Zunahme von Alkoholabhängigkeit durch Corona-Pandemie

Egal ob Lockdown, Lockdown light oder andere Kontaktbeschränkungen: Die nun schon seit Monaten bestehenden Einschränkungen haben Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Die Isolation verursacht Stress, nicht zuletzt durch Homeschooling, finanzielle Ängste und fehlende Erholungsmöglichkeiten. Die WHO warnt vor Einsamkeit, Depressionen und einem erhöhten Alkohol- und Drogenkonsum. Auch andere Experten finden mahnende Worte und fordern Gegenmaßnahmen.

Dr. Peter Subkowski, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Paracelsus-Berghofklinik Bad Essen, sieht die fehlende soziale Kontrolle durch Freunde bzw. Kollegen und eine instabile Tagesstruktur als Gefahren, an einer Alkoholabhängigkeit zu erkranken. Besonders psychisch labile Personen mit einem bereits vor der Corona-Pandemie kritischen Alkoholkonsum seien gefährdet.

"Es sind vor allem Ängste und die soziale Isolation, die Menschen in den Alkohol flüchten lassen. In der Corona-Krise haben viele von uns mehr Stress, mehr Konflikte und mehr Einsamkeit erlebt. Das reicht von veränderten Arbeitsbedingungen mit Homeoffice, Kurzarbeit und Angst um den Arbeitsplatz über die angespannte Familiensituation mit Kinderbetreuung und Home-Schooling bis zu dem Gefühl des Verlassenseins vor allem bei Singles und älteren Menschen. Telefonate und Videokonferenzen sind eben kein Ersatz für das reale Treffen mit Menschen."

Dr. Peter Subkowski, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Paracelsus-Berghofklinik Bad Essen

Bereits während des ersten Lockdowns 2020 gaben 37 % der Befragten in einer Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit an, mehr Alkohol getrunken zu haben. Neben einem erhöhten Konsum von Bier, Wein und Spirituosen ist auch ein Anstieg bei anderen Suchtmitteln wie Tabak festzustellen.

Alkoholabhängiger Mann sitzt mit aufgestützten Armen am Tisch und starrt auf eine Flasche mit Alkohol.

Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist eine Zunahme der Mediensucht zu erwarten. Der fehlende Kontakt zu Freunden und der nicht stattfindende Schultag lässt die jungen Menschen vermehrt zum Smartphone greifen. In einem Interview mit dem Merkur berichtet die Caritas-Beratungsstelle in München eine - im Vergleich zum ersten Lockdown - nochmals gestiegene Nachfrage nach Suchtberatungen.

Die Gefahr von zunehmenden Abhängigkeitserkrankungen durch Isolation und Stresssituationen in Pandemien ist nicht neu. Zuletzt hatte eine Studie nach der SARS-Epidemie 2003 gezeigt, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und der Pandemiesituation besteht. Betrachtet wurden 549 Krankenhausmitarbeiter in China, die während des SARS-Ausbruchs in Quarantäne bzw. auf einer SARS-Infektionsstation tätig waren.

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Wie Menschen Wege aus der Sucht finden | NDR

26.02.2021

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