Epilepsie

Der Begriff Epilepsie (altgriechisch: epilepsis = Überfall, Angriff) steht für eine Gruppe von funktionellen Störungen im Gehirn und ist in der Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD) mit dem ICD-Code G40 beziffert. Kennzeichen der Erkrankung sind in erster Linie epileptische Anfälle.

Was versteht man unter Epilepsie?

Der Auslöser für epileptische Anfälle sind Nervenzellen, die innerhalb des Gehirns plötzlich und unkontrolliert Impulse abgeben. Das Anfallsgeschehen verläuft sehr unterschiedlich und variiert zwischen Absencen (vorübergehender kurzer Bewusstseinsverlust) und minutenlangen Krampfanfällen des gesamten Körpers.

Wenn Sie einen epileptischen Anfall haben, bedeutet das noch nicht das Vorliegen der Krankheit Epilepsie. Ein einzelner Anfall, der im Kontext einer anderen akuten Erkrankung in Erscheinung tritt, wird als Gelegenheitsanfall bezeichnet. Vor allem kleine Kinder haben solche vorübergehenden Phänomene im Rahmen eines Fieberkrampfes. Auch schwere Entzündungsverläufe, etwa eine Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Stoffwechselstörungen wie z. B. Diabetes stehen gelegentlich mit epileptischen Anfällen in Verbindung, die ebenfalls einen Gelegenheitskrampf darstellen.

Frau hat einen epileptischen Anfall und liegt auf dem Küchenboden.
© Tunatura - stock.adobe.com

Symptome und Formen der Epilepsie

Die Erscheinungsform der Epilepsie ist durch sehr verschiedene Ausprägungen gekennzeichnet. Generalisierte Anfälle betreffen das gesamte Gehirn. Hierbei haben Sie 

  • entweder verkrampfte beziehungsweise steife Gliedmaßen (tonischer Anfall)
  • oder Muskelzuckungen (klonischer Anfall).

Häufig kommt auch eine Kombination aus beiden Varianten vor. Diese Anfallsform wird als tonisch-klonisch oder Grand Mal (französisch = das große Übel) bezeichnet.

Die zweite Form ist durch fokale Anfälle gekennzeichnet. Dabei ist lediglich ein begrenztes Areal des Gehirns betroffen. Sie haben

  • entweder Zuckungen eines Armes (motorischer Anfall)
  • oder Veränderungen bei Ihrer Sehfähigkeit (visueller Anfall).

Es ist auch üblich, dass Anfälle fokal anfangen, sich im weiteren Verlauf auf das gesamte Gehirn ausweiten und sich so zu generalisierten Anfällen entwickeln.

Es ist möglich, dass Sie im Anschluss an einen epileptischen Anfall eine Nachphase haben. Dieses Phänomen ist sehr häufig und äußert sich durch unterschiedliche Symptome, etwa eine gestörte Aufmerksamkeit in den folgenden Stunden. Auch Beeinträchtigungen von Sprache, Gedächtnis und Stimmung sind für einige Zeit typisch. Völlige Symptomfreiheit unmittelbar im Anschluss an einen Anfall ist ebenfalls denkbar.

Verlauf eines epileptischen Anfalls

Bei einem Anfall findet eine übermäßige Aktivierung der Nervenzellen in Ihrem Gehirn statt. In der Regel ist ein Anfall nicht lebensbedrohlich und endet von selbst im Zeitraum von einigen Sekunden bis wenigen Minuten. Es ist wichtig, einen Menschen während eines Anfalls zu schützen, etwa durch das Entfernen von Gegenständen in der Nähe um Verletzungen zu verhindern. Dies betrifft vor allem Verlaufsformen mit großer motorischer Unruhe. Auch das Schützen des Kopfes ist hilfreich. Wenn der Anfall mit starken Muskelkontraktionen und einer Bewusstlosigkeit einhergeht, sollte der Betroffene nicht festgehalten werden. Das Vermitteln von Sicherheit ist hingegen wesentlich.

Endet ein Anfall nicht von selbst innerhalb weniger Minuten oder zeigt der Betroffene Anzeichen von Atemnot, so ist ein Notarzt zu informieren. Häufig haben Epileptiker ein Notfallmedikament, das nach Vorgabe verabreicht wird und das der Anfallsunterbrechung dient.

Ursachen einer Epilepsie

Die Entstehung einer epileptischen Erkrankung ist vielfältig und meist nicht eindeutig. Häufig lässt sich gar keine konkrete Ursache feststellen. Wenn es Hinweise auf einen hirnorganischen Ursprung gibt, aber der Auslöser trotz ausführlicher Untersuchungen unklar bleibt, wird die Erkrankung als kryptogene (ungeklärte) Epilepsie bezeichnet. Wenn hingegen weder der Anfallsauslöser gefunden wird, noch entsprechende Veränderungen im Gehirn oder sonstigen zugehörigen Bereichen gefunden wird, spricht Ihr Arzt von einer idiopathischen (ursachenunabhängigen) Epilepsie.

Bei bekannten Ursachen wird die Erkrankung als symptomatische Epilepsie bezeichnet. Erkennbare Gründe sind beispielsweise

  • Fehlbildungen des Gehirns,
  • Schädel-Hirn-Traumata,
  • Hirnentzündungen,
  • Stoffwechselstörungen oder
  • Hirnschäden, die im Verlauf der Geburt entstehen.

Diagnose der Erkrankung

Eine ärztliche Untersuchung erfolgt in der Regel im Zusammenhang mit einem ersten epileptischen Anfall. Sie gehen damit zunächst zu Ihrem Hausarzt, der sie bei Verdacht auf eine Epilepsie an einen neurologischen Facharzt überweist. Ihr Arzt erhebt zunächst Ihre Krankheitsgeschichte (Anamnese) und lässt sich von Ihnen den Anfallsverlauf sowie mögliche Auslöser und auch Grunderkrankungen schildern. Sinnvoll ist dabei auch die Schilderung durch einen Menschen, der den Anfall miterlebt hat.

Im weiteren Verlauf finden verschiedene Untersuchungen statt, darunter eine ausführliche körperliche Untersuchung und das Messen der Hirnströme durch ein EEG (Elektroenzephalografie). Eine weitere Methode ist das MRT (Magnetresonanztomografie). Damit lassen sich präzise Schnittbilder des Gehirns abbilden, die Auskunft über eine Anfallsursache geben. Auch Blutuntersuchungen kommen vor, meist beim Verdacht auf Veränderungen des Stoffwechsels oder bei vorliegenden Entzündungen.

Verdacht auf Epilepsie: Frau mit Elektroden am Kopf bei einer Elektroenzephalografie (EEG)
© RioPatuca Images - stock.adobe.com

Behandlung von Epilepsie

Die Therapie einer epileptischen Erkrankung hängt von der Art der Erkrankung und dem bisherigen Verlauf ab. Bei einem einzelnen Anfall mit bekanntem Auslöser ist oftmals keine Behandlung erforderlich. Lediglich auslösende Faktoren (Trigger), beispielsweise Flackerlicht, Drogen oder extreme Belastungen, sind zu vermeiden. Auch eine gesunde Lebensführung mit genügend Schlaf ist hilfreich.

Bei einer langfristigen Epilepsie kommen Medikamente zum Einsatz, sogenannte Antiepileptika. Sie haben die Aufgabe, die überschießende Nervenzellenaktivität im Gehirn zu hemmen. Ihre Einnahme erfolgt über viele Jahre und bedarf einer regelmäßigen Anpassung. In seltenen Fällen, meist bei fokalen Anfällen, reicht die medikamentöse Behandlung nicht aus. In dem Fall wird ein kleiner Teil der betroffenen Hirnregion entfernt (Resektion).

Reha bei Epilepsie

Die Prognose einer epileptischen Erkrankung hängt wesentlich von ihrer Art und Form ab. Etwa 50 Prozent der Patienten haben einen einmaligen Anfall. Die anderen 50 Prozent haben wiederkehrende Anfälle, diesen Patienten kann eine medizinische Reha helfen. Sie dient dazu, die Anfallshäufigkeit zu verringern und die Einstellung der Medikation optimal zu gestalten.

Wenn Ihr Arzt Ihnen eine Reha vorschlägt, haben Sie meist die Möglichkeit, diese ambulant oder stationär in Anspruch zu nehmen. Hier ist der Auslöser der Erkrankung für die Art der Reha maßgeblich. In einer ambulanten Maßnahme wird Ihr bereits entwickeltes Behandlungskonzept erprobt und bei Bedarf angepasst. Eine stationäre Reha ermöglicht die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen und dient der Schulung und Beratung sowie der Anfallskontrolle und Behandlung.

Fazit

Epilepsie ist eine Fehlfunktion im Gehirn, die zu unterschiedlichen Formen von Anfällen führt. Sie lässt sich bei Bedarf mit Medikamenten gut behandeln. In einer Reha folgen eine Einstellung der Medikamente und eine Schulung zum Umgang mit der Erkrankung. Eine individuell auf Sie zugeschnittene Behandlung ermöglicht ein normales Leben mit meist nur geringen Einschränkungen.

Artikel vom Expertengremium Reha lektoriert, 08.02.2021

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