Bei der Wahl der Klinik ist die Wohnortnähe ausschlaggebend!

Patienten lassen wichtige Qualitätsgradmesser außer Acht

Patienten, die vor einem Eingriff stehen, haben viele Möglichkeiten, eine gute Klinik und einen erfahrenen Operateur zu finden. Viele aber lassen Gradmesser wie die Zahl der Eingriffe oder die Komplikationsrate außer Acht. 

Krankenhäuser sind gesetzlich dazu verpflichtet, aufwendige Qualitätsberichte zu veröffentlichen, die sich online leicht finden lassen. Und eine Reihe vertrauenswürdiger Internet-Seiten stellen leicht verständlich dar, welche Kliniken bei welchem Leiden gute Arbeit leisten. Einzig: Patienten sind all diese Qualitätsberichte offenbar egal. Zwar weiß jeder zweite Bundesbürger von diesen Klinikzeugnissen, aber nur jeder zehnte hat sich schon über die Qualität eines Krankenhauses informiert. Und gerade einmal sechs Prozent aller Patienten haben sich aufgrund der Lektüre eines Qualitätsberichts für oder gegen ein Krankenhaus entschieden. Ausschlaggebend ist für die Deutschen stattdessen die Nähe zu ihrem Wohnort. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie für den Krankenhauskonzern Asklepios, für die 1000 Bundesbürger befragt wurden. Für 40 Prozent der Befragten, die kürzlich in einem Krankenhaus waren, war demnach die Lage des Hauses das entscheidende Kriterium.

"Patienten vertrauen am ehesten dem Krankenhaus, das in der Nähe liegt. Es ist durchaus verständlich, dass Betroffene für ein neues Kniegelenk oder eine Gallenstein-OP zum Krankenhaus um die Ecke gehen, weil sie das Haus kennen und Freunde und Verwandte sie dort besuchen können. Aber gefährlich ist es trotzdem, wenn die Patienten sich mit dieser bequemsten Lösung zufrieden geben, ohne zu hinterfragen, welche qualitativen Leistungen diese Klinik erbringt."

Prof. Dr. Christoph Herborn, Medizinischer Direktor bei den Asklepios Kliniken

Die Qualifikation der Ärzte war zwar immerhin für 38 Prozent der Patienten noch ausschlaggebend, und ein Drittel hat die Spezialisierung in einem bestimmten Fachgebiet hinterfragt. Die wichtigsten Gradmesser für die Qualität haben die Betroffenen aber außer acht gelassen: die Zahl der Eingriffe und die Rate der Komplikationen. Bei Operationen spielt nicht nur die Expertise eine Rolle, sondern auch die Routine. Je häufiger ein bestimmter Eingriff durchgeführt wird, desto weniger Komplikationen treten auf. Deswegen schreibt der Gesetzgeber inzwischen für bestimmte Arten von Eingriffen Mindestmengen vor: Führen die Kliniken diese Eingriffe nicht häufig genug durch, dürfen sie nicht mehr über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Laut der Studie ist die Zahl der Eingriffe aber für weniger als ein Viertel ein wichtiges Kriterium bei der Klinikwahl. Infektions- und Komplikationsraten sind den Befragten noch unwichtiger.

Den Artikel dazu finden Sie hier.

06.12.2018

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