Reha unter Coronabedingungen

Seit März 2020 hat COVID-19 die gesamte Welt im Griff. Nachdem sich die Infektionsraten nun deutlich rückläufig zeigen und in ganz Deutschland spürbare Lockerungen der Schutzmaßnahmen stattfinden, kehren auch Rehakliniken zu ihrem Betrieb zurück. Wie der Rehabetrieb unter den aktuellen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und den regionalen Gesundheitsämtern stattfindet, was das für Patientinnen und Patienten bedeutet, wie Therapien ablaufen und wie sich der Klinikalltag gestaltet, haben wir hier zusammengefasst:

Nicht ohne meine Maske: Allgemeine Hygienevorgaben

Ob beim Einkaufen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in der Arztpraxis – Schutzmasken gehören derzeit zum Alltag. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist daher auch in Rehakliniken erforderlich. Kliniken nehmen bauliche Maßnahmen vor, wie Patientinnen und Patienten sie auch aus dem Supermarkt kennen: Plexiglasscheiben als sogenannter Spuckschutz kommen an der Rezeption oder in der Cafeteria zum Einsatz. Alle Räumlichkeiten werden so oft wie möglich gelüftet. Anhand von Markierungen und Warntafeln werden Patienten auf das Einhalten der Abstandsregelungen hingewiesen. Leider bleibt es nicht aus, dass manche Bereiche der Kliniken komplett geschlossen bleiben müssen oder die Nutzung nur eingeschränkt möglich ist.

Reha in Coronazeiten, Hygieneregeln als Schaubild

Symptome und Krankheitsgeschichte erfragen: Schutz der Patienten hat oberste Priorität

Damit sowohl neu anreisende als auch bereits in der Reha befindliche Patientinnen und Patienten maximal vor einer Infektion geschützt sind, müssen schon vor der Anreise Informationen eingeholt werden:

  • Gibt es Symptome?
  • Hatte der Patient Kontakt zu COVID-Erkrankten?
  • Wurde bereits eine Infektion durchgemacht?
  • Besteht eine aktuelle Infektion?

Dies ist wichtig, damit in einem Verdachtsfall keine unnötige Reise angetreten wird, ein Patient direkt nach dem Ankommen in Quarantäne muss oder bei unentdeckten Verläufen andere angesteckt werden. Bei der Anreise werden diese Angaben erneut überprüft und die Patienten über die besonderen Verhältnisse vor Ort genaustens informiert. Patientinnen und Patienten sollten direkt nach der Ankunft eine allgemeine Hygieneschulung erhalten, in der Husten- und Niesetikette, Händehygiene und das korrekte Tragen des Mund-Nasen-Schutzes erklärt wird.

Artz und Patientin im Aufnahmegespräch mit Checkliste

Begleitperson mitbringen – im Einzelfall möglich

Ob eine Begleitperson mit zur Reha kommen kann, muss direkt mit der Klinik besprochen werden. Aufgrund der Abstandsregelungen können Einrichtungen im Moment deutlich weniger Patienten aufnehmen als gewöhnlich, da ist jeder Platz wichtig. Außerdem müssen sich Begleitpersonen an ähnlich strenge Regeln wie Patienten halten, auch wenn sie in der freien Zeit die Klinik verlassen, um Mitpatienten nicht zu gefährden. In der Regel werden daher alle Patienten in Einzelzimmern untergebracht.

Die Menge macht’s – kleine Gruppen und weniger Kontakte

Kliniken müssen routinierte Abläufe, Personaleinsatz, Mitarbeiterplanung und Zusammensetzung von Patientengruppen überdenken und anders organisieren. Das liegt daran, dass sowohl zur Prävention als auch zur Kontaktnachverfolgung bei Auftreten einer Infektion möglichst wenig unterschiedliche Menschen miteinander arbeiten sollten. Einige Kliniken arbeiten deswegen mit kleineren Teams, die festen Bereichen zugeordnet sind, so dass im Falle einer Infektion nur eine kleine Gruppe Menschen unter Quarantäne gestellt werden muss und der Klinikbetrieb weitergehen kann.

Ähnlich funktioniert es mit Patientengruppen: Nach Möglichkeit wird schon bei der Anreise sichergestellt, dass bestimmte Patientinnen und Patienten in festen Gruppen sowohl die therapeutischen Angebote wahrnehmen als auch beim Essen zusammensitzen. Diesen Patientengruppen könnte z.B. auch ein gleichbleibender Therapeut zugeordnet werden. Grundsätzlich sind die Gruppen viel kleiner als vor Corona.

Digitale Angebote ergänzen persönliche Therapie

Einige der sonst als Gruppentherapie angebotenen Verfahren werden als Einzeltherapie angeboten. Eine vollständige Umwandlung in Einzeltherapien dürfte an personellen und räumlichen Engpässen scheitern. Deswegen greifen Kliniken mitunter auf gut funktionierende digitale Alternativen zurück. Patientenschulungen, Entspannungsverfahren und Therapieanleitungen können in den Kliniken oder ambulanten Einrichtungen sehr gut durch digitale Angebote ersetzt oder ergänzt werden. Telemedizinische Anwendungen ermöglichen innerhalb und außerhalb von Kliniken den persönlichen Austausch.

Arzt-Patienten-Gespräch per Computer

Yoga an der frischen Luft

Manche Klinikbereiche können nur unter strengen Auflagen oder gar nicht genutzt werden, da die Infektionsgefahr nach aktuellem Wissenstand zu hoch ist. Dazu zählt leider häufig das Schwimm- und Bewegungsbad. Sofern möglich wird eine Vielzahl therapeutischer Angebote an der frischen Luft angeboten. Bewegung in der Natur kann sehr gut in kleineren Gruppen mit größerem Abstand organisiert werden. Laufgruppen, Yoga & Gymnastik, Meditation aber auch Gesprächsrunden und Schulungen können unter freiem Himmel angeboten werden.

Alles in allem verlaufen die therapeutischen Anwendungen anders. Vielfach kann dies sogar zum Vorteil der Patientinnen und Patienten sein und bietet eine Chance, Behandlungskonzepte in der Rehabilitation neu zu definieren.

Yoga in der Reha mit Abstand
Bildnachweis: Wilfried Gerhartz, Paracelsus-Kliniken

Organisation ist alles

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen – eine oft gebrauchte Floskel, die selten mehr Auswirkungen auf den Alltag hatte als jetzt. Damit auch in Rehakliniken sowohl vorsorglich als auch im Falle einer Infektion alles nach Plan läuft, braucht es durchdachte Konzepte, klare Kommunikation und eine gute Organisation.

Das beginnt schon damit, dass für jeden Raum in der Klinik klar sein muss, wie viele Menschen sich maximal darin aufhalten dürfen, um die vorgegebenen Abstände wahren zu können. Hinweisschilder müssen solche Begrenzungen benennen. Und wie kommt man eigentlich zu den verschiedenen Bereichen der Klinik, insbesondere dann, wenn Flure eng sind und sich in Gängen zu beliebten Zeiten (z.B. zu den Mahlzeiten) beinahe Staus bilden? Clevere Laufwege müssen her und natürlich intelligente Leitsysteme.

Unbedingt wichtig ist auch die regelmäßige Überwachung und Erfassung von Krankheitssymptomen. Bei Coronainfektionen ist insbesondere das Ausbrechen von Fieber ein wichtiger Hinweis auf eine Erkrankung. Daher gehört das Fiebermessen in den Rehakliniken zur täglichen Routine.

Mundschutz und Fieberthermometer liegen bereit

Die Familie kommt zu Besuch

Bei einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt freut man sich über Besuch. In Zeiten von Corona wird es auch hier weiter Einschränkungen geben müssen. Während in der Akutphase der Pandemie gar keine Besuche erlaubt waren, sind nun Lockerungen möglich. Rehakliniken treffen hierzu individuelle Regelungen, die mit den lokalen Behörden abgestimmt sind. Meistens wird man schon zu Beginn der Reha festlegen, wer zum Kreise der Besucher gehören wird und kann auch nur eine begrenzte Zahl von Freunden und Verwandten angeben. Auch dies dient der Vorbeugung von weiteren Ansteckungen und einer leichteren Kontaktnachverfolgung im Falle einer Infektion.

Freizeit – ein Appell an Solidarität und Mitdenken

Die besten Regeln und vorsorglichsten Maßnahmen wirken nur dann, wenn alle an einem Strang ziehen und sich daran halten. Besonders herausfordernd ist das in der therapiefreien Zeit, in der Patientinnen und Patienten sich auch außerhalb des Klinikgeländes aufhalten, die Umgebung entdecken und das eine oder andere Café in der Nähe besuchen können. Die Vorschriften der Klinik gelten hier schon rein rechtlich gesehen nicht mehr. Umso wichtiger, dass allen Beteiligten einleuchtet, wie wichtig die Einhaltung der auch im Alltag zu Hause geltenden Regeln (Maskenpflicht, Abstandsregeln) in der Klinikumgebung ist. Zum Schutz der Mitpatienten und der Mitarbeiter in der Reha.

Mit Mund-Nasen-Schutz im Café

Im Fall der Fälle

Bei allen Sicherheitsmaßnahmen gibt es dennoch keine Garantie dafür, dass nicht doch ein Patient positiv auf COVID-19 getestet wird. Das ist kein Grund zur Panik. Gute Konzepte und die oben beschriebenen Maßnahmen stellen sicher, dass der Betrieb der Reha im Regelfall weitergehen kann, für die richtige medizinische Behandlung gesorgt ist und größere Erkrankungswellen vermieden werden.

In der Regel wird den Patienten Quarantäne verordnet. Das heißt, sie werden zunächst weiter auf den eigenen Zimmern versorgt, womit die Ansteckung weiterer Personen vermieden werden soll. Dies wird solange fortgeführt, bis durch einen Test nachgewiesen wird, ob eine COVID-19-Ansteckung vorliegt oder nicht. Sollte der Test positiv sein und der Patient tatsächlich erkrankt sein bleibt er weiterhin in Quarantäne bzw. wird je nach Schwere des Krankheitsverlaufs in ein Krankenhaus verlegt.

Grundsätzlich gilt, dass sich Patienten mit Symptomen direkt beim medizinischen Personal melden sollten.

Reha abgebrochen - was nun?

Grundsätzlich kann eine Rehamaßnahme sowohl vom Patienten als auch durch die Rehaklinik abgebrochen werden. Ist man selbst erkrankt und kann zu Hause besser von einer Corona-Infektion erholen oder dort besser betreut werden, kann ein Abbruch sinnvoll sein. Auch, wenn Angehörige erkrankt sind und man sich zu Hause um Kinder oder Familie kümmern muss, wenn durch die Corona-Pandemie zum Beispiel Schulen oder Kindergärten geschlossen sind. 

In beiden Fällen kann eine Reha zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt oder nachgeholt werden. Die Kostenträger (Deutsche Rentenversicherung, Krankenversicherung) zeigen sich in der aktuellen Situation kulant und finden unbürokratischet Lösungen. Auch eine noch nicht angetretene Reha kann verschoben und später nachgeholt werden. Der Bewilligungsbescheid ist in der aktuellen Situation 9 Monate gültig. Patienten sollten sich dazu jedoch sobald wie möglich mit den Kostenträgern in Verbindung setzen.

Zuletzt geändert am : 11.06.2020

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