Reifegrades des Qualitäts- und Risikomanagementsystems

am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Abbildung1: Die vier untersuchten Qualitätskriterien

Die Einführung der Diagnosis Related Groups (DRG) in Deutschland ab dem Jahr 2003 führte zu einer deutlichen Zunahme des ökonomischen Drucks in den Krankenhäusern. Selbstverständlich darf diese Ökonomisierung in der Medizin die Qualität der Patientenversorgung und der Patientensicherheit nicht negativ beeinträchtigen.

Seit vielen Jahren sind sowohl Krankenhäuser als auch alle anderen Leistungserbringer im Gesundheitswesen verpflichtet, an einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der Qualitätssicherung (QS) teilzunehmen und ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement (QM) einzuführen und weiterzuentwickeln (vgl. §135a SGB V). Mit dem Inkrafttreten des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) am 1. Januar 2016 und der QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im November 2016 kommt ein in das QM-System integriertes Risikomanagement (RM)-System hinzu. Qualitäts- und Risikomanagement (QRM) in Krankenhäusern sind nicht nur gesetzlich gefordert, sondern führen maßgeblich zu einer optimierten patienten- und ablauforientierten Krankenversorgung mit dem primären Ziel einer größtmöglichen Patientensicherheit.

Durch unterschiedliche differenzierte Vergütungsanreize, wie beispielsweise die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren, soll die Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen nachhaltig gesteigert und weiterentwickelt werden. Zur Messung werden Indikatoren der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität sowie der Patientenzufriedenheit herangezogen. Diese neue gesetzliche Weichenstellung sollte als Chance für alle Krankenhäuser und in besonderem Maß für Universitätskliniken gelten, weil diese – zusätzlich zu Forschung, Lehre und Ausbildung – die hochwertige medizinische Versorgung schwerstkranker Patienten vornehmen.

Hierzu sind das Vorhandensein eines umfassenden Qualitäts- und Risikomanagementsystems sowie einer zukunftsfähigen Unternehmensstrategie wesentliche Bausteine.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist das zweitgrößte Universitätsklinikum Deutschlands mit 13.000 Mitarbeitern, 2.500 Betten und über 100.000 stationären sowie über 300.000 ambulanten Patienten pro Jahr, verteilt auf die beiden Standorte Kiel und Lübeck. Zur Evaluation der Reifegrade des QRM-Systems am UKSH wurde ein strukturiertes Analysetool entwickelt, das einfach und effizient anzuwenden ist.

Vier Qualitätskriterien – Qualitätssicherung (QS), Critical Incident Reporting System (CIRS), Beschwerdemanagement (BM) und Prozessmanagement (PM) – wurden mittels eines strukturierten Fragebogens zur Eigen- und Fremdbewertung an den beiden Standorten des UKSH analysiert. (Abbildung 1) Jedes Qualitätskriterium wiederum wurde in vier Kategorien von A (voll implementiert) bis D (nicht implementiert) eingeteilt.

Zunächst fand eine Fremdbewertung durch das zentrale QRM und im Anschluss die Eigenbewertung der insgesamt 46 befragten Kliniken zu den jeweiligen vier Qualitätskriterien statt. Unstimmigkeiten zwischen Eigen- und Fremdbewertungen wurden in einem kollegialen Dialog gelöst. Letztendlich resultierte aus den erhobenen Daten eine Gesamtreifegradbeurteilung pro Klinik.

Abbildung2: Verteilung der Reifegrade in 46 Kliniken von A bis D

Der Gesamtreifegrad A wurde von 3 der 46 Kliniken (6,5%) erzielt. Keine Klinik erhielt die Gesamtreifegradbeurteilung D. 50% aller Kliniken erreichten Reifegrad B und 43,5% Reifegrad C.

Die Verteilung der unterschiedlichen vier Qualitätskriterien zeigte insgesamt eine gute Implementierung des Beschwerdemanagements auf (Reifegrade A und B mit 78,3%), während bei CIRS ein hoher Anteil der Reifegrade C und D (73,9%) vorlag. QS und PM wiesen eine sehr ähnliche Verteilung auf mit den Reifegradbeurteilungen B und C (87% QS; 91% PM) (Abbildung 2).

Durch das strukturierte Analysetool sind sowohl die Gesamtreifegrade des QRM-Systems an 46 Kliniken des UKSH als auch detailliert die Reifegrade vier wesentlicher Qualitätskriterien (QS, CIRS, BM, PM) erhoben worden. In der Konsequenz wurde ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Verbesserung des QRM-Systems, vor allem im Bereich des CIRS, eingeleitet.

Zukünftig werden die Reifegrade im 2 Jahresrhythmus reevaluiert. Dieses qualitative Reifegradmodell ermöglicht auf einfache und effiziente Weise, präzise Aussagen bezüglich des Vorhandenseins, der Ausprägung und der Weiterentwicklung des Qualitäts- und Risikomanagements zu generieren.

Zuletzt geändert am: 14.03.2019

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Autor

Prof. Dr. Dr. Rainer Petzina, MaHM
Ärztliche Leitung Qualitäts- und Risikomanagement und Patientensicherheit
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

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