Posttraumatische Belastungsstörungen

Belastende Ereignisse sind fester Teil des Lebens. Das Wiedererleben durch Bilder, filmartige Sequenzen und Alpträume betrifft viele Menschen. Versuche, nicht mehr an erlebtes zu denken, schlagen oft fehl.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Reaktion auf ein belastendes Ereignis, eine außergewöhnliche Bedrohung oder Extremsituation. Sie tritt verzögert auf und der Auslöser liegt, teilweise länger, in der Vergangenheit. Verursacher sind zum Beispiel Unfälle, Verbrechen, Naturkatastrophen oder kriegerische Auseinandersetzungen. Die Betroffenen erleben erneut ein Gefühl von Angst oder Schutzlosigkeit und erleben ein Gefühl von Hilflosigkeit und Kontrollverlust.

Die belastenden Ereignisse (traumatisierende Erfahrungen) werden in zwei Ausprägungen unterschieden:

  • einmalige traumatische Erfahrungen, wie Unfälle, Naturkatastrophen etc. (Typ-I-Trauma)
  • häufig andauernde oder sich wiederholende traumatische Erlebnisse, wie Folter, Missbrauch und sogenannte durch Menschenhand verursachte Traumata (Typ-II-Traumata)

In der Medizin werden die Bezeichnungen posttraumatische Belastungsstörung, posttraumatisches Belastungssyndrom und posttraumatisches Stresssyndrom nebeneinander verwendet. Das Krankheitsbild wird nach der internationalen Klassifikation ICD-10 den Reaktionen auf Belastungen und Anpassungsstörungen zugeordnet. Posttraumatische Belastungsstörungen können ebenfalls durch Ereignisse entstehen, die andere Menschen erlebt haben. Der neurobiologische Ablauf, der bei einer Belastungsstörung im Gehirn abläuft, ist noch nicht abschließend erforscht.

Welche Symptome treten bei einer posttraumatischen Belastungsstörung auf?

Merkmal einer PTBS ist, dass der Betroffene das erlittene Trauma immer wieder erlebt. Ein Geruch, Geräusch oder ein Bild lassen es erneut aufleben und der Betroffene merkt nicht, dass das von ihm erneut wahrgenommene Ereignis vorüber ist. Kennzeichen ist die Wahrnehmung von Angst und Hilflosigkeit, die während des Traumas geschah. In manchen Fällen kehren die Erinnerungen als Alpträume wieder und zeigen sich in

  • Angstzuständen,
  • Übererregbarkeit und
  • Schlafstörungen.

Andere erleben die Zeit nach einem Trauma als Gefühl einer ständigen Bedrohung. Sie nehmen die Umwelt als unsicher und gefährlich wahr und es entsteht permanenter Stress für Körper und Seele. Die weiteren Konsequenzen sind eine hohe Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit und Konzentrationsstörungen. Der Patient zieht sich zurück, vermeidet soziale Kontakte und besitzt Schuldgefühle.

Viele Betroffene meiden Situationen, die an das Erlebte erinnern könnten und verdrängen ihr Trauma. Dadurch können körperliche Beschwerden auftreten, die zu Schmerzen oder anderen körperlichen Krankheiten führen können. Weitere Leiden sind chronische Müdigkeit oder Magenschmerzen. Hinzu kommen Verdauungsprobleme wie Darmreizungen, Durchfall oder Verstopfung. Teilweise entstehen Essstörungen, Atemschwierigkeiten, Asthma sowie Kopfschmerzen und Muskelverspannungen. In schlimmen Fällen entsteht ein selbstverletzendes Verhalten.

Die Hauptsymptome bei einer posttraumatischen Belastungsstörung sind:

  • Wiedererleben der Ereignisse aus der Vergangenheit,
  • Vermeidung und Verdrängen aller Erinnerungen,
  • Nervosität und Reizbarkeit und
  • die Verbindung von Gefühlen und Interessen.

Um die negativen Gefühle zu übergehen, greifen Betroffene zu Alkohol, Drogen oder Beruhigungsmitteln. Ebenso wächst die Gefahr für einen Suizid. Können Betroffene das erlebte Trauma nicht bewältigen, wirkt sich dies längerfristig auf die eigene Persönlichkeit aus. Betroffene haben ein ständiges Gefühl von Unsicherheit und Bedrohung. Sie begegnen allen Mitmenschen durch Misstrauen und neigen zur sozialen Isolation.

Bei Kindern führt eine PTBS zu Rückschritten in der körperlichen Entwicklung. Kinder werden zum Beispiel wieder zu Bettnässern. Weitere Beschwerden sind Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen.

Was sind die Ursachen für eine Posttraumatische Belastungsstörung?

Eine PTBS hat unterschiedliche Gründe. Sie entsteht als verzögerte Reaktion auf ein traumatisches, belastendes Ereignis. Hierzu gehören beispielsweise Unfälle, Naturkatastrophen, Krieg und Terror, körperliche Gewalt, sexueller Missbrauch oder die belastende Diagnose einer schweren Erkrankung.

Allerdings leidet nicht automatisch jeder Mensch, der eine belastende Situation erlebt hat, unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ein Risikofaktor ist ein niedriges Alter zum Zeitpunkt des Ereignisses. Bedeutend sind Reaktionen der Umwelt auf den Betroffenen. Leichter ist es, wenn die Umwelt mit Verständnis reagiert und akzeptiert, dass etwas Schlimmes vorgefallen ist.

Eine Störung entwickelt sich nicht gleich. Die meisten Menschen reagieren auf ein belastendes Ereignis zunächst mit einem Schock. Die Wahrnehmung ist beeinträchtigt. Betroffene können nicht gleich auf das Geschehene reagieren und fühlen sich wie betäubt. Eine PTBS tritt im Gegensatz zu einer akuten Belastungssituation erst nach einigen Wochen oder mehreren Jahren auf. Wer ein Trauma erlebt hat, muss es in seine eigene Biografie einfügen und seelisch verarbeiten. Geschieht dies nicht, kommt es zum Wiedererleben des Ereignisses. Äußere Reize, wie Geräusche oder Gerüche, machen das Erlebte sofort lebendig. Betroffene versuchen, ihre Erinnerungen zu unterdrücken oder zu unterbrechen. Die Folge ist Furcht und eine große Aufmerksamkeit für Reize sowie falsche Alarmreaktionen, durch die das Erlebte erneut aufkommt.

Posttraumatische Belastungsstörung: Psychotherapie mit Patient und Therapeut
© VadimGuzhva - stock.adobe.com

Behandlung einer PTBS

Die Behandlung einer Belastungsstörung erfolgt durch eine Psychotherapie. Ein Therapeut informiert den Betroffenen genau über das Krankheitsbild. Patienten erhalten die Möglichkeit, sich nach und nach dem traumatischen Erlebnis anzunähern. In einigen Fällen werden sie direkt mit dem Erlebnis konfrontiert. Patienten erlernen gemeinsam mit dem Therapeuten Strategien, durch die das eigentliche Trauma und aufkommende Erinnerungen (Flashbacks) vermieden werden. Daneben können Medikamente unterstützen. Eine Reha sorgt für die Nachsorge und den Einstieg in den Alltag.

Zur Aufarbeitung einer PTBS existieren verschiedene Verfahren. Hierzu zählen

  • die kognitive Verhaltenstherapie,
  • das psychodynamische Verfahren oder
  • das EMDR (Eye Movement Desentization and Reprocessing).

Beim EMDR-Verfahren wird das Gehirn durch Reize stimuliert, was die Erinnerungen an ein traumatisches Erlebnis aufarbeitet. Der Therapeut zeigt zum Beispiel seinen Zeigefinger vor dem Auge des Betroffenen, während dieser sich mit seinem Trauma beschäftigt. Diese rhythmische Stimulation löst im Gehirn bestimmte Prozesse aus.

Patienten benötigen vor allem Unterstützung, um wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Bei vielen müssen das soziale Umfeld, eine Beziehung und die berufliche Perspektive erforscht werden. Eventuell kommt eine Entschädigung infrage, um eine finanzielle Hilfe zu erhalten.

Rehabilitation bei PTBS

Der Aufenthalt in einer Rehaklinik hilft dabei, das Trauma zu überwinden. Patienten lernen, Symptome wie Depression, Schlafprobleme und Angst abzubauen und nehmen nach Ende der Reha-Maßnahme wieder ohne Einschränkung am Alltag teil.

Besondere Fachkliniken haben sich auf die Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen spezialisiert. Betroffene erhalten von Fachärzten, Psychotherapeuten und Psychologen Hilfe, wieder zur Ruhe zu kommen. Sie lernen, das Trauma in kleinen Schritten zu bewältigen und ihr Trauma als normale Schutzreaktion der eigenen Psyche zu akzeptieren.

zuletzt geändert am: 18.08.2020

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