastung stärker werden. Außerdem kommt es meist zu einer verhärteten Muskulatur im Bereich der Wirbelsäule.

Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, strahlt der Schmerz oftmals bis in das Gesäß oder die Beine aus und/oder die Patienten verspüren ein Kribbeln in den Beinen. Die Schmerzen verschlimmern sich meist beim Husten oder Niesen.

Bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule klagen die Betroffenen vorrangig über Nackenschmerzen, die je nach Ausmaß der Erkrankung bis in die Arme und den Hinterkopf ausstrahlen. In extremen Fällen machen sich Lähmungen bemerkbar.

Nicht selten kündigt sich ein Bandscheibenvorfall mehrere Tage im Voraus an. Wenn Sie unter Rückenschmerzen leiden, die länger als fünf bis sieben Tage andauern, oder die in die Beine oder Arme ausstrahlen, suchen Sie also unbedingt einen Arzt auf!

Bandscheibenvorfall: Frau mit Rückenschmerzen
© Gina Sanders / Fotolia

Wie wird der Bandscheibenvorfall diagnostiziert?

Am Anfang der Diagnose steht eine ausführliche Anamnese, das heißt eine Patientenbefragung. Der Arzt bringt unter anderem in Erfahrung,

  • wo genau der Schmerz liegt,
  • seit wann er besteht und
  • wie er vom Patienten konkret empfunden wird (zum Beispiel stechend, bohrend …).

Auf eine körperliche Untersuchung folgen meist bildgebende Verfahren, um einen Bandscheibenvorfall eindeutig zu diagnostizieren. Röntgenbilder sind nicht sehr aussagekräftig – in den meisten Fällen ordnet der Mediziner zusätzlich eine Computertomografie (CT) und/oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) an.

Eher selten kommt die sogenannte Myelografie zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um einen invasiven Eingriff, in dessen Zuge ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt wird. Erst dann erfolgt eine Röntgenaufnahme beziehungsweise eine Computertomografie. Da dieses Verfahren nicht frei von Risiken ist, wird es nur dann durchgeführt, wenn der Arzt die Nervenwurzeln möglichst genau beurteilen möchte.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Ein Bandscheibenvorfall zieht nicht zwangsläufig eine Operation nach sich. Ganz im Gegenteil: Bei fast 90 Prozent aller Betroffenen bessern sich die Beschwerden unter konservativen Behandlungsmethoden. Nach sechs bis acht Wochen sind die Symptome meist gänzlich verschwunden.

Konservative Behandlung

Zunächst verschreibt der Arzt schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente. Sie nehmen den Leidensdruck vom Patienten und verhindern, dass dieser eine Schonhaltung einnimmt. Denn: Jegliche Form von Schonhaltung verspannt die Muskulatur zusätzlich. Sind die Schmerzen sehr stark ausgeprägt, besteht die Möglichkeit, örtlich betäubende Wirkstoffe und/oder Kortisonpräparate direkt in das betroffene Körperareal zu spritzen.

Auch Wärme hat sich als hilfreich erwiesen – beispielsweise in Form von Rotlicht, Moor- oder Fangopackungen. Die Wärme regt die Durchblutung an und lockert ganz nebenbei die Muskulatur. Eine weitere Therapie begleitende Maßnahme ist die Stufenbettlagerung, bei der die Beine im Liegen auf einen sogenannten Bandscheibenwürfel hochgelegt werden, um die Nerven zu entlasten.

Operative Behandlung

Eine Operation ist nur dann erforderlich, wenn die Schmerzen sehr stark ausgeprägt sind und die konservative Therapie nicht anschlägt. Auch bei Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen empfiehlt der Arzt oftmals einen operativen Eingriff, in dessen Verlauf der Bandscheibenvorfall chirurgisch entfernt wird.

Ein wichtiger Teil der Behandlung: die Reha

Auch dann, wenn sich die Symptome des Bandscheibenvorfalls schnell bessern, ist es ratsam, nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen. Stattdessen empfehlen Experten, an die Therapie eine ambulante oder stationäre Rehamaßnahme anschließen zu lassen. Diese beinhaltet unter anderem Physiotherapie, Massagen oder auch Aquagymnastik, mit dessen Hilfe die Rumpfmuskulatur gestärkt wird.

Im Zuge der Rehabilitation lernt der Patient zudem, wie er sich im Alltag besonders rückenfreundlich verhalten kann, um das Risiko für einen weiteren Bandscheibenvorfall zu minimieren. Außerdem ist es sinnvoll, an einer sogenannten Rückenschule teilzunehmen. Hier machen Physiotherapeuten die Teilnehmer mit verschiedenen Übungen vertraut, die problemlos auch in den eigenen Wänden durchführbar sind.

Wer ist besonders gefährdet?

Das Risiko für einen Bandscheibenvorfall steigt mit dem Alter an. Denn: Im Laufe der Jahre verliert die Bandscheibe Feuchtigkeit und ihre Elastizität nimmt ab. Infolgedessen wird der Faserring spröde, sodass eine falsche Bewegung genügen kann, um die Bandscheibe aus ihrer korrekten Position zu drücken.

Neben älteren Menschen haben auch Personen,

  • die regelmäßig schwere Lasten heben,
  • mit Schreibtischtätigkeiten,
  • mit starkem Übergewicht sowie
  • mit genetischer Vorbelastung

ein erhöhtes Risiko für einen Bandscheibenvorfall. 

Ist Vorbeugung möglich?

Es ist durchaus möglich, einem Bandscheibenvorfall effektiv vorzubeugen. Besonders wichtig ist es, Übergewicht zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren, um die von der Wirbelsäule zu tragende Last zu verringern.

Außerdem gilt: Eine kräftige Rückenmuskulatur ist die beste Voraussetzung, damit ein Bandscheibenvorfall gar nicht erst entsteht. Rückenfreundliche Sportarten sind beispielsweise Schwimmen, Nordic Walking oder Radfahren. Wenn Sie sich für das Fahrrad entscheiden, bevorzugen Sie jedoch ein Modell mit erhöhtem Lenker, damit Sie eine möglichst gerade, gesunde Haltung einnehmen können.

Mindestens ebenso wichtig ist eine gute Matratze, die gewährleistet, dass sich die Bandscheiben über Nacht optimal regenerieren können. Sofern Sie tagtäglich viele Stunden am Schreibtisch arbeiten, legen Sie Wert auf einen ergonomischen Arbeitsplatz. In diesem Fall ist es außerdem ratsam, regelmäßig aufzustehen und sich ausgiebig zu strecken, um Verspannungen zu vermeiden. Gehören Sie zu jenen, die häufig schwere Lasten heben müssen, lassen Sie auch hier Vorsicht walten: Heben Sie schwere Gewichte niemals mit krummem Rücken, sondern gehen Sie stets in die Knie. Auch einseitiges Heben ist zu vermeiden.

Fazit

Ein Bandscheibenvorfall ist eine schmerzhafte Erkrankung, die eine unbeschwerte Teilnahme am Alltag meist für viele Wochen unmöglich macht. Umso wichtiger ist es daher, mithilfe von Sport und Rückenübungen effektiv vorzubeugen. Sollte es Sie dennoch einmal erwischen, halten Sie sich genau an die Anweisungen Ihres Arztes und schließen Sie an die Therapie eine Rehabilitationsmaßnahme an, damit Sie Ihr Leben dauerhaft rückenfreundlicher gestalten können.

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