Schädel-Hirn-Trauma

Ein Sturz, bei dem der Kopf mit besonders großer Heftigkeit aufschlägt, genügt, um das hier im Zentrum stehende Schädel-Hirn-Trauma auszulösen. Sei es nun Eis und Schnee im Winter oder ein frisch gewischter Fußboden im Haus: Zu einem Fall mit zum Teil fatalen Folgen kann es schnell kommen. Doch was passiert bei einem Schädel-Hirn-Trauma eigentlich genau? Wie wird es diagnostiziert und welche Maßnahmen der Behandlung und Reha haben sich als erfolgreich bewährt? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie in den folgenden Absätzen.

Schädel-Hirn-Trauma: Begriffsklärung

Schlägt der Kopf mit viel Kraft gegen ein hartes Objekt, so lautet die Diagnose rasch Schädel-Hirn-Trauma. Verursacht werden kann dieses beispielsweise durch klassische Stürze, Unfälle und Sportverletzungen. Unter dem aus dem Griechischen stammenden Begriff 'Trauma' versteht man eine Wunde bzw. Verletzung. Ausgelöst wird sie durch äußere Kraft- bzw. Gewalteinwirkung.

Das Schädel-Hirn-Trauma wird in Abgrenzung zu am Kopf befindlichen offenen Platzwunden sowie Schädelfrakturen gesehen. Handelt es sich um ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, so wird in der Umgangssprache häufig der Begriff 'Gehirnerschütterung' verwendet.

Da der Schweregrad eines Schädel-Hirn-Traumas oftmals nur durch eine genaue Beobachtung ermittelt werden kann, erfolgt bei ungeklärten Fällen eine Einweisung ins Krankenhaus. Auf diese Weise kann das medizinische Fachpersonal bei eventuellen Komplikationen wie Hirnblutungen rasch und gezielt eingreifen. Mit Blick auf die Tatsache, dass ein schweres Schädel-Hirn-Trauma bei rund einem Viertel der Betroffenen zum Tod führen kann, handelt es sich hier um eine nachvollziehbare Maßnahme.

Diagnose von Schädel-Hirn-Traumen mithilfe der Glasgow-Koma-Skala

Um die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas, kurz SHT genannt, bestimmen und benennen zu können, greifen Mediziner auf die sogenannte Glasgow-Koma-Skala (GCS) zurück. Auf den Punkt gebracht dient sie der Beschreibung der Bewusstseinslage eines Patienten. Dabei entscheidet das Ergebnis über die einzuleitenden Maßnahmen.

Für die Bewertung ausschlaggebend sind die drei Kategorien

  1. Augenöffnung,
  2. beste motorische Reaktion und
  3. beste verbale Reaktion.

In jeder Rubrik werden Punkte verteilt, die das Ausmaß der normalen Funktionsweise beschreiben. Die jeweiligen Ergebnisse werden zusammengefasst und zur Bestimmung des Schweregrades des Schädel-Hirn-Traumas eingesetzt. Je höher die Punktanzahl, desto geringer ist die Bewusstseinsstörung.

Zusammengefasst spricht man von einem leichten Schädel-Hirn-Trauma, wenn die nach GCS ermittelte Punktanzahl zwischen 15 und 13 liegt. Die GCS-Einstufung 12 bis 9 hingegen bezeichnet ein mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma, während ein schweres SHT auf der GCS-Skala zwischen 8 und 3 rangiert. Besser verständlich wird dieses Schema, wenn man sich den jeweiligen Zustand des Patienten einmal etwas genauer ansieht. So beschreibt beispielsweise die niedrigste Zahl 3 ein tiefes Koma. Die Zahl 15 hingegen belegt, dass der Patient bei vollem Bewusstsein ist.

Symptome unter Berücksichtigung des jeweiligen Schweregrades eines Schädel-Hirn-Traumas

Die Anzeichen, die auf ein erlittenes Schädel-Hirn-Trauma verweisen, variieren je nach Schweregrad. Neben den bereits genannten Symptomen, die den jeweiligen Bewusstseinsstand beschreiben, leiden die Betroffenen an unterschiedlichen Beschwerden. Wie diese im Einzelnen beschaffen sind, hängt in erster Linie von dem genauen Ort sowie dem Schweregrad der Verletzung ab.

Auch in Bezug auf den Zeitpunkt, an dem die Symptome auftreten, gibt es Schwankungen. Entsprechend kann es zu sogenannten Spätfolgen kommen, die erst einige Tage nach dem eigentlichen Unfall ersichtlich werden. Dies ist einer der Hauptgründe, warum bei ungeklärten Fällen eine Einweisung ins Krankenhaus empfohlen wird. Erfolgt diese nicht und entwickeln die Betroffenen nach dem Unfall einschlägige Krankheitszeichen, so sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Zu den typischen Symptomen eines Schädel-Hirn-Traumas zählen unter anderem

  • Müdigkeit,
  • Übelkeit,
  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel,
  • Erbrechen,
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen,
  • Sprachschwierigkeiten,
  • offene Wunden am Kopf sowie, in besonders schweren Fällen,
  • Bewusstlosigkeit,
  • Lähmungen und
  • epileptische Anfälle.

Unterteilung in 'geschlossene' und 'offene' Schädel-Hirn-Traumen

Um den Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen, ist eine möglichst genaue Einordnung der Hirnverletzung erforderlich. Dazu gehört auch die Unterscheidung zwischen einem sogenannten 'geschlossenen' und einem 'offenen' Schädel-Hirn-Trauma. Bei Letzterem besteht ein besonders hohes Infektionsrisiko, da sowohl Luft als auch potentiell schädliche Fremdkörper in die Schädelhöhle gelangen können. Gefährdet sind neben dem Hirn selbst auch der Schädelknochen und die Hirnhäute. Das geschlossene Schädel-Hirn-Trauma birgt dahingehend keinerlei Risiken, da eine Öffnung des Schädelknochens ausbleibt.

Schwere innere Verletzungen, die bei beiden Formen des Schädel-Hirn-Traumas auftreten und durch einen besonders harten Aufprall verursacht werden können, sind Risse der Nervenfasern, Gehirnblutungen sowie Brüche des Schädelknochens.

Zur Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas werden bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie und Computertomographie genutzt. Zu sehen hier sind MRT-Aufnahmen vom Kopf.
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Abklärung, Behandlung und Prognose

Abgesehen von der bereits beschriebenen Abklärung am Unfallort sind weitere medizinische Untersuchungen von Patienten mit einer Hirnverletzung erforderlich. Diese reichen von einem grundlegenden physischen Check-up über eine gezielte neurologische Untersuchung bis hin zu bildgebenden Tests des Hirns und des Kopfes, im Fachjargon Magnetresonanztomographie und Computertomographie genannt.

Leidet der Verletzte an starken Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit, so ist eine Überwachung im Krankenhaus erforderlich. Schwerere Verletzungen, die Hirnblutungen oder das Risiko einer Hirneinklemmung mit sich bringen, bedürfen eines umgehenden operativen Eingriffes. Eine OP ist zumeist auch der notwendige Schritt, wenn es nach einigen Tagen zu Komplikationen wie beispielsweise Hirnschwellungen kommt, die bei mangelnder Behandlung in bleibenden Hirnschäden resultieren können.

Die Behandlung eines leichten Schädel-Hirn-Traumas beschränkt sich oftmals nur auf viel Ruhe und Schlaf. Darüber hinaus sollte auf sportliche Aktivitäten sowie sonstige physische Anstrengungen verzichtet werden.

Die Prognose bei einer einfachen Gehirnerschütterung ist ausgesprochen gut. In der Regel erholen sich die Betroffenen vollständig. Mittelschwere und schwere Hirnverletzungen können jedoch zu anhaltenden Beschwerden führen. Auch hier stehen Ausmaß und Art der verbleibenden Störungen in direktem Zusammenhang mit dem Bereich des Hirns, der verletzt wurde. Epileptische Anfälle, Halbseitenlähmungen sowie Gedächtnis-, Seh-, Bewusstseins-, Sprach- und Verhaltensstörungen sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.

Reha nach der Behandlung von Hirnverletzungen

In der Akutphase lassen sich nur schwer eindeutige Prognosen zum weiteren Krankheitsverlauf sowie zu Folgeschäden treffen. Diesbezügliche Klarheit verspricht vor allem ein Reha-Aufenthalt im Anschluss an die Therapie. Ein Ziel der Reha besteht darin, Sekundärschäden, die durch die lange Bettlägerigkeit der Betroffenen entstehen können, zu verhindern.

Im Rahmen einer gezielten Rehabilitation von Schädel-Hirn-Trauma-Patienten wird der Fokus unter anderem auf den Erhalt bzw. die Wiederherstellung der physischen Beweglichkeit gerichtet. Um Gelenkversteifungen zu vermeiden, werden ergo- und physiotherapeutische Maßnahmen eingeleitet. Ergänzt werden diese im Bedarfsfall um Schluck-, Sprach- sowie neuropsychologische Therapien.

Eine psychologische Betreuung wird erforderlich, wenn die Patienten Ängste vor einem erneuten Sturz oder Unfall und daraus resultierend ein entsprechendes Vermeidungsverhalten entwickeln. Bei Sportlern kann dieses beispielsweise dazu führen, dass sie ihrer Leidenschaft in Zukunft nicht mehr nachgehen und folglich in Bezug auf Lebensqualität und Lebensfreude erhebliche Einbußen in Kauf nehmen. Der Aufbau von derart krankhaften Ängsten kann unter anderem durch therapeutische Gespräche sowie das Erlernen von Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken verhindert werden.

Abschließende Anmerkungen zu potentiellen vorbeugenden Maßnahmen

Unfällen, an denen mehrere Verkehrsteilnehmer beteiligt sind, lässt sich nur schwer vorbeugen. Das Schlimmste verhindern können Sie jedoch oftmals, wenn Sie bereits kleine Schutzvorkehrungen treffen. Als Fahrradfahrer bedeutet dies beispielsweise das unbedingte Tragen eines Helmes. Auch beim Sport gibt es zahlreiche Möglichkeiten, darunter Schutzkleidung sowie ergänzende Ausrüstungsgegenstände.

zuletzt geändert am: 11.06.2019

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