Fibromyalgie

Die Fibromyalgie (dt. Faser-Muskel-Schmerz) ist ein Symptomkomplex, welcher durch chronische Schmerzen sowie anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung gekennzeichnet ist. Dementsprechend wird sie als  Fibromyalgiesyndrom bezeichnet. In der internationalen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation ist das Fibromyalgiesyndrom als „sonstige Erkrankung des Weichteilgewebes“ (ICD-10-Code M79.7) aufgeführt.

Ursachen

Die aktuelle Studienlage erlaubt keine eindeutigen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Ursache und Entstehung des Fibromyalgiesyndroms. Nach jetzigem Kenntnisstand entsteht es durch Veränderungen im zentralen und peripheren Nervensystem hin. Diese beeinträchtigen die nervale Schmerzwahrnehmung und gehen daher mit einer gesteigerten Schmerzempfindung einher. Möglich sind insbesondere:

  • veränderte zentralnervöse Botenstoffe (Neurotransmitter)
  • Beeinträchtigungen des sympathischen Nervensystems
  • Veränderungen der kleinen Nervenfasern (Kleinfaserpathologie)

Bislang ist allerdings nicht klar, ob diese Veränderungen Ursache oder Folge einer Fibromyalgie sind.

Risikofaktoren

Bei der Entstehung dieser Veränderungen spielen wahrscheinlich auch genetische Faktoren eine Rolle. Es besteht ein erhöhtes Risiko, wenn Ihre Eltern oder Verwandte 1. Grades an einer Fibromyalgie leiden. Ein spezifisches, für die Erkrankung verantwortliches Gen konnte bisher aber nicht identifiziert werden. Daneben diskutieren Mediziner äußere Risikoindikatoren wie biologische und psychosoziale Faktoren. Zu diesen gehören unter anderem das Vorliegen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, Übergewicht, Rauchen, mangelnde Bewegung sowie Stress am Arbeitsplatz und sexueller/körperlicher Missbrauch.

Charakteristische Beschwerden

Die Fibromyalgie zeichnet sich durch mehr als drei Monate bestehende, chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen aus. Die charakteristischen Schmerzorte befinden sich dabei im Bereich der Wirbelsäule (Nacken, Brustkorb oder Kreuz), in der rechten und linken Körperhälfte sowie ober- und unterhalb der Taille. Zusätzlich liegen Ein- und Durchschlafstörungen sowie eine erhöhte körperliche und psychische Erschöpfung vor. Neben diesen drei Kernsymptomen treten in vielen Fällen folgende Beschwerden auf:

  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm, Gerüche und Kälte
  • psychosomatische Beschwerden wie Nervosität, innere Unruhe, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Herzrasen und Atemprobleme
  • körperliche Beschwerden im Bereich von Magen, Darm und Harnwegen
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • neuropathische Schmerzen wie Taubheit und Parästhesien

Diagnose

Die Fibromyalgie stellt Ihr Hausarzt anhand einer Anamnese des charakteristischen Symptomkomplexes sowie einer körperlichen Untersuchung fest. Bei der körperlichen Untersuchung übt Ihr Arzt mit seinem Daumen auf 18 sogenannte Tenderpoints Druck aus. Tenderpoints sind Druck- bzw. Triggerpunkte im Bereich des Übergangs von Muskeln zu Sehnen. Bei einer Fibromyalgie verspüren Sie bei mindestens 11 dieser Tenderpoints Schmerzen. Daher wird die Fibromyalgie auch als Tendomyopathie bezeichnet. Zudem schließt Ihr Arzt durch zusätzliche Blutuntersuchungen mögliche körperliche Erkrankungen als Ursache für Ihre Beschwerden aus.

Am Körper einer Frau sind die 18 Tenderpoints schematisch dargestellt. Zur Diagnose übt der Arzt mit dem Daumen Druck auf die Triggerpunkte aus. Wenn bei 11 oder mehr Tenderpoints Schmerzen verspürt werden, kann von einer Fibromyalgie ausgegangen werden.
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Behandlung

Da die Fibromyalgie ein von Person zu Person sehr unterschiedliches Beschwerdebild verursachen kann, muss die Behandlung individuell angepasst werden. Die Auswahl der einzelnen Behandlungsmaßnahmen treffen Sie gemeinsam mit Ihrem Hausarzt. Diese richtet sich nicht nur nach der Wirksamkeit, den Risiken und Ihrem Beschwerdebild, sondern auch nach Ihren spezifischen Vorlieben (u. a. medikamentöse, psychologische oder alternative Behandlungen). Prinzipiell findet in Abhängigkeit von der jeweils vorliegenden Verlaufsform eine abgestufte Behandlung statt.

Behandlung leichter Verlaufsformen

Bei leichten Verläufen genügen oftmals regelmäßige sportliche Aktivitäten wie ein niedrig dosiertes Ausdauertraining (Fahrradfahren, Walking, Schwimmen und/oder Aquajogging). Hierbei streben Sie schrittweise ein zwei- bis dreimaliges Training pro Woche (30 bis 40 Minuten) an.

Behandlung schwerer Verlaufsformen

Bei schweren Formen wird Ihnen Ihr Arzt neben einem Ausdauertraining zusätzliche körperbezogene Behandlungsmaßnahmen sowie eine vorübergehende medikamentöse und multimodale Behandlung empfehlen. Die körperbezogenen Maßnahmen umfassen Wasser- und Trockengymnastik, Funktionstraining, ein niedrig dosiertes Krafttraining sowie meditative Bewegungstherapien wie Tai Chi, Qi-Gong oder Yoga.

Medikamentöse Behandlung

Zeitlich begrenzt kommen gegebenenfalls Medikamente zur Anwendung. Diese sind abhängig vom jeweils vorliegenden Beschwerdebild. Bei depressiven Störungen oder allgemeinen Angststörungen können die Antidepressiva Amitriptylin (10 bis 50 Milligramm pro Tag) oder Duloxetin (60 Milligramm pro Tag) behilflich sein. Alternativ können auch Pregabalin, Quetiapin oder die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin und Paroxetin eingenommen werden. Paracetamol und Opioide wie Tramadol können Ihre Schmerzen lindern. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Glukokortikoide oder nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sind dagegen wirkungslos, da bei einer Fibromyalgie keine Entzündungsprozesse vorliegen. Schlafmittel wie Benzodiazepine oder Zolpidem fördern den Schlaf und reduzieren so Schlafstörungen. Sie wirken zudem entspannend auf die Muskulatur. Pflanzliche Wirkstoffe können zur Reduzierung einzelner Beschwerden beitragen. So hilft beispielsweise Johanniskraut bei Verstimmungen, Ballaststoffe und Pfefferminze bei einem Reizdarmsyndrom. Schmerzlindernd wirken zudem Mädesüß sowie Weidenrinde.

Die multimodale Behandlung (Rehabilitation)

Bei ausgeprägten Beeinträchtigungen im Lebensalltag sowie starken seelischen Begleitbeschwerden kommt eine multimodale Behandlung infrage. Die multimodale Behandlung kombiniert körperbezogene und physikalische Maßnahmen mit einem Entspannungstraining sowie einer psychotherapeutischen und/oder medikamentösen Behandlung der seelischen Symptome. Eine multimodale Behandlung können Sie in einer Schmerzklinik oder Rehabilitationsklinik durchführen. Im Rahmen einer Rehabilitation erlernen Sie, wie Sie besser mit ihren Beschwerden leben und so Ihre Lebensqualität steigern können. Sie erlernen Verfahren und Methoden, die Sie regelmäßig in Eigenregie durchführen können (= Selbstmanagement). Zu den spezifischen Maßnahmen gehören:

  • umfassende Patientenschulung (Aufklärung über das Fibromyalgiesyndrom sowie über Ihre Therapieoptionen)
  • Beratung und Trainingssteuerung (Ausdauertraining)
  • Erlernen psychologischer Techniken in Einzel- oder Gruppentherapie
  • kognitiv-verhaltenstherapeutische Schmerztherapie (Erkennen und Ersetzen ungünstiger Gedanken und Gefühle durch positive, Erlernen von Entspannungsübungen und angemessenen Verhaltensweisen)
  • Hypnose und geleitete Imagination (Erlernen eines autogenen Trainings)
  • psychotherapeutische und psychopharmakologische Behandlung seelischer Begleitsymptome (Einstellung von Medikamenten und Behandlungsempfehlungen durch entsprechenden Facharzt)
  • physikalische Maßnahmen wie Ganzkörperwärmetherapie (Thermalbäder)

Was können Sie selbst tun?

Sie können Ihren Behandlungsprozess unterstützen, indem Sie ein Symptomtagebuch anlegen. In diesem halten Sie fest, welche Therapiemaßnahme zu welchen positiven und negativen Effekten führt. Konzentrieren Sie sich bei Medikamenten in den ersten beiden Wochen auf die Nebenwirkungen. Die Wirksamkeit können Sie dagegen erst nach vier Wochen beurteilen. Den Nutzen psychologischer Therapien bewerten Sie erst nach etwa drei bis sechs Monaten.

zuletzt geändert am: 12.06.2019

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