Implementierung eines umfassenden Konzeptes zur naturheilkundlichen/komplementären Pflege in der Psychiatrie

Naturheilkundliche Pflegemethoden können die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten erhöhen und erfreuen sich insbesondere in der Pflege von chronisch kranken Menschen, bei Palliativ- und Schmerzpatienten und in der psychiatrischen Pflege immer größerer Beliebtheit.

Im AMEOS Klinikum Dr. Heines Bremen haben naturheilkundliche Pflegeanwendungen mitt lerweile schon eine längere Tradition. Durch das Projekt „Implementierung eines umfassenden Konzeptes naturheilkundlicher/komplementärer Pflegemethoden“ setzte AMEOS nun ein Zeichen, um die Pflege in ihrer „face-to-face“- Profession durch praktisches Handwerkszeug zu unterstützen. Der Fokus wird dabei durch den Ansatz der Selbstfürsorge klar auf das Empowerment der Patientinnen und Patienten gelegt. Die Pflegearbeitet hier also präventiv und verhilft den Patientinnen und Patienten zu einer gesünderen Lebensführung, setzt aber naturheilkundliche Methoden auch z. B. in akuten psychischen Krisensituationen ein. Das ganzheitliche Konzept orientiert sich dabei inhaltlich an den fünf Säulen der Naturheilkunde und enthält Bausteine wie Heiltees, Aromamassagen, Bachblütentherapie, Eutonie, Akupunkturanwendungen, Qi-Gong, Achtsamkeitstrainings, Veggy-Days und vieles mehr. Die Besonderheit ist dabei eine vielfache Einbeziehung von Ressourcen aus dem Krankenhausgelände wie z. B. durch eigene Kräuter, selbstangebaute Speisen, Gartenakti vitäten oder Naturreize.

Der Park und die Außenanlagen des AMEOS Klinikums Dr. Heines Bremen sind schon seit ca. 250 Jahren ein Ort der Erholung und von je her Teil der Behandlung von Menschen mit seelischen Erkrankungen. Pati enten und Bewohner finden Ruhe und Entspannung u.a. auf den Entspannungsliegen auf den Wiesen, die umsäumt sind von Bäumen und Sträuchern. Gärtner pflegen z.T. unter Einbezug von Bewohnern der Eingliederungseinrichtung (ebenfalls auf dem Krankenhausgelände angesiedelt) das Areal und setzen hier die Anregungen der Öko AG in Bezug auf Ökologie und Umwelt um. Auf dem Areal werden u.a. Obstwiesen, Gemüse, Kräuter und Blumen angebaut. Der Garten verfügt über Abschnitte, in denen Patienten und Bewohner in Natur- und Gartengruppen den Garten auch aktiv-therapeutisch nutzen und mitgestalten (z.B. mit dem Sinnespfad, Qi-Gong und Bewegung im Freien, Sport auf der Finnenbahn oder dem Volleyballplatz und separierte Blumenflächen zum Bearbeiten).

Da die ”Naturheilkundliche Pflege” seit langem ein fester Bestandteil der Behandlung im Klinikum ist, hat die Krankenhausleitung im Rahmen einer Öko AG in den letzten Jahren diverse Maßnahmen im Gartengelände umsetzen lassen, wie z.B. die Erweiterung der Obstbaumwiese von 26 auf 48 Obstbäume, Verzicht/Reduzierung von Chemikalien/Salz, die Implementierung eines Waldpfades, Insektenhotels und Fledermauskästen, die durch Patienten und Bewohner im Rahmen der Ergotherapie hergestellt wurden, Pflanzungen im Gemüsegarten, Neubepflanzung einer Vogelschutzhecke mit 14 verschiedenen einheimischen Gehölzen (148m), eine Bienenheimat, Namenstafeln für den alten  Baumbestand mit einem Baumerlebnispfad, Anlegung eines Teiches, Beteiligung an der NABU Aktion ”Stunde der Wintervögel”, Pflanzung einer Wildblumenwiese (1100m²), Kräuterpflanzung für die Krankenhausküche/Eingliederung - und zukünftig therapeutische ”Kräutergruppen”.

Diese Maßnahmen sollen den Patienten und Bewohnern, aber auch den Mitarbeitenden helfen, die Natur als Ressource für mehr Wohlbefinden zu nutzen und mit ihrem Umfeld mehr im Einklang zu leben. Außerdem sollen sie den auf dem Gelände lebenden Tieren zu Gute kommen.

Als absolute Pioniere auf diesem Gebiet hat das AMEOS Klinikum Dr. Heines Bremen gemeinsam mit dem Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen und dem Institut für Berufsund Sozialpädagogik Bremen (ibs) im Jahr 2015 die erste „staatlich anerkannte Fachweiterbildung für komplementäre Pflege“ ins Leben gerufen. Der erste Kurs startete am 21. November 2016. Die angehenden „Fachpflegerinnen und -pfleger für komplementäre Pflege“ werden das Konzept so auch in Zukunft auf eine breite Basis stellen und zu einer weiteren Konsolidierung beitragen.

Die Art und Weise wie im AMEOS Klinikum Dr. Heines Bremen auf allen Stationen Pflegemethoden aus dem Bereich der Naturheilkunde in das therapeutische Angebot einfließen, begeisterte das Publikum auf dem SIQ Forum 2016 so sehr, dass dieses das Projekt mit dem 1. Platz der Best-Practice-Beispiele quittierte.

Sven Helliger, Qualitätsbeauftragter, AMEOS Klinikum Dr. Heines Bremen, 10.09.2018

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