Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt zählt in Deutschland immer noch zu den häufigsten Todesursachen. Wenn das Herz plötzlich nicht mehr schlägt, zählt jede Sekunde. Welche Ursachen, Risikofaktoren und Therapien es gibt, lesen Sie hier.

Herzinfarkt: Was ist das eigentlich?

Ein Herzinfarkt, auch Myokardinfarkt genannt, ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der unbehandelt zum Tod führt. Es sind nicht nur ältere Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden. Auch kann das Herz jüngerer Menschen stehen bleiben. Schuld ist ein plötzlicher Verschluss der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Ein schnelles Eingreifen ist in diesem Fall überlebenswichtig, um ein Absterben des Herzmuskels zu verhindern.

Ein Herzinfarkt tritt immer plötzlich und völlig unerwartet auf. Patienten leiden nicht nur unter akuten Schmerzen, sondern auch unter Todesangst. Sobald ein Myokardinfarkt nicht rechtzeitig behandelt wird, stirbt der Herzmuskel ab. Je mehr Herzmuskelzellen allerdings absterben, desto schwächer fällt die Pumpfunktion des Herzmuskels aus.

Herzinfarkt mit Schmerzen in der Brust
© hriana / Fotolia

Ursachen und Risikofaktoren

Häufigste Ursache eines Herzinfarktes ist eine Verkalkung der Herzkranzgefäße, die auch als Arteriosklerose bezeichnet wird. Die Herzkranzgefäße sind zahlreiche kleine Blutgefäße, die den Herzmuskel umschließen und ihn mit Blut und Sauerstoff versorgen. Sind sie verstopft, wird die Blutversorgung des Herzmuskels unterbrochen.

Grundsätzlich handelt es sich um Ablagerungen von Fettstoffwechselprodukten, die an der Innenseite der Blutgefäße anhaften. Diese Ablagerungen (Plaques) verengen die Blutgefäße nicht nur – sie können sie auch vollständig verstopfen. Die Plaques bestehen aus:

  • Blutplättchen
  • Kalk
  • Blutfetten
  • Bindegewebe

Da diese Ablagerungen äußerst instabil sind, können sie jederzeit aufbrechen. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer koronaren Herzkrankheit.

Bei einem Herzinfarkt wird die Sauerstoffversorgung unterbunden, sodass ein Teil des Herzmuskels abstirbt. Je nach Lage des Verschlusses kommt es zu einem

  • Vorderwandinfarkt
  • Hinter- oder Seitenwandinfarkt
  • Scheidewandinfarkt
  • Kombinationsinfarkt

Das Herz kann den Körper nicht mehr mit sauerstoffreichem Blut versorgen, weshalb es seine Aufgabe als Pumporgan nicht mehr erfüllt. Je mehr Gewebe zerstört ist, desto stärker ist auch die Herzmuskelschwäche. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn größere Gefäße betroffen sind.

Das Infarktrisiko ist bei gestressten Menschen besonders groß, jedoch können weitere Risikofaktoren einen Herzinfarkt begünstigen. Hierzu gehören:

  • erhöhte Blutfettwerte
  • nährstoffarme & fettreiche Ernährung
  • Nikotin & Alkohol
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • erbliche Faktoren

Fakt ist: In den westlichen Industrieländern zählt der Myokardinfarkt zu den häufigsten Todesursachen. Allein in Deutschland geht jeder vierte Todesfall auf ein krankes Herz zurück.

Symptome eines Herzinfarktes

Da es sich bei einem Herzinfarkt um ein akutes Krankheitsgeschehen handelt, sind die Symptome meist deutlich ausgeprägt. In erster Linie leiden Patienten unter starken, anhaltenden Brustschmerzen, die sowohl in die Schulter und den Arm als auch in den Oberbauch ausstrahlen können. Meistens wird ein Herzinfarkt von weiteren Symptomen begleitet, zu denen

  • eine innere Unruhe,
  • erhöhtes Schwitzen (kalter Schweiß),
  • Atemnot,
  • Blässe,
  • Erbrechen oder Übelkeit sowie
  • ein erhöhter Bewegungsdrang

gehören. Häufig wird ein Herzinfarkt mit der sogenannten Brustenge (Angina pectoris) verwechselt. Hierbei handelt es sich jedoch um einen anfallartigen Schmerz in der Brust, der durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Herzens ausgelöst wird. Im Gegensatz zu einem Herzinfarkt scheinen die Schmerzen sich durch Bewegung zu verbessern. Ursache einer Brustenge sind verengte Herzkranzgefäße, die allerdings nicht vollständig verstopft sind.

Ein Herzinfarkt kommt hingegen vollkommen überraschend, sodass Betroffene häufig in Panik geraten. Meistens tritt ein Myokardinfarkt in den frühen Morgenstunden auf. Übrigens erleiden Männer weitaus häufiger einen Herzinfarkt als Frauen. Allerdings sind es überwiegend Frauen, die an einem Myokardinfarkt sterben.

Frauen haben oft untypische Symptome

Frauen sterben häufiger an einem Herzinfarkt als Männer. Das liegt vor allem daran, dass die Symptome nicht ganz eindeutig sind. Oftmals bemerken Frauen die ersten Anzeichen gar nicht. Zu den häufigsten Symptomen zählen:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schmerzen im Schulterbereich
  • Kieferschmerzen
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Atemnot

Ebenso untypische Symptome zeigen sich auch bei Patienten, die an Diabetes mellitus, Demenz oder chronischer Niereninsuffizienz (Nierenversagen) leiden.

Die Diagnose stellt der Arzt

Schnelles Handeln ist bei einem Herzinfarkt besonders wichtig. Deshalb sollten Betroffene oder Ersthelfer sofort den Notarzt alarmieren, um Folgeschäden zu verhindern. Der Arzt kann eine eindeutige Diagnose stellen, indem er den Patienten gründlich untersucht. Oftmals deuten die Symptome bereits auf einen Herzinfarkt hin.

Zu den wichtigsten Untersuchungen zählt das EKG (Elektrokardiogramm), um den Zeitpunkt des Infarktes festzustellen. Zusätzlich misst der Arzt den Blutdruck und den Puls des Patienten.

Sobald diese Untersuchungsmethoden keine eindeutigen Hinweise auf einen Herzinfarkt liefern, ordnet der Arzt einen Bluttest an. Mit dieser Untersuchung bestimmt der Mediziner die sogenannten Infarktmarker, die auf ein Absterben der Herzmuskelzellen hindeuten. Hierzu gehören die beiden Stoffe Troponin und Creatinkinase, die nach einem Herzinfarkt deutlich erhöht sind:

  • Troponin ist ein Protein-Komplex, der nach einem Herzinfarkt freigesetzt wird.
  • Creatinkinase ist hingegen ein Enzym, das für den Energiestoffwechsel des Herzmuskels unerlässlich ist.

Sobald die Untersuchungen eindeutig sind, führt der Arzt eine Herzkatheteruntersuchung durch. Während der Untersuchung verabreicht er ein Kontrastmittel, um sämtliche Herzkranzgefäße auf einem digitalen Bildschirm darzustellen. Auf diese Weise kann der Mediziner das verschlossene Gefäß genau lokalisieren. Zusätzlich helfen ein MRT (Magnetresonanztomografie) und eine Ultraschalluntersuchung, um das Untersuchungsergebnis zu sichern.

Behandlung: Jede Sekunde zählt!

Je eher ein Herzinfarkt diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Die ersten Stunden nach dem Infarkt sind entscheidend, weshalb Familienangehörige und Ersthelfer im Ernstfall erste Hilfe leisten müssen. Hierzu gehört auch die Herzdruckmassage. Diese müssen Ersthelfer so lange durchführen, bis der Notarzt eintrifft.

Im Krankenhaus werden die behandelnden Ärzte versuchen, den Verschluss des Herzkranzgefäßes möglichst schnell zu beseitigen. Zuerst erhalten Patienten einen zentralen Venenkatheter (ZVK), um den Körper mit blutverdünnenden Medikamenten (Heparin, ASS) zu versorgen.

Die Durchblutung des Herzmuskels wird durch eine Ballondilatation wiederhergestellt. Bei diesem Eingriff erweitert der Arzt das verengte Gefäß mit einem Ballonkatheter, indem er einen hauchfeinen Kunststoffschlauch in das Blutgefäß schiebt. Ausgangspunkt ist gewöhnlich die Leiste. Hat der Arzt die verengte Stelle erreicht, befüllt er den Ballon des Katheters mit einem speziellen Kontrastmittel sowie mit Kochsalz. Dadurch kann er das verengte Gefäß erweitern, um einen ungehinderten Blutfluss zu gewährleisten.

Damit das Gefäß nicht noch einmal verstopft, setzt der Arzt einen sogenannten Stent ein. Ein Stent ist eine Gefäßstütze aus Kunststoff oder Edelstahl, die einen erneuten Verschluss verhindert.

Anschlussheilbehandlung nach einem Herzinfarkt

Nach einem Krankenhausaufenthalt folgt meist eine Anschlussheilbehandlung (Reha), damit Patienten nach einem Herzinfarkt leichter in den Alltag zurückfinden. In einer Rehabilitationseinrichtung lernen Patienten mit ihrer Erkrankung umzugehen. Ein Aufenthalt dauert in der Regel drei bis vier Wochen.

Zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen zählt die Bewegungstherapie. Sie umfasst

  • gymnastische Übungen,
  • Radfahren auf dem Ergometer,
  • Schwimmen sowie
  • ein Geh- und Lauftraining.

Die Trainingseinheiten werden mit Entspannungsübungen gezielt kombiniert, um die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels zu verbessern. Eine stressfreie Lebensweise und eine Änderung der Ernährung sind ebenso unabdingbar, um einem erneuten Herzinfarkt vorzubeugen.

Unsere Partner