MBOR: Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation

Wofür steht die Abkürzung MBOR?

Die Abkürzung MBOR steht für „Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation“. Es handelt sich um ein Programm, das in allen modernen Rehabilitationskliniken durchgeführt wird. Chronische Erkrankungen können zu beruflichen Problemen führen. Diese Probleme müssen frühzeitig identifiziert und bearbeitet werden. Nur so kann verhindert werden, dass Patienten in die Lage geraten, nicht mehr ihrem Beruf nachgehen zu können und erwerbsunfähig werden. Die Aufgabe einer Rehabilitation ist somit nicht nur, den Gesundheitszustand zu verbessern, sondern auch, die Erwerbsfähigkeit des Patienten zu erhalten.

Was ist der Zweck der MBOR?

Das Ziel der MBOR ist der Erhalt der Erwerbsfähigkeit. Der Beruf und berufsbezogene Probleme werden in der Planung der Rehabilitation stark berücksichtigt. Vor der Einführung der MBOR orientierten sich die Anwendungen nur an den funktionellen Einschränkungen eines Patienten. Für die orthopädische und die rheumatologische Rehabilitation bedeutet das, dass muskuläre Ungleichgewichte und Probleme der Körperstatik identifiziert werden. Durch gezielte Anwendungen werden abgeschwächte Muskeln trainiert und verkürzte Muskeln gedehnt. In der MBOR werden die Anwendungen nicht nur nach diesen funktionellen Gesichtspunkten ausgewählt, sondern insbesondere auch nach den Anforderungen im Beruf.

Konkret bedeutet das, dass bei einem Büroangestellten immer die Nacken- und Schultermuskulatur trainiert wird, weil durch die Tätigkeit am PC das Risiko von Haltungsproblemen in diesem Bereich sehr hoch ist. Patienten, die in der Alten- und Krankenpflege arbeiten, haben eine besonders hohe Beanspruchung der Lendenwirbelsäule. Patienten, die in einer Bäckerei arbeiten, müssen oft Backwaren über Kopf heben und beanspruchen so ihre Schultern. Es ergibt also Sinn, die Bereiche, die durch den Beruf besonders beansprucht werden, stark in den therapeutischen Fokus zu nehmen. 

Wie werden Patienten für das MBOR ausgewählt?

Vor einer Rehabilitation erhalten die Patienten einen Fragebogen. Hiermit wird erfasst, ob berufliche Probleme bestehen. Solche Probleme können körperlicher und psychischer Natur sein. Anhand des Fragebogens wird bereits vor der Rehabilitation eine erste (vorläufige) Einschätzung getroffen, ob eine relevante berufliche Problematik und somit die Zuordnung zur MBOR besteht oder nicht. Im Rahmen der ärztlichen Aufnahme wird diese nochmal überprüft.

Welche Berufsgruppen gehören zum MBOR-Team?

In der Rehabilitation arbeiten die verschiedenen Berufsgruppen eng zusammen und bilden das MBOR-Team: Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. Jede dieser Berufsgruppen hat im Rahmen der MBOR eine spezifische Aufgabe und wirkt an dem übergeordneten Ziel des Erhalts der Erwerbsfähigkeit mit.

  • Ärzte/Sozialmediziner
    Die Aufgabe der Ärzte und insbesondere der Ärzte mit sozialmedizinischer Qualifikation besteht darin, die krankheitsbedingten körperlichen und psychischen Einschränkungen eines Patienten zu erfassen. Diese Einschränkungen werden in Relation zu der bisherigen Arbeit gesetzt. Es stellt sich konkret die Frage, ob der Patient noch in der Lage ist, die bisherige Arbeit weiterzuführen oder nicht. Es wird geprüft, ob die Erwerbsfähigkeit durch Maßnahmen - wie z.B. eine ergonomische Ausstattung des Arbeitsplatzes, eine innerbetriebliche Umsetzung oder Qualifikationsmaßnahmen - erhalten werden kann. Auf der Basis der ärztlichen Begutachtung entscheidet die Rentenversicherung, ob Fördermaßnahmen bewilligt werden oder ob eine Erwerbsminderungsrente indiziert ist. Dabei ist das Ziel immer, die Erwerbsfähigkeit da, wo es möglich ist, zu erhalten und dem Patienten zu helfen, im Beruf zu verbleiben.
     
  • Psychologen
    Viele Patienten mit chronischen körperlichen Erkrankungen entwickeln psychische Probleme, umgekehrt können psychische Probleme körperliche Symptome verstärken. Aufgabe der Psychologie im MBOR-Team ist es, insbesondere die psychischen Probleme zu identifizieren, die Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit haben. Durch gezielte Anwendungen erlernen die Patienten einen besseren Umgang mit beruflichem Stress. Die Patienten, die schon lange arbeitsunfähig sind, erarbeiten neue berufliche Perspektiven.
     
  • Sozialarbeiter
    Die Sozialarbeiter ermitteln, welche Ausbildungen der Patient in seinem Erwerbsleben durchgeführt hat, wie viele Arbeitsunfähigkeitszeiten aufgetreten sind und ob ein Rentenantrag gestellt wurde. Sozialarbeiter haben besonders fundierte Kenntnisse in Bezug auf die Sozialgesetzgebung. Sie können so den Patienten beraten, welche finanziellen Leistungen ihm zustehen. Dieses kann z.B. die Bezugsdauer des Krankengeldes oder des Arbeitslosengeldes sein. Außerdem erhalten die Patienten Informationen zu beruflichen Fördermaßnahmen (z.B. einer Umschulung). Eine stufenweise Wiedereingliederung wird vom Sozialdienst mit dem Arbeitgeber abgestimmt.
     
  • Physiotherapeuten
    Die Anwendungen in der Physiotherapie orientieren sich stark an den beruflichen Beanspruchungen. Neben der Therapie haben die Anwendungen auch einen diagnostischen Hintergrund. Der Patient und der Therapeut simulieren an Trainingsgeräten berufliche Tätigkeiten. Dabei testen sie gemeinsam, ob diese Aspekte der Arbeit wieder möglich sind. Es kann so gelingen, dem Patienten wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben.
     
  • Ergotherapeuten
    Die Ergonomie auf der Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Ergotherapie. An speziell ausgestatteten Musterarbeitsplätzen werden die Abläufe des Berufes geübt. Diese Musterarbeitsplätze können z.B. ein Pflegebett oder ein PC-Arbeitsplatz sein. Dort wird die Körperhaltung überprüft und ggf. korrigiert. Hinweise für Hilfsmittel oder für eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung werden gegeben.


Die Deutsche Rentenversicherung hält in einigen wenigen hochspezialisierten MBOR-Abteilungen zusätzlich sehr komplexe Musterarbeitsplätze vor. Diese umfassen z.B. das Modell eines Dachstuhls zur Arbeitserprobung für Dachdecker oder Modelle eines Autos, um so den Arbeitsplatz eines Mechatronikers zu simulieren.

Wie findet die sozialmedizinische Begutachtung im MBOR-Team statt?

Die sozialmedizinische Begutachtung ist eine der zentralen Aufgaben der Rehabilitation.

Geprüft wird:

  • ob die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist,
  • ob der Verbleib im bisherigen Beruf noch möglich ist
  • oder ob eine andere (leichtere) Tätigkeit durchgeführt werden kann.

Auf der Basis dieser Begutachtung entscheidet die Deutsche Rentenversicherung, ob Fördermaßnahmen bewilligt werden, oder ob eine Erwerbsminderungsrente indiziert ist. Die Begutachtung muss sehr fundiert sein, weil davon der gesamte weitere Lebensweg eines Patienten abhängen kann. Die Begutachtung muss nach klaren Kriterien erfolgen und nachvollziehbar begründet sein. Die Ergebnisse müssen überall in Deutschland gleich sein und so sichergestellt werden, dass kein Patient in Bezug auf Sozialleistungen Vor- oder Nachteile hat.

Ein Patient, der eine MBOR erhält, durchläuft Termine bei jeder der genannten Berufsgruppen. Dabei fasst jede Berufsgruppe ihre Ergebnisse zusammen. Es folgt eine gemeinsame MBOR-Sitzung, in der diese Ergebnisse besprochen werden und die finale sozialmedizinische Begutachtung erfolgt. So werden alle Aspekte berücksichtigt und auch der dreiwöchige Verlauf mit oder ohne Tendenzen der Besserung kommt zur Sprache.

Durch die Einführung der MBOR wurde die Begutachtung der Erwerbsfähigkeit von einer rein ärztlichen Aufgabe zu einer Aufgabe des gesamten MBOR-Teams aus hochspezialisierten sozialmedizinisch versierten Experten. Dabei fließen die Ergebnisse der gesamten mehrwöchigen Rehabilitation in die Begutachtung mit ein.

Ist die MBOR erfolgreich?

In der täglichen Praxis und in großen wissenschaftlichen Studien zeigt sich, dass durch die Einführung der MBOR viel mehr Patienten im Erwerbsleben verbleiben als noch vor einigen Jahren. Dieses hilft den Patienten, weiter ein selbstbestimmtes und finanziell unabhängiges Leben zu führen und so Einschränkungen durch die Erkrankung besser zu bewältigen. Die MBOR ist somit eine der zentralen erfolgreichen Maßnahmen in der Rehabilitation.

Zuletzt geändert am: 21.07.2020

Autor

Das MBOR-Team der Klinik DER FÜRSTENHOF

Das MBOR-Team der Klinik DER FÜRSTENHOF Bad Pyrmont

Das MBOR-Team der Klinik DER FÜRSTENHOF Bad Pyrmont: Karen Klose (Dipl.-Psychologin), Sarah Glöckner (M.Sc.-Psychologie), Margret Hanneforth (Dipl.-Sozialarbeiterin), Anja Richard (Dipl.-Sozialarbeiterin), Rosemarie Hösle, (Physiotherapeutin), Leonie Schonat (Ergotherapeutin), Dr. Regina Klagge-Riechers (Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie), Karin Mahn (Fachärztin für Innere Medizin, Nephrologie und Rheumatologie), Yulia Lialiukhina (Ärtzin), Dr. Sandra Lohmann (Fachärztin für HNO), Dr. Michael Schwarz-Eywill (Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie), Dr. Martin Gehlen (Chefarzt der Abteilung für Rheumatologie und Osteologie), Christian Hinz (Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Osteologie)

Klinik DER FÜRSTENHOF Bad Pyrmont: Fachklinik für Rheumatologie, Osteologie, Orthopädie und Gynäkologie, Klinisch-osteologisches Schwerpunkt- und Forschungszentrum DVO, www.klinik-der-fuerstenhof.de

Besondere wissenschaftliche Schwerpunkte: Das MBOR-Team der Klinik hat für eine Reihe von Krankheitsbildern des Skelettsystems Begutachtungskriterien erarbeitet. Die Begutachtungsrichtlinien wurden mehrfach auf dem Reha-wissenschaftlichen Kolloquium und in medizinischen Fachzeitschriften publiziert. So wurde die Arbeit zur Begutachtung von Patienten mit Osteoporose von der Zeitschrift „Osteologie“ zu einem der 5 besten Artikel des Jahres 2019 gewählt und die Arbeit zur Rehabilitation und Begutachtung einer seltenen Knochenerkrankung auf dem Reha-wissenschaftlichen Kolloquium 2019 mit einem Posterpreis ausgezeichnet.

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