Hirntumor

Unter einem Hirntumor oder Gehirntumor versteht die Fachmedizin einen Tumor im Bereich des Gehirns selbst oder im Bereich der Hirnhäute. Die an verschiedenen Stellen in unterschiedlicher Ausprägung auftretenden Tumoren können sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein. Kinder sind davon ebenso betroffen wie erwachsene Patienten und Patientinnen. Früherkennung oder Vorsorge von Tumoren im Gehirn ist nach derzeitigem medizinischem Stand nicht möglich. Ein Hirntumor tritt oft ohne Vorwarnung in Erscheinung und macht sich durch verschiedene Symptome wie z. B. Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Verhaltensveränderungen, Hirnleistungsstörungen oder Sehstörungen bemerkbar. Diese Faktoren können auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein, eine zeitnahe Abklärung durch einen Arzt oder eine Ärztin ist notwendig. Zur Behandlung kommen eine Operation, eine Strahlentherapie, eine Chemotherapie oder Immuntherapie häufig auch eine Kombination dieser Verfahren infrage.

Ursachen von Hirntumoren

Es kann sich bei Hirntumoren entweder um einen primären Tumor handeln, der direkt im Gehirn aus den Zellen des Nervensystems selbst entsteht, oder um einen sekundären Tumor, der durch Absiedlungen (Metastasen) von anderen Organtumoren ins Gehirn gelangt.

Warum sich ein primärer Hirntumor bildet, ist bisher noch weitestgehend unbekannt. Neben einer möglichen genetischen Veranlagung können eventuell auch bestimmte Erbkrankheiten, ein stark geschwächtes Immunsystem oder Bestrahlungen eine Rolle bei der Entstehung spielen.

Symptome verursacht durch Hirntumoren

Ein Hirntumor macht sich in der Regel durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar, die sich unbehandelt deutlich verstärken. Es gibt allerdings auch Gehirntumoren, die bei den Patienten und Patientinnen sehr lange keine Symptome hervorrufen. Erste Anzeichen für einen gut- oder bösartigen Hirntumor können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Krämpfe und Zuckungen (epileptische Anfälle)
  • Übelkeit und Erbrechen ohne Magen-Darm-Erkrankung
  • Sehstörungen
  • Lähmungserscheinungen und Koordinationsschwierigkeiten
  • Sprachstörungen
  • hormonale Störungen
  • Nachlassen von Merkfähigkeit und Gehirnleistung
  • Persönlichkeitsveränderungen

Die Symptome kommen sowohl bei bösartigen als auch bei gutartigen Tumoren vor. Und können auch auf ein Rezidiv nach einer Tumorbehandlung hinweisen.

Eine Frau ist von Kopfschmerzen geplagt und fasst sich an die Schläfen. Der schmerzende Bereich ist rot eingefärbt.
© Artem Furman / Fotolia

Verbreitung der Erkrankung

Hirntumore gehören zu den selteneren Tumorarten und machen nur ungefähr 2 % aller Krebserkrankungen aus. In Deutschland gibt es schätzungsweise etwa 7.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Die meisten Patienten und Patientinnen sind zwischen 50 und 70 Jahren alt, wenn ein Hirntumor auftritt. Nach dem Blutkrebs (Leukämie) sind Tumore des Gehirns außerdem die zweithäufigste Krebserkrankung im Kindesalter.

Verschiedene Methoden der Diagnostik bei Verdacht auf Gehirntumor

Verhärtet sich im ausführlichen Erstgespräch mit dem Arzt oder der Ärztin und bei einer neurologischen Untersuchung der Verdacht auf einen möglichen Hirntumor, nutzen die Mediziner:innen verschiedene Untersuchungsmethoden, um die Diagnose zu bestätigen. Die wichtigsten sind

  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)

Bei der mit Röntgenstrahlen durchgeführten CT entsteht eine Abbildung des Gehirns in Schnittbildern und es lässt sich feststellen, ob ein Tumor oder zum Beispiel eine Verkalkung oder eine Blutung vorliegen. Die mit Magnetfeldern entstehende MRT zeigt noch sehr viel detailreichere Schichtbilder und kann deutlich kleinere Tumoren als die CT zeigen, wodurch eine genauere Diagnose ermöglicht wird.

Feingewebliche Untersuchung zur genauen Bestimmung der Tumoren

Um den Hirntumor genau zu bestimmen und zu klassifizieren und so eine passgenaue Behandlung einzuleiten, ist eine feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig. Zu diesem Zweck entnimmt der Neurochirurg im Rahmen einer offenen Operation am Gehirn oder einer Biopsie mit Spezialkanülen eine Gewebeprobe des Tumors. Anschließend erfolgt die präzise feingewebliche Untersuchung durch den Neuropathologen zur Bestimmung der Tumorart und ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt.

Da die einzelnen Tumoren ein sehr unterschiedliches Wachstumsverhalten zeigen und die Prognosen für den Heilungsverlauf sehr unterschiedlich sind, ist die genaue Diagnose Klassifikation des entnommenen Gewebes überaus wichtig für das weitere Vorgehen und die Behandlung. Die WHO untergliedert die Tumore beispielsweise danach, aus welchem Gewebe sie entstanden sind. So gibt es beispielsweise Gliome, die sich aus den Stützzellen des Gehirns entwickeln, Neurinome, die von Hirnnerven ausgehen, oder Meningeome, die aus Zellen der Hirnhaut entstehen.

Einteilung von Hirntumoren

Ist ein Tumor bei der feingeweblichen Untersuchung festgestellt, erfolgt in einem nächsten Schritt die sogenannte Gradierung. Dabei stellt der untersuchende Neuropathologe fest, ob der Tumor gutartig oder in verschiedenen Abstufungen bösartig ist. Grundlage ist die durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) aufgestellten Kriterien für die Klassifikation von Tumoren des Nervensystems in vier Graden:

  • Grad I: gutartig mit langsamem Wachstum und sehr guter Prognose
  • Grad II: nicht mehr ganz gutartig
  • Grad III: bösartig, hohe Rezidivbildung
  • Grad IV: sehr bösartig, schnell wachsend mit sehr schlechter Prognose

Je bösartiger der primäre Tumor, je schneller er wächst und je mehr er in das Gehirngewebe hineinwächst (infiltriert), umso schlechter die Prognose für eine Heilung. Insgesamt liegt die 5-Jahres-Überlebensrate von den sehr bösartigen Tumoren (Glioblastomen) nur bei 5-10 %.

Röntgenbild eines menschlichen Schädels. Der vordere Bereich des Kopfes ist rot eingefärbt, dort kann sich ein Hirntumor befinden.

Verschiedene Methoden und Konzepte der Tumorbehandlung

Da sich Tumoren im Bereich des Gehirns an den verschiedensten Stellen bilden können, sich sehr unterschiedlich entwickeln und die Prognose dementsprechend variiert, gestaltet sich die Behandlung sehr vielfältig. Mögliche Behandlungsmethoden sind

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Chemotherapie
  • TTF (elektrische Tumortherapiefelder)
  • Immuntherapie
  • Kombination der verschiedenen Verfahren

Die häufigste Behandlungsmethode ist die Operation am Gehirn. Je nach Art und Größe sowie Sitz des Hirntumors beträgt die Dauer der OP mehrere Stunden. Gutartige Tumoren können durch die operative Entfernung häufig geheilt werden. Je nach feingeweblichem Befund (Histologie) schließt sich bei bösartigen Hirntumoren häufig eine Strahlentherapie und/oder Chemotherapie. Gerade im Bereich der Hirntumore mit ihren oft komplizierten Befunden ist die Erforschung und Entwicklung neuer Therapieansätze ständig im Fluss. In einigen Fällen ist auch eine alleinige "Radiochirurgie" mittels Gamma-Knife oder per Cyber-Knife möglich. Für Tumoren wie die besonders bösartigen und aggressiv wachsenden Glioblastome kann zusätzlich eine Behandlung mit Wechselstromfeldern (TTF) angewandt werden. Neue Verfahren wie die Immuntherapie kommen insbesondere bei Hirnmetastasen immer häufiger zur Anwendung.

Neurologische, onkologische sowie neuro-onkologische Reha bei Hirntumor

Prinzipiell ist eine ambulante Reha bei Hirntumoren, die zu neurologischen Störungen geführt haben, ebenso möglich wie eine teilstationäre oder eine stationäre. Handelt es sich um einen benignen (gutartigen) Hirntumor, schließt sich in der Regel eine neurologische Reha an, bei einem malignen (bösartigen) Tumor wahlweise eine onkologische oder neurologische.

Bei der neurologischen Reha liegt der Schwerpunkt vorrangig auf der Therapie von durch den Hirntumor bedingten geistigen Ausfällen, Beeinträchtigungen der Feinmotorik, Lähmungen sowie Gleichgewichts- und Sprachstörungen.

Bei der onkologischen Reha wiederum steht eine Behandlung für die gesundheitliche Stärkung und Kräftigung der Patienten und Patientinnen nach Krebs-OP, Chemotherapie und Strahlentherapie im Vordergrund.

Es gibt auch Reha-Kliniken, die von ihren Leistungen her beide Ansätze in sich vereinen und eine neuro-onkologische Reha einschließlich Physiotherapie und Ergotherapie sowie Logopädie, Neuro-Psychologie und physikalischer Therapie anbieten. Die Reha ist wahlweise als Anschlussrehabilitationsverfahren (AHB) spätestens 14 Tage nach Entlassung aus der operierenden Klinik oder als Heilverfahren nach der kompletten Behandlung inklusive OP sowie anschließender Strahlentherapie und/oder Chemotherapie möglich.

Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Patienten und Patientinnen stehen bei allen Rehamaßnahmen im Mittelpunkt. Im Einzelfall wird der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin gemeinsam mit Ihnen sehr genau abwägen, welche Art von Reha die vielversprechendste ist, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

Zuletzt geändert am: 21.03.2022

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