Fibromyalgie

Die Fibromyalgie (dt. Faser-Muskel-Schmerz) ist ein Symptomkomplex, welcher durch chronische Schmerzen sowie anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung gekennzeichnet ist. Dementsprechend wird sie als  Fibromyalgiesyndrom bezeichnet. In der internationalen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation ist das Fibromyalgiesyndrom als „sonstige Erkrankung des Weichteilgewebes“ (ICD-10-Code M79.7) aufgeführt.

Ursachen

Die aktuelle Studienlage erlaubt keine eindeutigen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Ursache und Entstehung des Fibromyalgiesyndroms. Nach jetzigem Kenntnisstand entsteht es durch Veränderungen im zentralen und peripheren Nervensystem. Diese beeinträchtigen die Schmerzwahrnehmung der Nerven und gehen daher mit einer gesteigerten Schmerzempfindung einher. Die Btroffenen nehmen auch Reize, die für Gesunde nicht schmerzhaft wären, als Schmerzen wahr. Mögliche Gründe dafür sind:

  • Biochemische Störungen: veränderte Botenstoffe (Neurotransmitter) wie z. B. Serotonin, Glutamat, Dopamin
  • Neurologische Störungen: Veränderungen der kleinen Nervenfasern (Kleinfaserpathologie)

Bislang ist allerdings nicht klar, ob diese Veränderungen Ursache oder Folge einer Fibromyalgie sind.

Risikofaktoren

Bei der Entstehung einer Fibromyalgie spielen wahrscheinlich auch genetische Faktoren eine Rolle. Es besteht ein erhöhtes Risiko, wenn Eltern oder Verwandte 1. Grades an einer Fibromyalgie leiden. Ein spezifisches, für die Erkrankung verantwortliches Gen konnte bisher aber nicht identifiziert werden. Besonders hoch ist das Risiko, an Fibromyalgie zu erkranken, im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Auch das weibliche Geschlecht stellt einen Risikofaktor dar, weil 80% der Erkrankten Frauen sind.

Daneben diskutieren Mediziner:innen äußere Risikoindikatoren wie biologische und psychosoziale Faktoren. Zu diesen gehören unter anderem das Vorliegen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, Übergewicht, Rauchen und mangelnde Bewegung. Auch Stress am Arbeitsplatz oder im Alltag sowie sexueller/körperlicher Missbrauch und damit einhergehende Traumata könnten im Zusammenhang mit dem Fibromyalgiesyndrom stehen.

Manchmal kommt es zu einer sogenannten sekundären Fibromyalgie. In diesem Fall tritt die Fibromyalgie im Rahmen einer anderen Erkrankung auf. Krankheiten, die Fibromyalgie begünstigen, sind beispielsweise:

  • rheumatische Erkrankungen
  • Infektionserkrankungen
  • Tumorerkrankungen
  • Störungen des Hormonhaushalts

Charakteristische Beschwerden

Die Fibromyalgie zeichnet sich durch mehr als drei Monate bestehende, chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen aus. Die charakteristischen Schmerzorte befinden sich dabei

  • im Bereich der Wirbelsäule (Nacken, Brustkorb oder Kreuz),
  • in der rechten und linken Körperhälfte sowie
  • ober- und unterhalb der Taille.

Häufig beginnen die Schmerzen am Rücken und breiten sich in Richtung der Extremitäten aus. Der Schmerz tritt besonders stark an Muskeln und in der Region um Gelenke auf.

Zusätzlich liegen Ein- und Durchschlafstörungen sowie eine erhöhte körperliche und psychische Erschöpfung vor.

Neben diesen drei Kernsymptomen treten in vielen Fällen folgende Beschwerden zusätzlich auf:

  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm, Gerüche und Kälte
  • psychosomatische Beschwerden wie Nervosität, innere Unruhe, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen, Herzrasen und Atemprobleme
  • körperliche Beschwerden im Bereich von Magen, Darm und Harnwegen (z. B. einem frühem Sättigungsgefühl oder Blasenentleerungsstörungen)
  • Menstruationsbeschwerden
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • neuropathische Schmerzen wie Taubheit

Verlauf

Meistens treten die ersten Beschwerden im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Die Symptome verlaufen meist schubweise. Phasen mit stärkeren Symptomen und Phasen mit leichteren Symptomen wechseln sich ab. Zwar ist die Erkrankung bislang nicht heilbar, durch eine gute medizinische Betreuung können die Beschwerden allerdings gelindert werden. Die Lebenserwartung der Betroffenen unterscheidet sich nicht von der Lebenswartung gesunder Personen.

Diagnose

Die Fibromyalgie stellt Ihr Hausarzt / Ihre Hausärztin anhand einer Anamnese des charakteristischen Symptomkomplexes sowie einer körperlichen Untersuchung fest. Bei der körperlichen Untersuchung wird mit dem Daumen auf 18 sogenannte Tenderpoints Druck ausgeübt. Tenderpoints sind Druck- bzw. Triggerpunkte im Bereich des Übergangs von Muskeln zu Sehnen. Bei einer Fibromyalgie verspüren Sie bei mindestens 11 dieser Tenderpoints Schmerzen. Daher wird die Fibromyalgie auch als Tendomyopathie bezeichnet. Laborwerte können nicht mit Sicherheit bestätigen, ob eine Fibromyalgie vorliegt. Trotzdem können zusätzliche Blutuntersuchungen sinnvoll sein, um andere mögliche Erkrankungen als Ursache für die Beschwerden auszuschließen.

Am Körper einer Frau sind die 18 Tenderpoints schematisch dargestellt. Zur Diagnose übt der Arzt mit dem Daumen Druck auf die Triggerpunkte aus. Wenn bei 11 oder mehr Tenderpoints Schmerzen verspürt werden, kann von einer Fibromyalgie ausgegangen werden.
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Therapie

Da die Fibromyalgie ein von Person zu Person sehr unterschiedliches Beschwerdebild verursachen kann, muss die Behandlung individuell angepasst werden. Die Auswahl der Behandlungsmaßnahmen treffen die Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit den Betroffenen. Die Therapie richtet sich nicht nur nach der Wirksamkeit, den Risiken und dem Beschwerdebild. Auch die persönlichen Präferenzen der Betroffenen müssen berücksichtigt werden (u. a. medikamentöse, psychologische oder alternative Behandlungen). Prinzipiell findet in Abhängigkeit von der jeweils vorliegenden Verlaufsform eine abgestufte Therapie statt.

Behandlung leichter Verlaufsformen

Bei leichten Verläufen genügen oftmals regelmäßige sportliche Aktivitäten wie z. B. ein moderates Ausdauertraining (Fahrradfahren, Walking, Schwimmen und/oder Aquajogging). Hierbei sollte schrittweise ein zwei- bis dreimaliges Training pro Woche (jeweils 30 bis 40 Minuten) stattfinden.

Behandlung schwerer Verlaufsformen

Bei schweren Formen wird die Ärztin oder der Arzt neben einem Ausdauertraining weitere körperbezogene Maßnahmen sowie eine vorübergehende Behandlung mit Medikamenten empfehlen.

Körperbezogene Therapie

Die körperbezogenen Maßnahmen umfassen Wasser- und Trockengymnastik, Funktionstraining, ein niedrig dosiertes Krafttraining sowie meditative Bewegungstherapien wie Tai Chi, Qi-Gong oder Yoga. Auch Gehen, Nordic-Walking, Tanzen und Fahrradfahren können vom Fibromyalgiesyndrom Betroffenen eine Schmerzlinderung bringen. Wichtig ist, dass die sportlichen Aktivitäten langsam begonnen werden sollten. Die Steigerung der Trainingsintensität kann über mehrere Woche erfolgen.

Da die chronischen Schmerzen auch einen ausgeprägten Einfluss auf das seelische Befinden haben können, kann eine Psychotherapie in Erwägung gezogen werden.

Medikamentöse Therapie

Zeitlich begrenzt können Medikamente zur Anwendung kommen. Diese sind abhängig vom jeweils vorliegenden Beschwerdebild. Bei depressiven Störungen oder allgemeinen Angststörungen können die Antidepressiva Amitriptylin (10 bis 50 Milligramm pro Tag) oder Duloxetin (60 Milligramm pro Tag) behilflich sein. Als alternative Medikamente können auch Pregabalin, Quetiapin oder die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin und Paroxetin verordnet werden. Die Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol und Opioide wie Tramadol können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die Wirkung von Schmerzmitteln ist bei Patient:innen mit Fibromyalgie vermindert, deren Einsatz daher weniger hilfreich. Schlafmittel wie Benzodiazepine oder Zolpidem fördern den Schlaf und reduzieren so Schlafstörungen. Sie wirken zudem entspannend auf die Muskulatur. Eine mögliche körperliche wie psychische Abhängigkeit aufgrund der Medikamente muss aber berücksichtigt werden.

Pflanzliche Wirkstoffe können zur Reduzierung einzelner Beschwerden beitragen. So hilft beispielsweise Johanniskraut bei Verstimmungen, Ballaststoffe und Pfefferminze bei einem Reizdarmsyndrom. Schmerzlindernd wirken zudem Mädesüß sowie Weidenrinde.

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Glukokortikoide oder nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sind dagegen wirkungslos, da bei einer Fibromyalgie keine Entzündungsprozesse vorliegen.

Welcher Arzt oder welche Ärztin ist bei Fibromyalgie zuständig?

Da Betroffene an unterschiedlichen Symptomen leiden, durchlaufen sie oftmals verschiedene Fachrichtungen, bevor sie eine sichere Diagnose erhalten. In den Fachbereichen Allgemeinmedizin, Orthopädie, Rheumatologie oder Neurologie können die Betroffenen spezifische Hilfe erhalten. Da es sich um eine komplexe Erkrankung handelt, kann es sinnvoll sein, einen Arzt oder eine Ärztin der genannten Fachbereiche zu suchen, der oder die sich auf Fibromyalgie spezialisiert hat. Bei Bedarf überweist der Arzt oder die Ärztin dann an einen anderen Fachbereich wie beispielsweise Anästhesie, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Augenheilkunde, um andere Erkrankungen auszuschließen oder diese mitbehandeln zu lassen.

Die multimodale Behandlung (Rehabilitation)

Bei ausgeprägten Beeinträchtigungen im Lebensalltag sowie starken seelischen Begleitbeschwerden kommt eine multimodale Behandlung infrage. Die multimodale Behandlung kombiniert körperbezogene und physikalische Maßnahmen mit einem Entspannungstraining sowie einer psychotherapeutischen und/oder medikamentösen Behandlung der seelischen Symptome. Eine multimodale Behandlung können Sie in einer Schmerzklinik oder Rehabilitationsklinik durchführen. Im Rahmen einer Rehabilitation erlernen Sie, wie Sie besser mit ihren Beschwerden leben und so Ihre Lebensqualität steigern können. Sie erlernen Verfahren und Methoden, die Sie regelmäßig in Eigenregie durchführen können (= Selbstmanagement). Zu den spezifischen Maßnahmen gehören:

  • umfassende Patientenschulung (Aufklärung über das Fibromyalgiesyndrom sowie über Ihre Therapieoptionen)
  • Beratung und Trainingssteuerung (Ausdauertraining)
  • Erlernen psychologischer Techniken in Einzel- oder Gruppentherapie
  • kognitiv-verhaltenstherapeutische Schmerztherapie (Erkennen und Ersetzen ungünstiger Gedanken und Gefühle durch positive, Erlernen von Entspannungsübungen und angemessenen Verhaltensweisen)
  • Hypnose und geleitete Imagination (Erlernen eines autogenen Trainings)
  • psychotherapeutische und psychopharmakologische Therapie seelischer Begleitsymptome (Einstellung von Medikamenten und Behandlungsempfehlungen durch entsprechenden Facharzt)
  • physikalische Maßnahmen wie Ganzkörperwärmetherapie (Thermalbäder)

Was können Sie selbst tun?

Sie können Ihren Behandlungsprozess unterstützen, indem Sie ein Symptomtagebuch anlegen. In diesem halten Sie fest, welche Therapiemaßnahme zu welchen positiven und negativen Effekten führt. Konzentrieren Sie sich bei Medikamenten in den ersten beiden Wochen auf die Nebenwirkungen. Die Wirksamkeit können Sie dagegen erst nach vier Wochen beurteilen. Den Nutzen psychologischer Therapien bewerten Sie erst nach etwa drei bis sechs Monaten.

Eine Umstellung der Ernährung kann helfen, die Schmerzen erträglicher werden zu lassen. Betroffene sollten möglichst auf eine ausgewogene, mehrheitlich pflanzliche Ernährung achten, da diese entzündungshemmend wirkt. Idealerweise sollte die Ernährung aus rund drei Vierteln Gemüse bestehen. Gesunde Öle, Eier, Nüsse und Fisch sollte dem Verzehr von Fleisch vorgezogen werden. Im Rahmen einer entzündungshemmenden Ernährung ist es empfehlenswert, Milch und Kuhmilchprodukte sowie Zucker und Weizen zu meiden.

Auch Heilfasten kann helfen, die Schmerzen zu verringern, da es den Selbstreinigungsprozess der Zellen anregt. Gleiches gilt für regelmäßige Fastentage.

zuletzt geändert am: 05.11.2021

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