Angststörungen

Ängste sind ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Nehmen sie jedoch überhand, so leidet die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Im Fachjargon spricht man in diesem Fall von einer Angststörung. Was sich genau hinter diesem Phänomen verbirgt, wie es sich äußert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, sind nur einige der Aspekte, die in den folgenden Absätzen zur Sprache kommen.

Angst versus Angststörung: ein Einstieg

Angst ist sicherlich jedem Menschen geläufig. In schwächerer Form tritt sie beispielsweise vor bevorstehenden Herausforderungen auf. Sei es nun eine Klassenarbeit, eine Fahrprüfung oder ein Vorstellungsgespräch: Situationen, in denen wir unsere Fähigkeiten und Wissen unter Beweis stellen müssen, können die Angst vor dem Versagen steigern. Eine konstruktive Umgangsform besteht darin, diese Angst als Antrieb zu nutzen, um sich beispielsweise noch intensiver auf das jeweilige Ereignis vorzubereiten.

Auch als Warnsignal spielt Angst eine wichtige Rolle. Wird eine Situation oder ein Mensch als bedrohlich empfunden, so äußert sich dies in jenem unangenehmen Gefühl. Begleitet wird dieses oftmals von einem unmittelbaren Fluchtgedanken, der die Betroffenen dazu animiert, Lösungswege zu finden und diese möglichst zeitnah in die Tat umzusetzen.

Gefährlich wird es jedoch, wenn die Angst so groß ist, dass sie das Gegenteil bewirkt und die Patienten in ihrem Handeln kontrolliert und einschränkt. Hat die Angst eine lähmende Wirkung, hält sie an und/oder zeigt sie sich in regelmäßigen Abständen immer wieder, so spricht man von einer Angststörung. Bezeichnend ist hier, dass die natürlichen Schutzfunktionen der Betroffenen gestört sind und es zu einer eher passiven und defensiven Haltung kommt, die zunehmend auf alle Lebensbereiche übergreift.

Angststörungen als weit verbreitetes Phänomen: Begriffsklärung und Erscheinungsformen

Angstzustände sind gerade in der heutigen, von Leistungsdruck und Stress geprägten Gesellschaft keine Seltenheit. Bei der krankhaften Variante unterscheidet man zwischen verschiedenen Formen.

Die phobische Angst beispielsweise beschreibt ein Gefühl der Unruhe, das sowohl von bestimmten Objekten als auch Situationen ausgelöst werden kann. Die Betroffenen sind sich in der Regel darüber im Klaren, dass ihre Befürchtungen unbegründet sind.

Für die generalisierte Angst ist vor allem die Willkür, mit der sie auftritt, bezeichnend. Entsprechend sind die Betroffenen hier nicht in der Lage, einen äußeren Auslöser für ihr Unwohlsein zu bestimmen.

Panikattacken wiederum treten plötzlich, unvorhersehbar und ohne offensichtlichen Grund in Intervallen auf. Ein weiteres unverkennbares Merkmal ist ihre hohe Intensität.

Frau mit einer Agoraphobie steht auf einem öffentlichen Platz, umgeben von vielen Menschen. Sie hält sich verängstigt die Hände vor das Gesicht.
© terovesalainen - stock.adobe.com

Phobische Angst: Die vielen Gesichter von Phobien

Phobien werden in verschiedene Untergruppen aufgeteilt.

Unter einer spezifischen Phobie versteht man die Angst vor einer ganz bestimmten Situation oder einem Objekt. Ausdruck findet diese Angststörung beispielsweise in Form von

  • Flugangst,
  • Höhenangst,
  • Angst in geschlossenen Räumen und
  • Angst vor Spinnen sowie anderen Insekten und Tieren.

Die Agoraphobie wiederum bezeichnet die Angst vor weiten Plätzen oder Menschengedränge - also Situationen, aus denen sich der Betroffene nicht schnell zurückziehen kann. Diese führt dazu, dass die Erkrankten unter anderem Menschenmengen und öffentliche Plätze meiden und sich nur selten außerhalb ihrer vertrauten Umgebung aufhalten. Dabei ist es ihnen besonders wichtig, Symptome wie Schwindel und unfreiwilligen Harnverlust vor anderen Menschen zu verbergen.

Bei einer sogenannten sozialen Phobie versuchen Betroffene, Situationen aus dem Weg zu gehen, in denen sie im Mittelpunkt stehen. Entsprechend kann beispielsweise die Präsentation der eigenen Studienergebnisse vor einem Publikum Symptome wie

  • Händezittern,
  • Erröten,
  • Übelkeit sowie
  • die Vermeidung von Blickkontakt

auslösen. Eine soziale Phobie wird oftmals von der Angst vor Kritik sowie grundsätzlichen Minderwertigkeitskomplexen begleitet.

Der Verlauf ist häufig chronisch und resultiert in einer sozialen Isolation der Betroffenen, die die angstauslösenden Situationen zu vermeiden versuchen und sich daher ganz von der Außenwelt abschotten.

Generalisierte Angst und Panikattacken: charakteristische Symptome

Angst kann sich auf Körper, Seele und Geist gleichermaßen destruktiv auswirken. Dominierend sind jedoch zweifellos die körperlichen Symptome, die von Brustschmerzen über Atemnot bis hin zu Schwindelgefühl reichen. Je nach Erscheinungsform lassen sich mit Blick auf die Symptome Unterschiede feststellen.

Beklemmungsgefühle, Herzrasen und Zittern sind nur einige der körperlichen Signale, die auf eine Panikstörung verweisen. Dabei tritt die Angst unerwartet und ohne ersichtlichen Auslöser wie aus dem Nichts auf und wird innerhalb weniger Minuten so stark, dass die Betroffenen oftmals den eigenen Tod befürchten. In den meisten Fällen klingt eine Panikattacke nach etwa 10, spätestens jedoch nach 30 Minuten von selbst wieder ab. Aufgrund der Intensität dieser Form der Angststörung werden die Betroffenen selbst in angstfreien Phasen von der Furcht vor einer erneuten Attacke geplagt.

Für die generalisierte Angststörung ist vor allem die lange Dauer ihres Auftretens charakteristisch. Da sie nicht von Gegenständen oder Situationen verursacht wird, ist sie kontinuierlich präsent. Zu den Symptomen dieser Form der Angststörung zählen

  • Ruhelosigkeit,
  • Muskelanspannung,
  • Übererregbarkeit,
  • Reizbarkeit,
  • Mundtrockenheit,
  • Beklemmungsgefühle und
  • Schlafstörungen.

Angststörungen erfolgreich behandeln

Bei der Therapie von Angststörungen geht es in erster Linie darum, den Betroffenen dabei zu helfen, wieder Kontrolle über ihr eigenes Leben zu gewinnen. Im Zentrum stehen dabei psychotherapeutische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Eine psychotherapeutische Behandlung umfasst unter anderem essentielle Schritte wie die sogenannte "Reizkonfrontation" sowie die "systematische Desensibilisierung". Dabei nähert sich der Patient entweder abrupt oder schrittweise den Objekten oder Situationen, die Angst auslösen. Ziel ist die Erkenntnis, dass die damit verbundenen Befürchtungen haltlos sind.

Kognitive Therapie, Soziotherapie und tiefenpsychologische Verfahren sind neben Medikamenten und Entspannungsübungen weitere Bestandteile, die bei der effektiven Behandlung von Angststörungen eine Rolle spielen.

Reha nach der Behandlung

Handelt es sich um eine besonders ausgeprägte und komplexe Form der Angststörung, so schlagen herkömmliche Therapiebemühungen oftmals fehl. Eine Reha kann hier die letzte Lösung sein, bietet sie doch im geschützten Umfeld einer Klinik nicht nur die Distanz zum gewohnten Alltag mit allen seinen Herausforderungen, sondern auch die besonders intensive und gezielte Betreuung durch speziell für diese Krankheitsbilder ausgebildete Mediziner und Therapeuten.

Eine Reha dient unter anderem dazu, den Betroffenen Strategien zur eigenständigen Bewältigung ihrer Angst zu vermitteln. Abgesehen von den einschlägigen Therapien rücken hier auch alternative Techniken wie Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training, Atemtherapie und allgemeine Körperübungen in den Vordergrund.

Im Idealfall sorgt eine Reha dafür, dass sich die Patienten nach Beendigung der Maßnahme in Zukunft ihrer Angst stellen, sie konstruktiv bewältigen und folglich wieder ohne Einschränkungen am sozialen und beruflichen Leben teilnehmen können.

Dass die Angehörigen von Patienten einen maßgeblichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Genesung haben können, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Kontext unter anderem ein regelmäßiger Kontakt, der die Betroffenen vor Einsamkeit und Isolierung bewahrt.

Artikel vom Expertengremium Reha lektoriert, 03.04.2020

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