Prostata-Operation

Bei einem chirurgischen Eingriff im Rahmen einer Prostata-OP kommt es nicht bei allen Patienten zu einer vollständigen Entfernung der Prostata. Diese wird hingegen so verkleinert, dass sie nicht mehr auf die Harnröhre und Blase drückt. Zu diesem Zweck kommen kleine Instrumente zum Einsatz, die durch die Harnröhre bis zur Prostata geführt werden. Dort kann dann Gewebe entfernt oder die Harnröhre geweitet werden. Diese Verfahren werden in der Medizin als minimal-invasive Operationen bezeichnet.

Im Gegensatz hierzu findet bei einer offenen Operation ein Einschnitt in der Bauchdecke statt, um die Prostata erreichen und operieren zu können. Dieses Verfahren ist jedoch nur vergleichsweise selten notwendig, beispielsweise, wenn eine starke Vergrößerung der Prostata vorliegt.

Wann ist eine Prostata-OP notwendig?

In der Regel besteht bei Männern, deren Prostata eine gutartige Vergrößerung aufweist, keine dringliche Notwendigkeit, um eine Prostata-Operation durchzuführen. Daher können die meisten Personen in Ruhe die Vor- und Nachteile eines solchen Eingriffs abwägen.

Sich letztlich für eine Operation zu entscheiden, kann verschiedene Gründe haben:

  • sehr belastende Beschwerden, die sich durch konservative Behandlungsmethoden nicht zufriedenstellend lindern lassen
  • wiederkehrende Folgeerkrankungen, beispielsweise Blasensteine oder häufige Entzündungen der Harnwege
  • wenn eine konservative Behandlung mit Medikamenten aus medizinischen Gründen nicht durchgeführt werden kann

In seltenen Fällen kann eine gutartige Vergrößerung der Prostata dazu führen, dass der Betroffene nicht mehr oder nur sehr wenig urinieren kann, da die Harnröhre von der Prostata abgedrückt wird. In diesem Fall ist eine Entleerung der Blase mithilfe eines Katheters notwendig. Im Anschluss hieran ist zudem eine Operation üblich.

Auch bei Prostatakrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Männern, ist eine Operation unausweichlich. Hierbei wird die Prostata mitsamt den beiden Samenbläschen vollständig entfernt. Dieses Verfahren wird als radikale Prostatektomie bezeichnet.

Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung bietet eine Chemotherapie die Möglichkeit, das Tumorwachstum zu bremsen. Eine Heilung durch eine Chemotherapie ist aber nicht möglich, lediglich können bei Patienten mit einem Prostatakarzinom die Lebenszeit verlängert sowie Schmerzen gelindert werden. Da eine solche Behandlung auch mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden ist, muss die Behandlungsform bei Prostatakrebs auf die individuelle Situation des Patienten abgestimmt werden.

Die Prostata befindet sich unterhalb der Harnblase
Die Prostata (gelb markiert) © Alexandr Mitiuc / Fotolia

Welche Verfahren gibt es?

TURP

Die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata – kurz auch TURP genannt - ist das Standard-Operationsverfahren. Bei diesem Eingriff führt der Operateur ein Resektoskop, also ein dünnes Röhrchen, in die Harnröhre ein und schiebt dieses vor bis zur Prostata.

In diesem dünnen Röhrchen befindet sich neben einer kleinen Kamera auch eine elektrische Drahtschlinge. Mithilfe dieser lässt sich das Prostatagewebe mechanisch abtragen. Da die Schlinge gleichzeitig erhitzt wird, können sich die Blutgefäße sehr schnell wieder verschließen. Zudem verfügt das Resektoskop über Ventile, mit deren Hilfe sich das entfernte Gewebe ausspülen lässt.

Eine TURP wird entweder unter ambulanter Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt und dauert rund 90 Minuten. Nach dem erfolgten Eingriff muss der Patient einige Tage lang einen Blasenkatheter tragen und einen Krankenhausaufenthalt von zwei bis sieben Tagen einplanen.

Weitere Verfahren

Neben der TURP gibt es weitere Operationsverfahren, die ebenfalls zu den Standard-Behandlungen zählen und vergleichbare Ergebnisse und Folgen wie eine klassische TURP aufweisen. Hierzu zählen:

  • die transurethrale Vaporesektion (TUVRP)
  • die Plasmakinetische Enukleation der Prostata (PkEP)
  • die transurethrale Elektrovaporisation (TUEVP)

Auch die transurethrale Inzision der Prostata (TUIP) hat sich als Prostata-Operation bewähren können. Hierbei kommt es zu keiner Entfernung von Prostatagewebe, sondern zu einer Entlastung der Harnröhre. Hierzu setzt der Chirurg einen oder mehrere Einschnitte am Übergang zwischen Prostata und Blasenhals. Dadurch lässt sich Raum für die beengte Harnröhre schaffen, was für den Patienten Erleichterung bringt.

Vorteilhaft an diesem Verfahren ist, dass einige Nebenwirkungen seltener zu beobachten sind. Eine TUIP ist jedoch nur für Patienten geeignet, bei denen die Prostata nicht allzu stark vergrößert ist. Zudem kann es vorkommen, dass der Eingriff nach einiger Zeit erneut durchgeführt werden muss.

 

Welche Komplikationen sind möglich?

Vor allem bei einer vollständigen Entfernung der Prostata kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen.

Harninkontinenz

Insbesondere im Verlauf der ersten Monate nach dem operativen Eingriff kann es zu ungewolltem Urinabgang kommen, häufig beim Heben schwerer Lasten, beim Husten oder Nießen.

Erektile Dysfunktion

Da in direkter Umgebung zur Prostata verschiedene Blutgefäße und Nerven liegen, die für eine Erektion notwendig sind, kann es nach einer radikalen Prostatektomie zu Erektionsstörungen bzw. Impotenz kommen. Mögliche Erektionsstörungen nach dem Eingriff lassen sich unter Umständen mithilfe von Medikamenten behandeln.

Unfruchtbarkeit

Eine vollständige Entfernung der Prostata geht in den meisten Fällen mit Unfruchtbarkeit einher. Sollte die Familienplanung noch nicht abgeschlossen sein, sollte man vor dem Eingriff in Erwägung ziehen, Spermien einfrieren zu lassen.

Trockener Samenerguss

Eine retrograde Ejakulation, also ein trockener Samenerguss, ist eine häufige Nebenwirkung, die nach einer TURP auftreten kann. Die Samenflüssigkeit wird hierbei während des Ergusses nicht nach außen, sondern in die Harnblase abgegeben. Dieser Vorgang ist nicht gesundheitsschädlich und hat keine Auswirkungen auf einen befriedigenden Orgasmus, beeinträchtigt aber die Fruchtbarkeit.

TUR-Syndrom

Ein TUR-Syndrom kann von einer TURP ausgelöst werden. Hierbei leidet der Patient unter vorübergehender Verwirrtheit, Übelkeit oder Erbrechen. Vergleichsweise selten - in Studien waren etwa zwei bis drei Prozent der operierten Personen betroffen - kann es durch das TUR-Syndrom zu Herz-Kreislauf-Problemen kommen.

Reha nach der Behandlung

Grundsätzlich kann eine Regeneration nach einer radikalen Prostatektomie unter professioneller Anleitung schneller erfolgen. Eine solche Anleitung ist entweder ambulant oder stationär möglich. Die Kosten hierfür werden von den Kostenträgern übernommen. Wenn der Betroffene eine stationäre Rehabilitation wünscht, kann diese etwa am dritten Tag nach der Prostata-Operation im Krankenhaus organisiert werden. Mit den Reha-Maßnahmen kann einige Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus begonnen werden. In der Regel dauert die Reha etwa drei Wochen.

Sollte der Patient nach dem operativen Eingriff unter Harninkontinenz leiden, können gezielte Maßnahmen dabei helfen, die Muskulatur im Beckenboden, die durch die Operation beeinträchtigt wurde, zu stärken. Mithilfe solcher Beckenbodengymnastik für Männer lässt sich die Kontrolle über die Blasenfunktion schneller wieder erlangen.

Die Wiedererlangung einer vollständigen Harn-Kontinenz ist ein wesentlicher Punkt bei der Rehabilitation. Entsprechende Maßnahmen können auch ambulant in einer physiotherapeutischen Praxis erfolgen, die auf diese Form der Rehabilitation geschult ist.

 

Artikel vom Expertengremium Reha lektoriert, 18.06.2018

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