Rauchfreies Krankenhaus

Implementierung in das AMEOS Netz Sachsen-Anhalt

Im Hinblick auf die Tatsache, dass jährlich über 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens und ca. 3.300 Menschen durch Passivrauchen in Deutschland sterben, ist es sinnvoll ein stärkeres Bewusstsein für das Risiko Rauchen zu schaffen und Wege aus der Nikotinsucht aufzuzeigen. Das Krankenhaus ist ein Ort, an dem Gesundheit und Krankheit zu erleben ist. Patienten sollen dort genesen und gleichzeitig zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise befähigt werden. Viele Raucher legen im Krankenhaus freiwillig einen Rauchstopp ein. Dauerhaft rauchfrei zu werden, gelingt stark abhängigen Rauchern jedoch häufig nicht ohne eine motivierende Unterstützung.

Krankenhausträger und andere Arbeitgeber sind heute in Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes verpflichtet für rauchfreie Arbeitsstätten zu sorgen. Aufgabe der  Krankenhäuser sollte es auch sein, Raucher bei der Tabakentwöhnung aktiv zu unterstützen. Dies gilt für Patienten wie auch für die Mitarbeitenden in den Einrichtungen. Dafür ist es erforderlich, die Mitarbeitenden zum Erhalt und Stärkung ihrer Gesundheit zu sensibilisieren. Ein wichtiger Erfolgsfaktor auf dem Weg hin zu einem rauchfreien Krankenhaus ist das Engagement der Krankenhausdirektion verbunden mit einer Vorbildfunktion der Institution und der dort Beschäftigten. Dies spiegelt sich in den Standards des Deutschen Netzes Raucherfeier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen e.V. (DNRfK) wieder.

Die Umsetzung der „Global Standards“ ist als Ziel in den offiziellen Dokumenten unserer Klinika verankert. „Für unsere Patienten und Bürger der Region stellen wir uns weiterhin den Aufgaben, den Nichtraucherschutz umzusetzen.“ lautet ein Ausschnitt aus den Leitlinien von AMEOS. Das war der erste Schritt in Richtung „Rauchfreies Krankenhaus“. Als nächster Schritt besteht in der Qualifizierung der Mitarbeitenden ein weiterer Erfolgsfaktor, denn sie müssen theoretisch und praktisch darauf vorbereitet werden, Raucher anzusprechen und zum „Rauchstopp“ zu beraten. Dabei steht das Krankenhaus im Spannungsfeld des offensichtlichen Wiederspruchs (Thema: Glaubwürdigkeit), wenn bei einer Beratung und Behandlung dieser Sucht innerhalb des Klinikums gleichzeitig Zigaretten verkauft werden, Rauchgelegenheiten im Gebäude bestehen und dadurch eine Passivrauchbelastung bedingt ist. Erschwerend für die Beratung ist auch, wenn dann der beratende Mitarbeitende selbst Tabak konsumiert.

Daher wurden zunächst Änderungen an den Strukturen innerhalb des Krankenhauses vorgenommen, indem der Verkauf von Zigaretten innerhalb des Klinikums eingestellt wurde. Die Außenanlagen wurden zudem bis auf wenige gekennzeichnete Raucherflächen (Raucherpavillon) als rauchfreie Zonen deklariert. Die Patienten und Angehörigen werden zudem durch Informationstafeln und Informationsbroschüren auf das „Rauchfreie Krankenhaus“ hingewiesen und anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31.05. des Jahres über wichtige aktuelle Themen zusätzlich informiert. Als weiterer Bestandteil des Netzwerkes wurde das Projekt „astra plus“ im AMEOS Institut Ost „Albert Schweitzer“ Aschersleben eingeführt. Bei dem astra Programm werden Auszubildende in Pflegeberufen nachweisbar unterstützt, nicht mit dem Rauchen anzufangen bzw. rauchfrei zu werden. Ziel ist es, mit Beteiligten in Schulen und Praxis diese Rahmenbedingungen zu reflektieren und gemeinsame Maßnahmen zu entwickeln, um langfristig eine Trendwende und Professionalisierung zu erreichen. Die Unterstützung erfolgt durch Schule und Praxis. Es sollen dabei zielgerichtete Präventions- und Interventionsmaßnahmen zur Förderung der Rauchfreiheit geschaffen werden sowie eine Förderung der eigenen Stresskompetenzen. Evidenzbasierte Interventionen erfolgen auch in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern mit nachfolgender Evaluierung der Maßnahmen.

Viele der bisher umgesetzten Maßnahmen werden an weiteren Standorten und auf die Region AMEOS Ost ausgeweitet. Damit kreiert die AMEOS Gruppe ein Netzwerk, welches auch als Basis für weitere Gesundheitsprojekte genutzt werden kann und ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.

Aus diesem Grund wurde die AMEOS OST Region der Rauchfreien Krankenhäuser und des astra Projektes 2016 als Modellprojekt durch das Sozialministerium in Sachsen-Anhalt berufen.

Jährlich finden Workshops mit Führungskräften der Region AMEOS Ost und Vertretern des Deutschen Netzwerkes Rauchfreier Krankenhäuser statt, in dem die Arbeit und aktuelle Projekte vorgestellt werden.

Die Schwerpunkte im Rahmen der bisherigen Umsetzung

  • Schaffung eines rauchfreien Krankenhauses mit Beratung und Unterstützung zum Rauchstopp
  • Schulung des Personals und Ausbildung qualifizierter Mitarbeiter zur Tabakentwöhnung
  • konsequente Umsetzung des Nichtraucherschutzes entsprechend der Arbeitsstättenverordnung
  • Förderung des Nichtrauchers
  • Prävention und Reduktion des Tabakkonsums bei Schülern des AMEOS Institut Ost „Albert Schweitzer“ Aschersleben (astra-Projekt)
  • Aufbau eines Netzwerkes in der Region AMEOS Ost

Bisheriger Zeitrahmen

Die Einführung des rauchfreien Krankenhauses begann in den AMEOS Klinika Aschersleben und Staßfurt im September 2006. Bereits 2007 wurde das Bronze-Zertifikat erworben und 2014 erfolgte nach Umstrukturierungen die Re-Zertifizierung. Als nächste Schritte sind die Antragsstellung auf das Zertifikat „Silber“ und damit weitere Umstrukturierungen sowie die weitere Umsetzung in der Region geplant.

Dipl.-Med. Olaf Haberecht, Oberarzt und FA für Innere Medizin/Arzt für Sportmedizin Cardiovaskulärer Präventivmediziner der DGPR und zusätzlich Koordinator rauchfreies und gesundheitsförderndes Krankenhaus, AMEOS Klinikum Aschersleben, 21.09.2018

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