Hirntumor

Unter einem Hirntumor oder Gehirntumor versteht die Fachmedizin Tumoren im Bereich der Gehirnmasse oder Hirnhaut. Die an verschiedenen Stellen in unterschiedlicher Ausprägung auftretenden Tumoren können sowohl benign (gutartig) als auch malign (bösartig) sein. Kinder sind davon ebenso betroffen wie Erwachsene in jedem Alter. Früherkennung oder Vorsorge ist nach derzeitigem medizinischem Stand nicht möglich. Ein Hirntumor tritt meist ohne Vorwarnung in Erscheinung und macht sich durch verschiedene Faktoren von starken Kopfschmerzen bis Ausfällen bei der Gehirnleistung sowie Sehstörungen bemerkbar. Da all diese Faktoren auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein können, ist eine zeitnahe Abklärung durch den Arzt unabdingbar.

Symptome für einen gutartigen oder bösartigen Hirntumor

Ein Hirntumor macht sich in der Regel durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar, die sich unbehandelt deutlich verstärken. Es gibt allerdings auch Gehirntumoren, die sehr lange keine Symptome hervorrufen. Erste Anzeichen für einen gut- oder bösartigen Hirntumor können sein:

  • starke Kopfschmerzen, vor allem nachts
  • Krämpfe und Zuckungen
  • Übelkeit und Erbrechen ohne Magen-Darm-Erkrankung
  • Sehstörungen
  • Lähmungserscheinungen und Koordinationsschwierigkeiten
  • hormonale Störungen
  • Nachlassen von Merkfähigkeit und Gehirnleistung
  • Persönlichkeitsveränderungen

Die Symptome kommen sowohl bei bösartigen als auch bei gutartigen Tumoren vor. Daneben können diese Symptome auch auf Metastasen im Gehirn bei einem Primärtumor in einem anderen Organ oder auf ein Rezidiv (wiedergekehrter Tumor nach Entfernung) hindeuten.

Eine Frau ist von Kopfschmerzen geplagt und fasst sich an die Schläfen. Der schmerzende Bereich ist rot eingefärbt.
© Artem Furman / Fotolia

Verschiedene Methoden der Diagnostik bei Verdacht auf Gehirntumor

Verhärtet sich im ausführlichen Erstgespräch mit dem Arzt und bei einer neurologischen Untersuchung der Verdacht auf einen möglichen Hirntumor, nutzen die Mediziner verschiedene Untersuchungsmethoden zur Diagnostik. Die wichtigsten sind

  • Computertomographie (CT)
  • Kernspintomographie (MRT)
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Bei CT mit Durchleuchtung und genauer Abbildung des Gehirns in Schnittbildern lässt sich feststellen, ob ein Tumor oder zum Beispiel eine Verkalkung oder eine Blutung vorliegen. Bei in einer Röhre durchgeführten MRT sind die Ergebnisse noch genauer auch bei negativem CT-Befund und bei PET lässt sich die erhöhte Stoffwechselaktivität von Tumorzellen präzise verfolgen.

Feingewebliche Untersuchung zur genauen Bestimmung der Tumoren

Um den Tumor genau zu bestimmen und zu klassifizieren und so eine passgenaue Behandlung einzuleiten, ist eine feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig. Zu diesem Zweck entnimmt der Neuropathologe im Rahmen einer offenen Operation oder einer Biopsie mit Spezialkanülen eine Gewebeprobe. Anschließend erfolgt die präzise feingewebliche Untersuchung, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt. Da die einzelnen Tumoren ein sehr unterschiedliches Wachstumsverhalten zeigen und die Prognosen für den Heilungsverlauf sehr unterschiedlich sind, ist die genaue Klassifikation des entnommenen Gewebes überaus wichtig für das weitere Vorgehen der behandelnden Ärzte.

Die vier verschiedenen Grade bei der Diagnose Hirntumor

Ist ein Tumor bei der feingeweblichen Untersuchung festgestellt, erfolgt in einem nächsten Schritt die sogenannte Gradierung. Dabei stellt der untersuchende Neuropathologe fest, ob der Tumor gutartig oder in verschiedenen Abstufungen bösartig ist. Grundlage ist die durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) aufgestellten Kriterien für die Klassifikation von Tumoren des Nervensystems in vier Graden:

  • Grad I: gutartig mit langsamem Wachstum
  • Grad II: Übergangsstufe zwischen gutartig und bösartig
  • Grad III: bösartig
  • Grad IV: sehr bösartig, schnell wachsend

Je bösartiger der primäre Tumor und je schneller er wächst, umso schlechter die Prognose für eine Heilung nach dem derzeitigen Stand der Medizin.

Röntgenbild eines menschlichen Schädels. Der vordere Bereich des Kopfes ist rot eingefärbt, dort kann sich ein Hirntumor befinden.

Verschiedene Methoden und Konzepte der Tumorbehandlung

Da sich Tumoren im Bereich des Gehirns an den verschiedensten Stellen bilden können, sich sehr unterschiedlich entwickeln und die Prognose dementsprechend variiert, gestaltet sich die Behandlung sehr vielfältig. Mögliche Behandlungsmethoden sind

  • Operation
  • Chemotherapie oder Strahlentherapie (auch in Kombination)
  • medikamentöse Behandlung
  • CyberKnife) (robotergestützte Radiochirurgie)
  • TTF (elektrische Tumortherapiefelder)
  • Immuntherapie

Die häufigste Behandlungsmethode ist die Operation. Je nach Art und Größe sowie Sitz des Hirntumors beträgt die Dauer der OP in etwa fünf bis 12 Stunden. Es folgen Chemotherapie oder Strahlentherapie (auch in Kombination möglich), unterstützt durch medikamentöse Behandlung. Gerade im Bereich der Hirntumore mit ihren oft komplizierten Befunden ist die Erforschung und Entwicklung neuer Therapieansätze ständig im Fluss. So gibt bieten einige neuroonkologische Zentren die Behandlung von Meningeomen (Tumoren in der Hirnhaut) per CyberKnife (robotergesteuerte Systeme der Radiochirurgie). Für Tumoren in der Hirnmasse wie die besonders aggressiven Glioblastome sowie die ebenfalls bösartigen Gliome wurden andere neue Behandlungsmethoden wie die Therapie mit elektrischen Feldern (TTF) entwickelt. Noch in der Erprobungsphase sind neue Behandlungsansätze wie die Immuntherapie.

Neurologische, onkologische sowie neuro-onkologische Reha bei Hirntumor

Prinzipiell ist eine ambulante Reha bei Hirntumor ebenso möglich wie eine teilstationäre oder eine stationäre. Handelt es sich um einen benignen (gutartigen) Hirntumor schließt sich in der Regel eine neurologische Reha an, bei einem malignen (bösartigen) Tumor wie Gliablastom wahlweise eine onkologische oder neurologische.

Bei der neurologischen Reha liegt der Schwerpunkt vorrangig auf Diagnostik und Therapie von durch den Hirntumor bedingten geistigen Ausfällen, Beeinträchtigungen der Feinmotorik, Lähmungen sowie Gleichgewichts- und Sprachstörungen.

Bei der onkologischen Reha wiederum stehen die gesundheitliche sowie psychologische Stärkung und Kräftigung nach Krebs-OP und Chemotherapie im Vordergrund.

Es gibt auch Reha-Kliniken, die von ihren Leistungen her beide Ansätze in sich vereinen und eine neuro-onkologische Reha einschließlich Physiotherapie und Ergotherapie sowie Logopädie, Neuro-Psychologie und physikalischer Therapie anbieten. Die Reha ist wahlweise als Anschlussrehabilitationsverfahren (AHB) spätestens 14 Tage nach der OP im Krankenhaus oder als Heilverfahren nach der kompletten Behandlung inklusive OP sowie anschließender Strahlentherapie oder Chemotherapie möglich. Im Einzelfall wird der behandelnde Arzt gemeinsam mit Ihnen sehr genau abwägen, welche Art von Reha die vielversprechendste ist, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

Artikel vom Expertengremium Reha lektoriert, 13.09.2018

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