Optimierung ärztliche Gesprächsführung

Jede ärztliche Behandlung, insbesondere die mit onkologischen Patienten, setzt eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung voraus. Der Patient befindet sich nach der Diagnosemitteilung, aber auch im Therapieverlauf, beispielsweise bei einem Rezidiv oder einem Progress der Krebserkrankung, häufig in einem existentiellen emotionalen Zustand, in dem er neben der notwendigen medizinischen Behandlung auch auf emotionale Unterstützung angewiesen ist. Grundlage hierfür ist die Kommunikation zwischen Patient, Arzt und Angehörigen.

Das Arzt-Patienten-Gespräch ist primär eine genuin ärztliche Tätigkeit. Diese rückt jedoch durch sich ständig ändernde, äußere strukturelle Gegebenheiten wie immer kürzer werdende stationäre Verweildauern, Hightech-Medizin und Zunahme von administrativen Aufgaben immer mehr in den Hintergrund. Von den gravierenden Folgen sind sowohl Patienten als auch Ärzte betroffen: Patienten sind verunsichert, unzufrieden, fühlen sich mit ihren Ängsten und Sorgen alleine gelassen. Angehörige interagieren in einer der Behandlung nicht förderlichen Art und Weise, sind vorwürflich oder unzufrieden. Die Folge kann eine negative Compliance im Hinblick auf Therapiemaßnahmen sein. Aber auch Ärzte sind durch die Abeitsbedingungen, die ihnen oft nicht ermöglichen, ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden, belastet. Sie versuchen sowohl der ständigen Rationierung von Zeit und Ressourcen als auch dem innovativen Druck des medizinischen Fortschrittes gerecht zu werden. Eigene emotionale Belastung im Umgang mit Tumorerkrankungen, Tod und Sterben drohen dabei keinen Raum zu bekommen, werden in der Folge oft verdrängt oder tabuisiert.

In den AWMF S3-Leitlinien Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung (AWMF-Registriernummer 128-001 OL) ist festgelegt, dass alle an der Behandlung von Patienten Beteiligten ihre kommunikativen Kompetenzen durch geeignete Fortbildungsmaßnahmen schulen und weiter entwickeln sollen.

Arbeitsbedingungen passen oft nicht zu den Ansprüchen der Ärzte

Das Arzt-Patienten-Gespräch ist primär eine genuin ärztliche Tätigkeit und Grundlage einer vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung. Die Verbesserung der Kommunikation ist sowohl für den Patienten als auch für den Arzt hilfreich.

Diese Vorgabe der S3-Leitlinie Palliativmedizin hat am Klinikum Esslingen, einem Krankenhaus der Zentralversorgung, zur Entwicklung eines Pilotprojekts geführt. In der ärztlichen Gesprächsführung bieten hochqualifizierte Dozenten (Oberärzte und Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) für die unterschiedlichen onkologischen Zentren des Klinikums Esslingen (Darm-Zentrum, Lungen-Zentrum, Pankreas-Zentrum, Mamma-Zentrum, Zentrum für gynäkologische Tumorerkrankungen, Onkologisches Zentrum) ein Seminar der ärztlichen Gesprächsführung an. Insgesamt 10 Teilnehmer (je ein Oberarzt und Assistenzarzt aus fünf Kliniken) nehmen über fünf Termine à 4 Stunden an dem Seminar teil. Folgende Themen wurden dabei behandelt:

  • Diagnosemitteilung
  • der schwierige Patient und seine Angehörigen
  • der suizidale Patient
  • die palliative Situati on
  • Besprechung eigener Fälle
Arzt-Patienten-Gespräch

Methodisch wird zunächst durch einen Theorieteil in die Thematik eingeführt. Anhand von ausgearbeiteten Rollenspielen oder eigenen Fällen der Teilnehmer wird dann ein Arzt-Patienten-Gespräch durchgeführt und mit einer Videokamera aufgezeichnet. Nach einer kurzen Feedback-Runde im Hinblick auf das Rollenspiel wird anschließend das Video in der Gruppe gemeinsam analysiert. Besonderer Wert wird hierbei nicht nur auf Gesprächstechniken gelegt, sondern insbesondere auch auf die emotionalen Empfindungen der Teilnehmer. Eine vertrauensvolle Atmosphäre innerhalb der Gruppe wird durch vorher festgelegte Gruppenregeln gewährleistet.

Nach dem ersten komplett durchgeführten Seminar zeigten sich die Seminarteilnehmer sehr zufrieden, insbesondere die Mischung aus Theorie und Praxis wurde als sehr hilfreich erlebt. Dabei wurden die Videoaufzeichnungen der Arzt-Patienten-Gespräche mit anschließender Analyse in der Gruppe als ausgesprochen hilfreich bewertet, nachdem eine anfängliche Scheu und Skepsis gegenüber diesem Medium überwunden war. Die Teilnahme sowohl von Oberärzten als auch von Assistenzärzten erwies sich ebenfalls als sinnvoll, da hierdurch das Gefühl des Behandlungsteams gestärkt wurde.

Neben der Vermittlung von spezifischen Gesprächsführungskompetenzen ist dabei auch besonders hervorzuheben, dass sich die Teilnehmer durch den kollegialen Austausch sehr entlastet fühlten, so dass der Kurs letztendlich auch der Psychohygiene der einzelnen Teilnehmer dient. Daher ist eine Fortf ührung des Seminars am Klinikum Esslingen geplant.

Zuletzt geändert am: 13.03.2019

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