Skoliose

Bei Skoliose handelt es sich um eine seitliche Verbiegung oder Verkrümmung der Wirbelsäule, wobei die Wirbelkörper dreidimensional verdreht und verbogen sind. Gleichzeitig rotiert die Wirbelsäule um die Längsachse. Brust- und Lendenwirbelsäule können ebenso betroffen sein wie die Übergangsbereiche zwischen verschiedenen Wirbelarten. Dabei kann sich die Wirbelsäule nach links (linkskonkav) oder rechts (rechtskonkav) verbiegen.

Angeborene oder erworbene Skoliose

Die Medizin unterscheidet eine angeborene Skoliose unbekannter Ursache (ideopathisch) von einer durch Verschleiß oder Krankheit erworbenen Skoliose (symptomatisch oder sekundär). Im letzteren Fall wird eine Skoliose nicht selten begleitet, verstärkt oder ausgelöst durch andere Erkrankungen der Wirbelsäule sowie Arthrose oder Osteoporose (Knochenschwund). Auch durch Unfall bedingte Brüche der Wirbelkörper, Muskelschwund oder ausgeprägter Mangel an Bewegung lösen gelegentlich eine Skoliose aus.

Eine erworbene Skoliose kann in jedem Alter auftreten, eine angeborene macht sich meist kurz vor der Pubertät oder bei einem pubertären Wachstumsschub bemerkbar. Die Ursachen für eine ideopathische Skoliose sind bislang unbekannt, Forscher vermuten hormonelle Ursachen ebenso wie genetische Vorbelastung.

Eine unbehandelte Skoliose gleich welcher Art bildet sich nicht von alleine zurück und muss in jedem Fall behandelt werden. Bleibt die Behandlung aus, verschlimmert sich der Befund, die Wirbelsäulenverkrümmung wird stärker und kann zu massiven Atemproblemen führen.

Symptome einer Skoliose an Rücken und Schultern sowie Rippen und Becken

Die Symptome einer Skoliose sind vielfältig und sowohl sichtbarer als auch unsichtbarer Natur. In leichteren Fällen fällt die Rückgratverkrümmung kaum auf, in schwereren sind die anatomischen Verformungen deutlich sichtbar. Das Ausmaß der Symptome hängt von Schwere und Art der Skoliose ab und kann sich von Patient zu Patient stark unterscheiden. Deutlich sichtbar sind

  • unterschiedlich tief hängende Schultern,
  • ein schiefer Rücken,
  • schief stehendes Becken sowie
  • herausragendes Schulterblatt.

Die Rippen können einseitig in eine erhöhte Position rutschen oder die Muskeln im Lendenbereich als Wulst hervortreten. Auch eine einseitige Beinverkürzung ist als Symptom möglich.

Die sichtbaren Veränderungen zeigen sich in der Regel nicht auf einmal, sondern schleichend und schrittweise mit fortschreitender Skoliose. Im Verlauf der Erkrankung hat der Patient immer größere Schwierigkeiten, den Rücken gerade zu halten und nimmt beim Sitzen, Laufen und Stehen eine gekrümmte Haltung ein. Hinzu kommen das Gefühl von Taubheit oder Lähmung in den Gliedmaßen sowie starke Rückenschmerzen. Diese Schmerzen treten als Folge von Bewegung ebenso in Erscheinung wie durch einen eingeklemmten Nerv. Beobachten lässt sich bei zunehmend ausgeprägter Skoliose eine Störung der Reflexe.

Röntgenaufnahme des Rückens bei einem Jugendlichen mit Skoliose.
Skoliose bei einem jugendlichen Patienten © Choo / Fotolioa

Cobb-Winkel als Maß für den Schweregrad einer Skoliose

Gegen die Verformungen und Verdrehungen der Wirbel und Wirbelkörper bei einer Skoliose kommt die Muskulatur des Rumpfes im Verlauf der Krankheit immer weniger an. Die Wirbelsäule bildet mehrere einander gegenläufige Bögen, die sich gegenseitig kompensieren und so das Körpergleichgewicht aufrecht erhalten. Dabei entwickelt die Wirbelsäule eine S-Form.

Der Cobb-Winkel (nach dem US-amerikanischen Orthopäden und Chirurgen John Robert Cobb) oder Krümmungswinkel dient als Maß für die Beurteilung der Skoliose. Anhand des auf dem Röntgenbild erkennbaren Cobb-Winkels ordnet der behandelnde Arzt den Befund einer leichten, mittelschweren oder schweren Skoliose zu.

Bei einer leichten Skoliose beträgt der Krümmungswinkel 10 bis 40 Grad, eine orthopädische Versorgung ist allerdings in der Regel erst ab einem Krümmungswinkel von 20 Grad angezeigt. Krankengymnastik ist bei einer leichteren Skoliose die wichtigste Form der Therapie.

Liegt der Krümmungswinkel zwischen 40 und 50 Grad, spricht die Medizin von einer mittelschweren Skoliose. Bereits bei einem Cobb-Winkel von mehr als 25 Grad ist je nach Einzelfall die Versorgung mit einem Korsett angezeigt.

Bei einer Krümmung von mehr als 50 Grad spricht der Facharzt von einer schweren Skoliose. Spätestens ab diesem Befund kann eine Operation unumgänglich werden. Ziel einer Skoliose-OP ist es eine sich verstärkende Wirbelsäulenverkrümmung zu stoppen und eine zunehmende Schiefstellung des Rückens zu verhindern.

Von Physiotherapie und Krankengymnastik bis zu Korsett und Operation

Den Symptomen einer Skoliose lässt sich in leichteren Fällen oder im Anfangsstadium durch Selbsthilfe-Maßnahmen wie Besuch einer Rückenschule oder Physiotherapie entgegen wirken. Im Verlauf einer Skoliose wird Krankengymnastik zum ständigen Begleiter des Patienten, wobei sich vor allem die Skoliose-Gymnastik nach Katharina Schroth zur Stärkung der Rumpfmuskulatur bewährt. Bei jeder Therapie hängt die Wirksamkeit der verschiedenen Behandlungsmethoden vom Alter des Patienten ebenso ab wie von Art und Schweregrad der Verkrümmung. Gerade bei Kindern, aber auch je nach Befund bei Erwachsenen, lenkt ein Korsett die Entwicklung der Wirbelsäule in die gewünschte Richtung.

Medikamente zur Behandlung von Skoliose sind nicht bekannt. Schmerzmittel wie Ibuprofen verschaffen Linderung im Rahmen einer gezielten Schmerztherapie, in schweren Fällen mit sehr starken Schmerzen greift der behandelnde Arzt auf die Gabe von Opioiden wie Tramadol zurück.

Unbehandelt verschlimmert sich eine Skoliose, was sich mit zunehmendem Alter durch immer stärkere Schmerzen und Atemnot infolge der fortschreitenden Verkrümmung bemerkbar macht. Letzte mögliche Maßnahme ist die Skoliose-OP, wobei die gekrümmte Wirbelsäule durch Stäbe oder Schrauben versteift wird. Die meisten Fälle von Skoliose lassen sich allerdings konservativ mit Hilfe von Physiotherapie und je nach Befund einem Korsett behandeln und eine OP erfolgt meist nur in schweren Fällen.

Zwei Frauen machen unter Anleitung einer Trainering Rückentraining bzw. Krankengymnastik mit einem Medizinball.
© Picture-Factory / Fotolia

Reha bei Skoliose als Heilverfahren (HV) oder Anschlussbehandlung (AHB)

Eine Reha bei Skoliose für Kinder und Erwachsene ist entweder als Heilverfahren (HV) ohne vorherigen Krankenhausaufenthalt oder als Anschlussheilbehandlung (AHB) nach einem Krankenhausaufenthalt, zum Beispiel wegen einer Wirbelsäulenoperation, möglich. In beiden Fällen muss der behandelnde Arzt die Notwendigkeit einer Reha schriftlich feststellen. Der Arzt prüft zudem je nach individuellen Vorgaben, ob die Krankenkasse (gesetzlich oder privat) oder die Rentenversicherung als Träger in Frage kommt. Dabei hat eine AHB unmittelbar im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt oder spätestens 14 Tage nach der Entlassung zu erfolgen.

Voraussetzung sind medizinische Notwendigkeit und eine positive Prognose für den Erfolg der Reha bei einer Skoliose. Die Reha dauert in der Regel drei Wochen und erfolgt in einem orthopädischen Rehabilitationszentrum der Wahl mit Schwerpunkt Skoliose. Physiotherapie, Einübung bestimmter Atemtechniken und Stärkung der Muskulatur stehen dabei im Vordergrund. Eine Skoliose-Reha empfiehlt sich für Kinder ebenso wie für Heranwachsende sowie Erwachsene.

In Deutschland gibt es verschiedene Reha-Zentren, die sich auf Skoliose-Patienten spezialisiert haben und entsprechende Programme anbieten. Den Antrag können Sie bei jedem Sozialleistungsträger stellen, Ihr Hausarzt unterstützt Sie dabei. Je nach Einzelfall und Befund erfolgt die Skoliose-Reha stationär oder ambulant.

Artikel vom Expertengremium Reha lektoriert, 18.06.2018

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