Zählkontrollen im OP

Jede Nadel zählt

Unbeabsichtigt im OP-Gebiet belassene Fremdkörper sind ein anhaltendes Risiko für die Patientensicherheit. Bislang nur eine Empfehlung, gehört das Zählen von Tupfern, Instrumentarium und Co mitt lerweile zum Risikomanagement vieler Kliniken. Eine Statistik zur Häufigkeit des unbeabsichtigten Belassens von Fremdkörpern im operierten Patienten liegt für Deutschland nicht vor. Auf der Grundlage international veröffentlichter Studien sterben in Deutschland nach einer Schätzung aber ca. 600 bis 700 Patienten wegen im Körper vergessener Tupfer und anderer Operationsmaterialien. Insgesamt verbleiben in Deutschland schätzungsweise jährlich bis zu 3.000 Fremdkörper wie Tupfer und Bauchtücher nach einem Eingriff unbeabsichtigt im Körper von Patienten. Diese Zahlen zeigen, dass der Empfehlung Zählkontrollen durchzuführen, unbedingt nachgegangen werden sollte.

Zählkontrollen gehören seit jeher zum Standard der OP-Abteilung unserer Klinik und sind fester Bestandteil des Team-Time-Outs. Diese Vorgehensweise soll das unbeabsichtigte Belassen von Fremdkörpern im OP-Gebiet verhindern und damit maßgeblich zur Erhöhung der Patientensicherheit beitragen. Damit ist unsere Klinik den Empfehlungen des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. nachgekommen. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) hat im Jahr 2010 „Jeder Tupfer zählt! – Handlungsempfehlungen zur Vermeidung unbeabsichtigt belassener Fremdkörper im OP-Gebiet“ herausgegeben (www.aktionsbuendnispatientensicherheit.de).

Die praktischen Empfehlungen für den Ablauf und die Durchführung umfassen die Ausgestaltung von Zählkontrollen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Im Zuge der präoperativen Zählkontrolle sollen zum Einsatz kommende Instrumente und Materialien bekannt sein, gezählt und dokumentiert werden. Die intraoperative Zählkontrolle zielt darauf, dass alle Instrumente und Materialien bekannt, gezählt und dokumentiert werden, die anlässlich des chirurgischen Eingriffes zusätzlich angereicht werden. Die postoperative Zählkontrolle hat zum Ziel, dass der Patient den Ort des chirurgischen Eingriffes ausschließlich mit Fremdkörpern verlässt, die beabsichtigt in ihn eingebracht wurden.

Eine große Herausforderung für das OP-Team bestand in einer strukturierten Zählkontrolle von Nadeln und Nadel-Faden-Kombinationen. In der Herzchirurgie werden zum Teil über 150 Nadeln und Nadel-Faden-Kombinationen pro Operation benötigt. Dies lässt darauf schließen, dass sich der Überblick und die Durchführung einer Zählkontrolle schon wegen der hohen Anzahl und dem daraus resultierenden Zeitaufwand schwierig gestalten können. Die Befürchtung war, dass durch das Zählen der Nadeln und Nadel-Faden-Kombinationen eine Verlängerung der Operationszeit eintritt.

Die Vorgaben des Leitfadens der Qualitätsdimension Patientensicherheit von Qualitätskliniken.de (vom 22.07.2014) veranlassten uns, die Thematik noch einmal aufzugreifen. Ohne große Zeitverzögerung und mit wenig Aufwand eine ordnungsgemäße Zählkontrolle der Nadeln und Nadel-Faden-Kombinationen durchzuführen und eine ausreichende Akzeptanz unter allen Berufsgruppen zu erreichen, waren die Ziele.

Es wurden Nadelboxen mit Magneten und nummerierten Einstichkissen angeschafft und eine Strichliste zum Überblick über angereichte Nadeln und Nadel-Faden-Kombinationen erstellt. Das KIS sowie das OP-Pflegeprotokoll wurden um diese Punkte entsprechend ergänzt. Gezählt wird wie gewohnt nach dem 4-Augen-Prinzip und das Ergebnis wird im OP-Pflegeprotokoll sowie im KIS dokumentiert. Im Rahmen des Team-Time-Outs erfragt der Operateur das Ergebnis der Zählkontrolle. Nach jeder offiziellen Zählkontrolle wird der Operateur über das Ergebnis informiert. Jedes Teammitglied muss Zweifel laut und deutlich aussprechen. Bei Diskrepanzen in einer Zählkontrolle wird die Prozedur nach Möglichkeit gestoppt und eine systematische Revision des Wundgebietes (ggf. unter Einsatz des Röntgengerätes) durchgeführt.

Aus der heutigen Erfahrung lässt sich sagen, dass eine strukturierte Zählkontrolle die OP-Zeiten nicht wesentlich verlängert. Mit den Nadelboxen wurde nicht nur mehr Übersicht geschaffen, das Risiko eines Patientenschadens durch eine im Körper verloren gegangene Nadel wurde stark minimiert.

Bei einer Diskrepanz zwischen angereichten und gezählten Nadeln können rechtzeitig geeignete Maßnahmen zum Wiederauffinden der Nadel eingeleitet werden. Bei einem Personalwechsel unter der Operation kann eine ordnungsgemäße Übergabe erfolgen. Die Kriterien des 4QD - Leitfadens zum Thema Zählkontrollen konnten in vollem Maße umgesetzt werden.

Zuletzt geändert am: 15.03.2019

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Autor

Christine Wenzel
Leiterin OP-Pflege und Zentrale Sterilgut-Versorgungsabteilung
Sana-Herzzentrum Cottbus GmbH

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