Von der CIRS-Meldung zur Organisationsoptimierung

Ein Projekt zur Verbesserung des Trachealkanülenmanagements in der Neurologischen Klinik Bad Neustadt

Abbildung1: Ursachenanalyse mit Ishikawa

Fragestellung
Dysphagien sind häufig (> 70 %) ein Symptom bei Patienten der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation. Sie bergen ein hohes Risiko für eine Aspiration. Aspirationspneumonien und weitere schwere Komplikationen können die Folge sein. Die Versorgung mit einer Trachealkanüle stellt oft eine lebensnotwendige Maßnahme dar. Eine besondere Herausforderung ist die Phase der Entwöhnung und Dekanülierung.

Das Trachealkanülenmanagement stellt hohe Anforderungen an das interdisziplinäre Team. Die Komplexität liegt in:

  • sehr arbeitsteiligen und kommunikationsintensiven Prozessen,
  • einer hohen Anforderung an Spezialisierung und Qualifikation der Mitarbeiter und
  • einer hohen Anzahl beteiligter Personen, z. B. Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Angehörige.

Eine Häufung von CIRS-Meldungen zum Thema „Trachealkanülenmanagement“ und Diskussionen auf Station führten zur Analyse von Qualitätsindikatoren und wiesen auf einen Handlungsbedarf hin. QM-Beauftragte und Chefarzt setzten daraufhin 2016 eine interdisziplinäre Projektgruppe ein, die durch die Klinikleitung beauftragt wurde.

Methoden
Anhand des Ursache-Wirkungs-Diagramms erfolgte die strukturierte Erfassung der vermuteten Schwachstellen. Nach Priorisierung wurden die Themen in Arbeitspaketen (AP) gebündelt und Projektmitgliedern zugewiesen:

  • Hausstandards und Verfahrensanweisungen
  • Behandlungsexpertise
  • Interdisziplinäre Kommunikation
  • Sichere Arbeitsumgebung für Trachealkanülenwechsel
  • Personalstruktur und -organisation
  • Prozess- und Ergebnismessung
  • Sichere Sitzplatzumgebung
Abbildung2: Platzierung der Patienten an Esstischen nach Dysphagiestatus
Abbildung3: Aufkleber auf Therapiekarte zur Info über Unterstützungsbedarf und Getränkeform

Ergebnisse
Mensch und Kommunikation

  • Benennung von festen Ansprechpartnern auf Station mit entsprechender Expertise für Fragen des Kanülen-/Dysphagiemanagements
  • Harmonisierung aller Verfahrensanweisungen und Checklisten zum Thema Dysphagie
  • Einführung einer Hospitati onspfl icht für neue Ärzte auf der Station für Frührehabilitation mit Einweisung in das Kanülen-/Dysphagiemanagement
  • Einrichtung eines Fortbildungssets mit allen im Haus gebräuchlichen Trachealkanülen

Struktur und Organisation

  • Neuanordnung der Esstische zur Gruppierung der Dysphagiepatienten zu den Mahlzeiten
  • Einführung von Aufklebern, die alle Beteiligten über den Status der Dysphagie informieren
  • Einführung von dysphagiebezogenen Pflegekennzeichen im KIS
  • Anschaffung von Trachealkanülen-Wagen mit festgelegten Inhalten
  • Einführung eines kriteriengeleiteten Entblockungsund Dekanülierungsmanagements mit Dysphagie-Visite
  • Anpassung des Personaleinsatzes in Bezug auf die Essensbegleitung

Schlussfolgerungen
Als Bausteine des klinischen Risikomanagements können sowohl qualitative Instrumente (z. B. CIRS) als auch quantitative Instrumente (z. B. Auswertung von Indikatoren) auf Problematiken der sicheren Patientenversorgung hinweisen. Das Ursache-Wirkungs-Diagramm (Ishikawa) ist eine geeignete Methode zur Analyse und bewährt sich besonders bei komplexen Zusammenhängen. Ein Erfolgsfaktor für die Wirksamkeit von Maßnahmen ist die Kombination aus verbindlichen Festlegungen, strukturellen Änderungen und Verbesserung der sicheren Informationsweitergabe.

Die Überprüfung der entsprechenden Qualitätsindikatoren wird 6 Monate nach Abschluss des Projektes erfolgen.

Zuletzt geändert am: 14.03.2019

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Autor

Karin Meier
Qualitätsmanagementbeauftragte
Neurologische Klinik Bad Neustadt
Campus Bad Neustadt

Autor

Dr. med. Volker Ziegler
Chefarzt der neurologischen-neurochirurgischen Frührehabilitation
Neurologische Klinik Bad Neustadt
Campus Bad Neustadt

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