Anpassungsstörungen

Im Leben sind wir ständig mit störenden, peinlichen, beängstigenden und manchmal auch extrem traurigen Situationen konfrontiert. Menschen mit einer Anpassungsstörung reagieren auf Liebeskummer, Scheidung, Arbeitsplatzprobleme und andere belastende Ereignisse mit starker seelischer Verwundbarkeit, die sich zum Teil auch körperlich äußert. Sie passen sich nicht mehr den geltenden sozialen Normen an und fallen daher auf. Somit müssen sie im Alltag mit Schwierigkeiten rechnen.

Nur wenige Menschen, die derartige Probleme bei sich feststellen, suchen einen Arzt auf. Deshalb sind statistische Erhebungen zu diesem Krankheitsbild ungenau. Die Krankheit kommt aber in jeder Altersgruppe und unter allen Geschlechtern vor. Da sich Frauen tendenziell häufiger ihrem Arzt anvertrauen, erscheinen sie auch häufiger in der Statistik.

Wie kommt es zu einer Anpassungsstörung?

Eine Anpassungsstörung entsteht, wenn ein vorausgegangener Konflikt unlösbar erscheint. Das kann dauerhafter Stress am Arbeitsplatz, der Verlust eines geliebten Menschen oder die Diagnose einer schweren Krankheit sein.

Die Störung bildet sich dann aus, wenn die Ressourcen des Betroffenen nicht ausreichen, um die negativen Einflüsse abzuwehren. Wir alle müssen mit Schicksalsschlägen umgehen, doch nicht jeder entwickelt daraus eine Anpassungsstörung. Das Krankheitsbild entsteht erst, wenn die gesellschaftlichen Bedingungen einen Nährboden schaffen.

Bei einigen Menschen führen die angstauslösenden Situationen zu einem seelischen Ungleichgewicht, das sie ganz aus der Bahn zu werfen scheint. Sie leiden monatelang, manchmal sogar Jahre darunter und werden von ihren Angehörigen, Kollegen und Freunden gemieden. Die soziale Ausgrenzung vergrößert den Stress.

Die vielfältigen Symptome der Anpassungsstörung

Die Erkrankung kann relativ leicht diagnostiziert werden, denn sie zeigt sich durch emotionale Beeinträchtigungen, die vor dem Ereignis kein Thema waren. Trotzdem sind ihre Symptome vielfältig.

Sie treten zeitnah nach einem einschneidenden Ereignis wie Trennung, Unfall oder Tod auf und reichen von

  • Unzufriedenheit,
  • Unausgeglichenheit und
  • Besorgnis bis zu
  • diffusen Ängsten und
  • depressiven Störungen.

Menschen mit Anpassungsstörung sind immer sehr angespannt, oft ärgerlich und haben ausgeprägte Ängste. Oft haben sie Schmerzen, obwohl ihnen organisch nichts fehlt. Sie sind schnell erschöpft und verhaltensauffällig, zeigen zum Beispiel ungewohnte Aggressivität.

Familienangehörige sollten verstärkt auf psychosoziale Veränderungen nach Schicksalsschlägen achten, denn die Betroffenen nehmen die Veränderungen in ihrem Verhalten kaum wahr. Dauern die Verhaltenänderungen länger als 5 bis 6 Wochen an, ist ärztliche Hilfe notwendig.

Diffuse Ängste können Anzeichen einer Anpassungsstörung sein. Mann greift sich schreiend an den Kopf.
© Teodor Lazarev - stock.adobe.com

Ähnlichkeiten zu anderen seelischen Erkrankungen

Obwohl die Anpassungsstörung mit depressiven Phasen einhergeht, ist sie nicht mit einer Depression zu verwechseln. Es gibt auch Ähnlichkeiten mit der posttraumatischen Belastungsstörung, doch auch hiergegen grenzt sich das Krankheitsbild ab.

Bei einer Anpassungsstörung klagen die Betroffenen oft über Funktionsstörungen im Bereich Wirbelsäule, Magen-Darm-Trakt und Herz-Kreislauf-System. Ohne echten Befund treten die Beschwerden fast immer zusammen auf. Auch wenn diese körperlichen Beschwerden vorliegen, obwohl organisch alles in Ordnung ist, handelt es sich bei der Anpassungsstörung aber nicht um eine somatoforme Störung.

Die Behandlung einer Anpassungsstörung

Da sich die Krankheit mit einer Vielzahl an Symptomen zeigt, werden diese individuell behandelt. Auch bei psychischer Belastung kann es durchaus sinnvoll sein, organische Untersuchungen vorzunehmen, um andere Krankheiten auszuschließen. Generell zielt die Therapie darauf ab, die Ausprägung der Symptome zu reduzieren oder ganz zu beseitigen. Bei depressiven Symptomen haben sich Sport, Bewegung an der frischen Luft und die Aktivierung des sozialen Lebens bewährt.

Problemlösungsstrategien können dabei helfen, mit den Triggern besser umzugehen. So beugt man auch extrem kritischen Situationen wie Suizidgedanken vor. Neben Entspannungstechniken wie autogenem Training und progressiver Muskelentspannung sind psychotherapeutische Maßnahmen sinnvoll.

Die Therapie kann stationär oder ambulant erfolgen. Die stationäre Psychotherapie hat den Vorteil, dass dem Patienten viele verschiedene Therapieangebote in einen festen Zeitraum zur Verfügung stehen. Ferner gewinnt er in einer Spezialklinik den nötigen Abstand zum auslösenden Ereignis.

Bei besonders schwerer Symptomatik können vorübergehend Medikamente verabreicht werden. Doch auch mit Medikamentengabe liegt das Hauptaugenmerk auf der Psychotherapie.

Reha bei Anpassungsstörungen

Rehabilitationsmaßnahmen nach der Akutbehandlung haben den Sinn, den erreichten Gesundheitszustand zu stabilisieren und den Erkrankten wieder sozial einzugliedern. Reha-Maßnahmen im stationären Bereich sind sinnvoll und haben eine gute Prognose, da die Patienten vor dem Auftreten der Symptomatik in der Regel ein ganz normales Leben führten. Dieses lässt sich mit entsprechender Fachkenntnis wieder reaktivieren.

In psychiatrischen und psychosomatisch ausgerichteten Fachkliniken gibt es ein facettenreiches Therapieangebot, das bei der Angstbewältigung ebenso greift wie bei der Behandlung von Depressionen.

In der Regel übernimmt die Deutsche Rentenversicherung die Kosten für eine Reha-Maßnahme bei Anpassungsstörung. Sie dauert durchschnittlich fünf Wochen und kann, falls nötig und sinnvoll, verlängert werden.

zuletzt geändert am: 18.08.2020

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