Spondylopathie

Der Begriff Spondylopathie dient in der Medizin als Überbegriff für mehrere Krankheitsbilder, die mit degenerativen (verschleißbedingten) Veränderungen der Wirbelsäule – genauer: der Wirbelkörper – einhergehen. Als Auslöser kommen neben dem natürlichen Verschleiß von Wirbelkörpern und Bandscheiben chronische entzündliche Prozesse, langjährige Über- oder Fehlbelastung sowie Verletzungen in Frage.

Eine Spondylopathie kann grundsätzlich in jedem Abschnitt der Wirbelsäule auftreten. Bereiche, die im Alltag besonders stark belastet werden, sind jedoch einem höheren Risiko für degenerative Veränderungen ausgesetzt.

In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) der Weltgesundheitsorganisation sind die unspezifischen Formen der Spondylopathie unter dem Code M48 (Sonstige Spondylopathien) verzeichnet. Allerdings gibt es viele Überschneidungen mit Erkrankungen aus demselben Formenkreis, die unter den ICD-Codes M45 bis M49 gelistet sind. Darunter finden sich vor allem die häufigen degenerativen und entzündlichen Formen der Spondylopathie.

Risikofaktoren für eine Spondylopathie

Zu den bekannten Risikofaktoren, die das Entstehen einer Spondylopathie begünstigen, zählen neben einem höheren Alter:

  • Übergewicht
  • Infektionen
  • Krankheiten, die mit entzündlichen Prozessen einhergehen
  • Rauchen
  • vorangegangene Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule

Was sind die Ursachen einer Spondylopathie?

Am häufigsten sind Menschen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr erstmals von einer Spondylopathie betroffen. Das liegt daran, dass mit steigendem Lebensalter auch die Faktoren, die sich ungünstig auf die Stabilität und Funktion der Wirbelkörper auswirken, ansteigen. So kommt es mit den Jahren zu Abnutzungserscheinungen und zum Umbau des Gelenkknorpels und der Bandscheiben.

Gesunde Knorpel und Bandscheiben üben eine entlastende und stoßdämpfende Wirkung aus und verhindern damit Verschleißerscheinungen an den Wirbelkörpern. Sind die beiden schützenden Strukturen jedoch geschädigt, wirkt sich das auch auf die Wirbelkörper selbst aus: Sie nutzen sich schneller ab, die Gefahr von Verknöcherungen, Wirbelbrüchen und Bewegungseinschränkungen steigt.

Durch den Umbau der Wirbelkörper kommt es bei manchen Betroffenen zu Belastungsschmerzen bei bestimmten Bewegungsabläufen. Sind die im Wirbelkanal verlaufenden Nerven durch verknöcherte Strukturen dauerhaft eingeschränkt, sind Taubheitsgefühle, Muskelschwächen oder bis in die Gliedmaßen ausstrahlende Schmerzen mögliche weitere Symptome.

Welche Formen der Erkrankung gibt es?

Die Unterscheidung der Spondylopathien erfolgt im Wesentlichen nach ihrem Differenzierungsgrad und dem Vorliegen von Entzündungen und/oder Nervenbeteiligung. Von undifferenzierten Sponydlopathien sprechen Ärzte dann, wenn keine eindeutig zuordenbare auslösende Faktoren bekannt sind und ein eher unbestimmtes Krankheitsbild vorherrscht.

Manchmal sind äußere Einwirkungen Auslöser einer Spondylopathie: Dazu zählen etwa der sogenannte Ermüdungsbruch des Wirbelkörpers, bei dem es zu langsam fortschreitenden kleineren Brüchen (Mikrofrakturen) des Knochens kommt, die nicht sofort wahrgenommen werden. Ursache ist hier oft eine Überbelastung des Knochengewebes durch Sport, schweres Heben oder ähnliche körperliche Belastungen.

Sehr häufig sind Spondylopathien mit einem entzündlichen Geschehen im Körper assoziiert: Zu diesen Erkrankungen zählen zum Beispiel der Morbus Bechterew, bei dem es zu Verknöcherungen und Bewegungseinschränkungen als Spätfolge der Krankheit kommt. Infektionen der Bandscheiben oder Wirbelkörper, der Knochen (Osteomyelitis), Autoimmunreaktionen oder Entzündungen als Folge traumatischer Belastungen kommen ebenfalls als Auslöser einer entzündlichen Spondylopathie in Frage.

Neuropathische Spondylopathien entstehen meist als Folge von Infektionen, Traumata oder Tumoren. Zu ihnen zählen zum Beispiel die Symptome der Syringomyelie, bei der sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Rückenmark ausbilden und zu Sensibilitätsstörungen im Bereich des betroffenen Nervenabschnittes führen.

Axiale Spondylopathien betreffen die unteren Bereiche des Rückens. Auslöser sind oft chronisch-entzündliche Prozesse, Ärzte sprechen dann von einer axialen Spondyloarthritis. Im Unterschied zu den meisten anderen Formen der Spondylopathie tritt die axiale Spondyloarthritis oft schon im jugendlichen oder jungen Erwachsenenalter auf – am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Die Schmerzen treten dabei häufig nachts auf, lassen in Ruhe nicht nach und werden bei Bewegung besser. Auch der beschriebene Morbus Bechterew zählt zu den axialen Spondyloarthritiden.

Die Diagnose stellt der Arzt gewöhnlich anhand von Röntgenbildern. Nicht alle Pathologien des Wirbelkörpers sind allerdings im Röntgenbild erkennbar, deshalb ist es in manchen Fällen notwendig, zusätzlich eine MRT (Magnetresonanztomographie) durchzuführen. Mittels MRT erkennt der Arzt Schädigungen oder Einklemmungen von Nerven, die sich wiederum durch eine Elektromyografie (EMG) absichern lassen – in der EMG wird die Leitfähigkeit von Nervenbahnen bestimmt. Manche Erkrankungen der Wirbelkörper, die mit entzündlichen Prozessen einhergehen, lassen sich auch durch einen Labortest auf Rheumafaktoren im Blut nachweisen – die Probe ist dann „seropositiv”.

Wie lässt sich eine Spondylopathie behandeln?

Rückenschmerzen, Taubheitsgefühle, Muskelschwächen aber auch Inkontinenz und Impotenz können durch eine Spondylopathie verursacht werden.
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Da die Ursachen einer Spondylopathie so unterschiedlich sind wie die auftretenden Symptome, richtet sich die Behandlung der Beschwerden immer nach der Grunderkrankung.

Liegen der Erkrankung chronisch-entzündliche Prozesse zugrunde, ist der Einsatz entzündungshemmender und schmerzstillender Medikamente - sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika oder NSAR – die Therapie der Wahl.

Gute Erfolge lassen sich weiters mit physiotherapeutischen Methoden erzielen: Hier setzen die Therapeuten vor allem auf eine muskelstärkende, rückenschonende und haltungskorrigierende Bewegungsschulung.

Sind diese nicht-invasiven Verfahren nicht ausreichend erfolgversprechend, besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffs. Dabei operieren die behandelnden Orthopäden bzw. Neurochirurgen so weit möglich mit minimalinvasiver Technik – das bedeutet, dass sie nur einen kleinen Einschnitt im betroffenen Teil der Wirbelsäule vornehmen. Mittels Endoskop entfernen sie dabei schonend überschüssiges Knochengewebe und veröden Nervenendigungen. Im Idealfall lässt sich die normale Funktion des Wirbelkörpers und der anliegenden Nervenbahnen auf diese Weise wieder vollständig herstellen.

Reha nach der Behandlung

Je nach Schweregrad der Einschränkung und Schmerzbelastung haben Sie die Möglichkeit, ambulante oder stationäre Rehabilitation in Anspruch zu nehmen. Viele Formen der Spondylopathie sprechen gut auf ambulante Maßnahmen an, bei denen neben rücken- und muskelstärkenden Übungen viel Augenmerk auf Selbsthilfe gelegt wird: Sie lernen dabei unter anderem, Bewegungen rückenschonend auszuführen und Verspannungen sowie Schmerzzustände zu reduzieren.

Vor allem, wenn ein operativer Eingriff zur Behandlung der Spondylopathie notwendig war, ist ein anschließender stationärer Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung für eine vollständige Genesung von großer Bedeutung. Kurz nach der Operation dürfen Sie noch keine belastenden Bewegungen ausführen, auch zu intensive sportliche Betätigung ist eine Zeit lang tabu.

Die Zeit des stationären Aufenthalts dient vor allem dem gezielten Muskelaufbau und der Wiederherstellung der Beweglichkeit der Wirbelsäule – dafür bieten etwas Abstand von den Belastungen des Alltags, eine gesunde Lebensweise und das Erlernen eines bewussten Umgangs mit dem eigenen Körper die besten Voraussetzungen.

Auf einen Blick

Erkrankungen der Wirbelkörper sind häufig und haben unterschiedlichste Ursachen. Neben entzündlichen Prozessen zählen Überbelastung und altersbedingter Verschleiß zu den häufigsten Auslösern einer Spondylopathie. Je nach Ausprägung der Erkrankung stehen effektive schmerzlindernde und/oder physiotherapeutische Therapien zur Verfügung. In manchen Fällen ist ein operativer Eingriff jedoch erfolgversprechender als eine medikamentöse Behandlung.

zuletzt geändert am: 05.06.2019

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