Morbus Crohn

Morbus Crohn gehört zur Gruppe der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Morbus Crohn zählt neben Colitis Ulcerosa zu den bekanntesten Vertretern dieser Gruppe. Meistens verläuft die Erkrankung in Schüben. Die Hauptsymptome sind Bauchschmerzen und Durchfälle. Die Krankheit entsteht meistens zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr und begleitet die Patienten ihr Leben lang. Medikamente und eine Anpassung des Lebensstils können die Beschwerden lindern.

Krankheitsverlauf

Durchschnittlich liegt das Erkrankungsalter bei Morbus Crohn zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr. Prinzipiell kann die Erkrankung aber in jedem Alter auftreten.

Die Symptome sind nicht immer gleich stark, sondern verlaufen schubweise. So wechseln sich Phasen mit starken Symptomen, Phasen mit milden Symptomen oder beschwerdefreie Phasen ab. Ein Krankheitsschub kann zwischen wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen andauern. Mit guter medizinischer Versorgung und einem angepassten Lebensstil können die beschwerdefreien Phasen über mehrere Jahre andauern. Obwohl die Krankheit nicht heilbar ist, kann Betroffenen somit ein nahezu beschwerdefreies Leben ermöglicht werden. Auch die Lebenserwartung weicht bei guter Behandlung nicht von der Lebenserwartung gesunder Personen ab.

Häufigkeit in der Bevölkerung

Eine genaue Bestimmung der Fallzahlen ist schwierig, da die Zahlen, insbesondere in Industrieländern, stetig steigen. Schätzungen gehen von etwa 420.000 bis 470.000 CED-Patienten in Deutschland aus. Frauen und Männer erkranken etwa gleich häufig. Generell lässt sich feststellen, dass die Häufigkeit mit höherem Lebensstandard und verbesserten hygienischen Bedingungen zunimmt.

Ursachen von Morbus Crohn

Die Symptome entstehen durch Entzündungen der Schleimhaut des Verdauungstrakts. Was diese Entzündungen auslöst, ist nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen:

Genetische Faktoren (Vererbung): In manchen Familien tritt die Erkrankung gehäuft auf, was dafürspricht, dass es genetische Dispositionen für die Krankheit geben könnte. Bei etwa der Hälfte der Patienten liegen Mutationen des Gens NOD2=CARD15 auf Chromosom 16 vor. Menschen besitzen von jedem Gen zwei Allele. Ein Allel stammt vom Vater, eins von der Mutter. Wenn nur ein Allel des Gens NOD2=CARD15 Mutationen aufweist, ist das Risiko an Morbus Crohn zu erkranken um das Doppelte erhöht. Wenn beide Allele des Gens Mutationen aufweisen, ist die Wahrscheinlichkeit, an Morbus Crohn zu erkranken, hundertfach erhöht.

Immunologische Faktoren: Neuere Theorien gehen davon aus, dass eine gestörte Barrierefunktion der Darmschleimhaut eine Rolle bei der Entstehung von Morbus Crohn spielen könnte. Die Schleimschicht, die der Darmschleimhaut aufgelagert ist, enthält sogenannte Defensine, die für die unspezifische Immunabwehr zuständig sind. Bei Morbus Crohn scheint die Defensinbildung gestört zu sein, was zusammen mit anderen Faktoren zu einer reduzierten Abwehr gegen Mikroorganismen, wie beispielsweise Bakterien, führt. Dadurch ändert sich auch das Mikrobiom des Darms, also die Zusammensetzung der Mikroorganismen, die den Darm besiedeln. Eindringende Bakterien können so leichter eine Entzündung des Darms auslösen und zu einer besonders starken Reaktion des Immunsystems führen. Außerdem wird vermutet, dass auch autoimmunologische Prozesse eine Rolle spielen. Darunter versteht man eine Produktion von Antikörpern gegen körpereigenes Gewebe. Bei einigen Morbus Crohn Patienten lassen sich Antikörper gegen bestimmte Zellen des Colons (längster Teil des Dickdarms) nachweisen.

Umweltfaktoren: In den letzten 30 Jahren zeigte sich in den Industrieländern ein starker Anstieg von Morbus Crohn Erkrankungen. Das kann als Hinweis darauf gesehen werden, dass auch Umweltfaktoren und Lebensbedingungen eine Ursache für Morbus Crohn sein können. Besonders Rauchen steigert das Risiko zu erkranken. Außerdem wird vermutet, dass auch die Ernährung einen Einfluss auf die Erkrankung haben kann. Dafür liegen allerdings noch keine Beweise vor.

Psyche: Es gibt keine Nachweise dafür, dass psychische Faktoren eine direkte Rolle bei der Entstehung von Morbus Crohn spielen. Bei vielen Betroffenen lässt sich allerdings beobachten, dass psychische Belastungen einen neuen Krankheitsschub auslösen können. Hinzu kommt, dass die Krankheit selbst häufig eine psychische Belastung darstellen kann, da sie mit Ängsten vor Krankheitsschüben, Operationen oder Medikamenten verknüpft ist.

Junge Frau mit Bauchschmerzen
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Was sind die Symptome von Morbus Crohn?

Morbus Crohn kann einzelne Abschnitte im gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betreffen. Am häufigsten ist der letzte Abschnitt des Dünndarms (terminale Ileum) betroffen. Erkrankungsverläufe, die auf das Colon beschränkt sind, machen 15-20% der Fälle aus. Eine Beteiligung des oberen Gastrointestinaltraktes (dazu gehören Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm und der erste Abschnitt des Dünndarms) findet sich bei circa 40% der Patienten. Je nachdem in welchem Abschnitt des Verdauungstrakts die Krankheit besteht, kann es zu unterschiedlichen Symptomen kommen. Die verbreitetsten Symptome sind:

Durchfälle: Viele Patienten haben mehrmals am Tag nicht-blutige Durchfälle.

Bauchschmerzen: Die Schmerzen treten meistens krampfartig im rechten Unterbauch auf, da sich in diesem Bereich der letzte Abschnitt des Dünndarms befindet. Sie können aber auch in anderen Bereichen des Bauchs auftreten.

Gewichtsabnahme: Die Angst vor den Symptomen führt häufig dazu, dass Patienten weniger Nahrung zu sich nehmen. Außerdem gehen durch die Durchfälle viele wichtige Nährstoffe verloren, was zu einer Gewichtsabnahme führt.

Müdigkeit und Fieber: Der Körper wird durch den Entzündungsprozess geschwächt, wodurch Erkrankte sich häufig müde und erschöpft fühlen. In einigen Fällen reagiert der Körper auch mit erhöhter Temperatur oder Fieber.

Fisteln: Bei Fisteln handelt es sich um krankhafte Verbindungsgänge, die ein Hohlorgan des Körpers mit einem anderen Organ oder der Körperoberfläche verbinden. Bei Morbus Crohn entstehen häufig Verbindung zwischen dem Darm und benachbartem Gewebe. Fisteln können auch verstopfen, wodurch Flüssigkeit und Eiter eingeschlossen werden. Man spricht dann von einem Abszess.

Beschwerden in anderen Körperbereichen: Bei etwa 50 % der Betroffenen treten auch Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts auf (extraintestinale Manifestationen). Die häufigste zusätzliche Erkrankung ist eine Blutarmut. Sie liegt vor, wenn der Hämoglobinwert, also der eisenhaltige rote Blutfarbstoff unter einen bestimmten Wert sinkt.

Außerdem können beispielsweise die Gelenke, die Haut, die Knochen oder die Augen betroffen sein. An den Gelenken treten dabei häufig Schmerzen oder Entzündungen auf. Im Bereich der Haut zeigen sich im Zusammenhang mit Morbus Crohn besonders häufig die Erkrankungen Erythema nodossum (eine Entzündung des Unterhautgewebes, die rote Knötchen unter der Haut verursacht) und Pyoderma gangraenosum (eine großflächige Erkrankung, die zu Geschwürbildung oder zum Absterben der Haut führt). Auch eine Verminderung der Knochendichte oder Entzündungen verschiedener Bereiche der Augen treten bei Erwachsenen mit Morbus Crohn gehäuft auf.

Morbus Crohn und Schwangerschaft

Wenn der Morbus Crohn in einer Ruhephase ist, hat er keinen nachweisbaren Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen. Aktive Erkrankungen oder Operationen im Bereich des kleinen Beckens können zu einer verminderten Fruchtbarkeit führen. Bei Männern kann eine Behandlung mit Sulfasalazin, einem Präparat, das zu den Alminosalicylaten gehört, vorübergehend zu Unfruchtbarkeit führen.

Um Komplikationen während der Schwangerschaft zu vermeiden, sollte die remissionserhaltende Therapie während der Schwangerschaft fortgesetzt werden. Eine erhöhte Krankheitsaktivität ist nämlich ein großer Risikofaktor für eine Früh- oder Totgeburt. In einer Ruhephase hat die Erkrankung jedoch nur einen sehr geringen Einfluss auf die Schwangerschaft.

Um zu entscheiden, ob die Medikation bei einem Kinderwunsch, in der Schwangerschaft oder in der Stillzeit umgestellt werden muss, sollte immer eine individuelle Beratung durch die behandelnden Ärzte stattfinden. 

Unterschied Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa

Bei Colitis Ulcerosa handelt es sich ebenfalls um schubweise auftretende, chronisch entzündliche Darmerkrankung. Viele Symptome wie Bauchschmerzen, Fieber oder Gewichtsverlust treten bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa gleichermaßen auf. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass Betroffene bei Colitis Ulcerosa unter blutigen Durchfällen leiden, was bei Morbus Crohn nicht der Fall ist. Außerdem ist die Colitis Ulcerosa im Regelfall auf das Colon (mittlerer Abschnitt des Dickdarms) beschränkt und zeigt sich in einer kontinuierlichen Entzündung der Schleimhaut. Morbus Crohn hingegen kann im gesamten Verdauungstrakt auftreten, die Entzündungen sind häufig fleckenförmig verteilt und betreffen nicht nur die Schleimhaut, sondern alle Schichten der Darmwand.

Eine mögliche Komplikation, die besonders mit Colitis Ulcerosa in Verbindung steht, ist das toxische Mega-Colon. Dabei kommt es zu einer Aufweitung des Colons, die zu einem Schock mit Multiorganversagen übergehen kann.

Wie wird Morbus Crohn diagnostiziert?

Um Morbus Crohn zu diagnostizieren, kann eine Vielzahl von Methoden eingesetzt werden. Der Arzt, meist ein Gastroenterologe, tastet den Patienten häufig zuerst ab. Entstehen dabei Druckschmerzen im rechten Unterbauch oder können Verhärtungen gespürt werden, so gibt dies einen ersten Hinweis auf eine Morbus Crohn Erkrankung.

Wenn ein Verdacht auf Morbus Crohn besteht, kommen bildgebende Verfahren wie Endoskopie (Darmspiegelung) oder Sonographie (Ultraschall) zum Einsatz. In der Regel wird bei zur Feststellung von Morbus Crohn während der Darmspiegelung (Ileokoloskopie) gleichzeitig eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie). Nicht nur bei der Erstdiagnose sondern auch während der Therapie wird die Endoskopie genutzt.

Auch Blut- und Stuhlproben können Aufschluss darüber geben, um welche Erkrankung es sich handelt. Ein wichtiger Marker zur Bestimmung von CED ist der Calprotektin-Wert im Stuhl. Calpreotecin ist ein Eiweißstoff, der in weißen Blutkörperchen vorkommt. Ein erhöhter Wert ist ein Hinweis auf ein entzündliches Geschehen im Darm.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung von Morbus Crohn ist es, die Aktivität der Erkrankung zu stoppen. Die Patienten sollen symptomfrei ihren Alltag verbringen können, auch ohne die dauerhafte Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten wir Cortison.

Medikamentöse Behandlung: Die medikamentöse Behandlung wird individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst. Dabei wird beispielsweise berücksichtigt, welcher Bereich des Verdauungstrakts befallen ist und wie stark die Entzündungen ausgeprägt sind. Während starker Schübe kommen häufig Glucocorticoide zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine chemische Abwandlung des körpereigenen Hormons Cortisol. Es gehört zu den Stresshormonen und hat unterschiedliche Wirkungen. Bei der CED-Behandlung ist insbesondere die Immunsuppressive, d.h. das Immunsystem unterdrückende Wirkung, gewünscht. Auch Aminosalicylate können während eines Schubs eingesetzt werden. Sie haben eine entzündungshemmende Wirkung. Immunsuppressiva sind für eine Langzeittherapie geeignet. Ihre Aufgabe ist das Hemmen der entzündungsabwehrenden Funktion, die eigentlich die natürliche Abwehr von Infekten und chemischen Fremdstoffen im Körper leistet. Da diese natürliche Abwehr bei CED aber überreagiert, ist bei diesen Krankheiten das Bremsen der Immunabwehr ein wichtiges Behandlungsprinzip.

Anpassung des Lebensstils: Bei Morbus Crohn sollte unbedingt auf das Rauchen verzichtet werden. Außerdem hat regelmäßige sportliche Aktivität nachweislich einen positiven Effekt auf den Verlauf der Krankheit und das körperliche, persönliche und seelische Wohlbefinden.

Ernährung: Derzeit gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf, dass bestimmte Ernährungsformen Auslöser für die Entstehung von Morbus Crohn darstellen. Nahrungsmittelintoleranzen treten bei Morbus Crohn Patienten aber gehäuft auf. Bei 70% der Patienten entwickelt sich vorübergehend oder dauerhaft eine Laktoseintoleranz. Die Laktoseintoleranz tritt besonders bei Morbus Crohn Patienten mit Dünndarmbefall auf. Es handelt sich um eine sogenannte sekundäre Laktoseintoleranz, die nach erfolgreicher Behandlung des Morbus Crohn umkehrbar ist. Auch unspezifische Unverträglichkeiten von Kohlgemüse und Hülsenfrüchten treten häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Eine an die Unverträglichkeit angepasste Ernährung kann dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern. Es gibt keine Ernährungsform, die bei Morbus Crohn allen Patienten gleichermaßen hilft. Im Verlauf der Erkrankung sollten individuell angepasste ernährungstherapeutische Maßnahmen durchgeführt werden.

Operative Maßnahmen: Lässt sich die Erkrankung durch Medikamente und eine Anpassung des Lebensstils nicht unter Kontrolle bringen, ist eine Operation notwendig. In schweren Fällen muss der betroffene Darmabschnitt unter Umständen entfernt werden. Etwa 80% der Patienten, die an einem Morbus Crohn erkrankten, müssen sich im Laufe ihres Lebens einmal oder mehrmals einer Operation unterziehen. Durch die ständige Entzündungsaktivität und das nachfolgende Vernarben entsteht mit der Zeit ein Strukturschaden des Colons. Dies zeigt sich durch eine narbige Darmstenose (Darmverengung), schwere Darmblutung, Bauchfellentzündung oder Darmdurchbruch. Ein chirurgischer Eingriff ist häufig unumgänglich. Auch wenn Abszesse oder Fisteln entstehen, kann eine Operation notwendig werden.

Reha bei Morbus Crohn

Der Aufenthalt in einer Reha-Klinik zielt darauf ab, dass der Patient sich nach einem akuten Schub oder einer Operation bestmöglich erholen kann und in den Alltag zurückfindet. Außerdem werden Informationen zu Krankheit, Untersuchungsverfahren und Behandlungsmöglichkeiten vermittelt. Es soll umfassend über Symptomatik, Diagnose, medikamentöse und chirurgische Behandlungsstrategien, Krankheitsverläufe und Begleiterkrankungen aufgeklärt werden. 

Zu Beginn der Reha wird durch eine ausführliche Eingangsuntersuchung festgestellt, wie der körperliche Zustand und das seelische Wohlbefinden des Patienten sind und welche Probleme und Einschränkungen die Erkrankung mit sich bringt. Anhand dieser Informationen wird für jeden Patienten ein individueller Therapieplan ausgearbeitet, der sich aus verschiedenen Rehabilitationsmaßnahmen zusammensetzt. Bestandteile der Reha können beispielsweise eine Ernährungsberatung, Physiotherapie, Ergotherapie oder Osteopathie sein. Da die Erkrankung für viele Patienten auch eine psychische Belastung darstellt, finden auch psychologische Gespräche, Entspannungstechniken und Stressmanagement im Rahmen der Reha statt. Außerdem bekommen Betroffene die Möglichkeit, sich mit anderen Patienten zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen. Patienten erhalten Informationen zu sozialrechtlichen Fragen wie der finanziellen Absicherung, dem Schwerbehindertenrecht, Umgang mit beruflichen Problemlagen, der Wiedereingliederung sowie Hilfen für den Alltag und die Vermittlung von Selbsthilfegruppen.

Zuletzt geändert am: 03.08.2021

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