Implementierung eines Analgosedierungsteams für Kinder am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Dr. med. Katharina Röher, Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Dr. med. Sofia Apostolidou, Oberärztin der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Hintergrund

Aufgrund neuer nationaler und internationaler Empfehlungen wird für die zügige, komplikationsarme und schmerzfreie Durchführung diagnostischer Maßnahmen (z. B. bildgebende Verfahren wie MRT- und CT-Untersuchungen) und kleiner Eingriffe (z. B. Organbiopsien, Anlage zentralvenöser Zugänge) bei Säuglingen und Kindern eine professionelle Analgosedierung erwartet.

Die negativen Folgen einer unzureichenden Schmerztherapie können im Kindesalter sehr weitreichend sein. Eine ausreichende Sedierung ist ebenfalls notwendig, um die Prozedur für das Kind und die Familie so stress- und angstfrei wie möglich zu gestalten und die Durchführung der Untersuchung zu optimieren. In der Vergangenheit waren viele solcher Prozeduren im Kindesalter nur in Vollnarkose möglich. Die Analgosedierung, bei welcher der Patient zwar tief schläft, aber selbstständig atmet, kann in vielen Fällen die Vollnarkose ersetzen und ist in der Hand eines erfahrenen Teams sicher und effektiv. In der Vergangenheit wurde die Analgosedierung vom gleichen Kinderarzt „nebenher“ übernommen, welcher auch die Prozedur durchführte. Außerdem stand kein optimal geschultes Team zur Beherrschung von Narkosezwischenfällen zur Verfügung.

Aus diesen Überlegungen heraus ist am UKE ein spezialisiertes Team zur Durchführung von Kinderanalgosedierungen etabliert worden (KAST). So wird gewährleistet, dass sowohl die Aufgaben „Sedierung“ und „Untersuchung“ nicht von demselben Behandler durchgeführt werden, sondern die Aufgaben klar verteilt sind, als auch ein breites Sicherheitsnetz im Falle von Komplikationen zur Verfügung steht.

Ziele

  • Sichere und effektive Durchführung von Analgosedierung bei Kindern
  • Verbesserung von Patientensicherheit und Untersuchungsergebnissen
  • Zeitnahe und verlässliche Terminierung von Untersuchungen
  • Etablierung eines interdisziplinären Teams (Kinderintensivmedizin, Anästhesie)

Projektumsetzung

  • Einrichten einer interprofessionellen und interdisziplinären Projektgruppe, bestehend aus Fachärzten der Anästhesie, der Kinderintensivmedizin sowie Anästhesiefachpflegekräften
  • Anschaffung eines mobilen Arbeitsplatzes für die Analgosedierung
  • Organisation von Teamschulungen im Simulationszentrum des UKE (feste Teammitglieder)
  • Wissenschaftliche Auswertung verschiedener Aspekte der Kinderanalgosedierung zur Überprüfung der Patientensicherheit und Qualität der durchzuführenden Untersuchung
  • Lediglich in 4 von 784 Fällen (0,5%) musste die Prozedur aufgrund einer nicht lebensbedrohlichen Komplikation abgebrochen werden.
  • Die beobachteten Raten an unerwünschten Ereignissen liegen in der Größenordnung vergleichbarer Literaturangaben, wobei eine höhere Propofoldosierung, mangelnde Erfahrung in der Durchführung von Analgosedierungen bei Kindern sowie ein Patientenalter < 1 Jahr unabhängige Risikofaktoren zu sein scheinen.
  • In vielen Fällen war durch effektive Analgosedierung eine Vollnarkose auch bei kleinen Kindern mit schwereren Grunderkrankungen nicht mehr erforderlich. In diesen Fällen konnten die meisten Kinder nach unauffälliger Überwachung am gleichen Tag nach Hause gehen.

Fazit und Ausblick

Die Ergebnisse belegen den hohen Bedarf an professioneller Kinderanalgosedierung in Kliniken mit pädiatrischen Abteilungen und stehen im Einklang mit großen internationalen Risikostatistiken. Die interdisziplinäre Auslegung des Kinderanalgosedierungsteams am UKE führt zu einer engen Kooperation von Anästhesisten und Kinderintensivmedizinern.

Dadurch wird die Etablierung eines hochkompetenten und spezialisierten Teams mit entsprechenden Standards zur Durchführung und Überwachung von Analgosedierungen ermöglicht, so dass Patientensicherheit und Untersuchungsbedingungen wesentlich verbessert werden. Nicht zuletzt reduziert die zügige und schmerzfreie Durchführung diagnostischer Maßnahmen durch ein professionelles Team für Kinder und ihre Angehörigen Stress und Angst in einer schwierigen Zeit. Um die Zufriedenheit von Eltern und Kindern mit den Analgosedierungen zu erfassen und Faktoren zu ermitteln, die die Elternzufriedenheit beeinflussen, ist eine entsprechende Befragung in Planung.

Aufgrund der erlangten Erfahrung stehen alle Ansprechpartner dieses Projekts gerne in Beratungsfunktion für andere Hamburger Kliniken zur Verfügung, um eine  leitliniengerechte Sedierung unter patientensicherheitsrelevanten Kriterien zu etablieren.

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